Neuseeland Queenstown, ein Ort für Adrenalin-Junkies

Magen, bleib, wo du hingehörst! Schon beim Einsteigen in dieses skurrile, silbergraue Flugobjekt wird mir mulmig. Im roten Strampelanzug, bewehrt mit Brille und Helm, werde ich bäuchlings festgeschnallt. Vor mir ein kleines Cockpit mit Mororradlenker, hinter mir ein 160-PS-Propeller-Antrieb. „Fly-by-Wire“ nennen die Neuseeländer die bisher wohl abgehobenste Art, sich eine Extra-Portion Adrenalin abzuholen. An einem 100 Meter langen Drahtseil hängend werde ich nun samt dem Gefährt von einem ausgedienten Schlepplift auf der Talseite eines Canyons rückwärts nach oben gezogen - bis ich in 100 Meter Höhe baumel, kopfüber in himmelhoher Startposition über dem Abgrund.

Dann geht’s los. Ich gebe Vollgas, und mit 170 Sachen jage ich nach unten - an drei über die Schlucht gespannten Kabeln hängend. Das Verrückte: Ich lenke selbst. Ziehe das dröhnende Geschoss in weite Kurven und brettere kreuz und quer über den Canyon, immer so weit, wie es der Radius der Seile ermöglicht. Zehn Minuten dauert der heiße Ritt, dann hat mich der Boden Neuseelands wieder. Nur mein Magen hängt noch auf halb acht.

Für die Bewohner von Queenstown ist diese Art, sich ein aufregendes Wochenende zu machen, völlig normal. Der 10.000-Einwohner-Ort nahe der Ausläufer von Neuseelands Südalpen gilt als weltweite Action-Hochburg, ein Wallfahrtsort für speed-, spaß- und höhengeile Adrenalin-Junkies. Die Auswüche des modernen Abenteuer-Tourismus sind hier an jeder Straßenecke zu bewundern. Das kleine im Westernstil erbaute Örtchen mit seinen Holzhäusern berstet vor Anbietern: Rafting-Trips hier, Skydiving-Tours da, ein buntes Schild neben dem anderen, und die Verheißungen stehen groß, in bunten Farben auf den Plakaten vor den Läden: „Das Abenteuer Ihres Lebens, buchen Sie jetzt!“

Wer tatsächlich bucht, kann was erleben

Speed-Boating etwa. In einem kleinen, sehr schnittigen Jet-Boot nehmen etwa zehn Menschen in Schwimmwesten und Helmen Platz, und dann jagt das Geschoss mit 70 km/h durch die wilden und klaren Flüsse der Canyons, teilweise nur Zentimeter am steinigen Ufer entlang. Oder River Surfing auf dem Kawaru-Fluss. Auf einem schmalen Boogy-Board liegen die Gäste in Neoprenkluft und treiben durch die gurgelnden und reissenden Wogen, mit Schmackes und Karacho stromabwärts. Wem das Wasser zu nass ist, kann es auch zu Land wild treiben. Hiking-Touren, Mountainbike-Eskapaden, Jeepsafaris, Freeclimbing-Ausflüge oder Goldgräberwanderungen nach Navis Valley – das imposante Hinterland der Berge sowie zahlreiche Gletscher sorgen für ein wahrhaft einmaliges Naturerlebnis. Neuseeland zeigt sich hier unten von seiner imposantesten Seite.

Wer jedoch den echten, den ganz großen Kick sucht, der muss in die Luft gehen. Etwa bei einem 4000-Meter-Tandem-Fallschirmsprung aus dem Flugzeug. Oder man setzt sich mit einem Kunstflugpiloten in eine kleine Maschine und dreht Pirouetten und Loopings am Himmel, bis man nur noch die Augen schließt und betet. Gemütlicher das Para-Boating. Auf den Lakes Wanaka und Wakatipu ziehen Motor–boote Paraglider auf 1000 Meter, wonach eine luftige Seh-Reise unter dem Schirm folgt mit schier unglaublicher Aussicht auf das weite Kiwi-Reich. Wer es dann doch richtig hart mag, stürzt sich am besten irgendwo runter. Kaum eine der vielen Canyonbrücken, wo nicht eine Bungee-Jump-Station eröffnet hat.

Pipeline Bungee etwa. Der Hüpfer aus 102 Meter Höhe war lange Zeit der Höhepunkt von Queenstown’s High-Life-Erlebnissen. Doch dann konterte der Erfinder des kommerziellen Bungee-Springens, A.J. Hackett, mit Nevis Highwire - ein Abgang aus 134 Meter zwischen zwei Felsen. Das konnte der Veranstalter Pipeline natürlich nicht auf sich sitzen lassen - und bot prompt Absprünge aus dem Ballon an, aus 220 Meter an einem Seil ins Nichts. Gelandet wird erst zehn Minuten später, noch immer kopfüber am Seil hängend.

Crazy Kiwiland! Wer sich einmal in derart überbordenden Abenteuer-Angeboten suhlen will, liegt in Queenstown genau richtig, Kick und Höhenrausch garantiert. Und wer es bodenständiger liebt? Der kommt ebenfalls auf seine Kosten. Der Ort hat viele gute Restaurants, jede Menge urige Bars mit Live-Musik, und selbst wenn es bei uns noch richtig kalt ist, ist’s Down-under schön warm. Man könnte sich also theoretisch gemütlich in einer Sonnenliege ahlen – käme nicht alle paar Minuten einer vorbei, um einem irgend so ein irres Abenteuer anzudrehen.

Weitere Informationen:

Anreise: Flug nach Christchurch auf der Südhalbinsel zum Beispiel mit Air New Zealand. Von dort aus mit dem Mietwagen in zirka vier Stunden bis Queenstown.

Wohnen und Buchungen: Das Visitor Information Centre Ecke Shotover/Campsstreet - hier kann man alle Hotels und B&B’s im Ort buchen ebenso wie alle oben genannten Action-Touren.    

Action und Adventure:  Fly-by-Wire, www.flybywire.co.nz; Jeep-Trips: Zalhreiche Touren ins Hinterland und durch die Berhge bieten Off-Road Adventures unter www.offroad.co.nz; Bungee: Sprünge von allem, was höher als 50 Meter ist, bietet an A-J-Hacket/The Station, www.ajhackett.com

Tipp: Wer sich einen Überblick über die sich schnell ändernden Action-Angebote im Ort verschaffen will, geht einfach einmal durch den Ort. In einer Stunde ist man die beiden Hauptstraßen abgelaufen und kann sich auf den Plakaten und in den Broschüren, die überall ausliegen, gut informieren.

Generelle Infos über den Ort auch unter www.queenstown-nz.co.nz

Autor:
Marc Bielefeld