Neuseeland Hotels und Edel-Herbergen im Südpazifik

Philippe Starck und andere urbane Designer würden vermutlich am Naturparadies Neuseeland verzweifeln: Der Inselstaat am Südpazifik kann zwar mit spektakulären Natur-Schönheiten aufwarten. Aber Großstadt-Flair wie in Paris oder Berlin gehört nicht zu seinen Stärken. Altbauhäuser aus vergangenen Jahrhunderten oder Prachtstraßen mit Kopfsteinpflaster sucht man vergeblich. Und die Hauptstadt Wellington erreicht noch nicht mal ganz die halbe Million in der Einwohnerzahl.

Dabei ist dieser Aspekt in Neuseeland in Wahrheit doch relativ nebensächlich. Denn der Tourist kommt und will eigentlich nur eines - die großartige Landschaft bestaunen. Auf Bergschuhen mit Extra-Spikes, mit der Angelroute oder auf Skiern. Dementsprechend sind die besten Hotel-Konzepte in Neuseeland solche, die mit der Natur harmonisieren und sich geschickt mit ihr verbünden. Und so findet man eben Luxus-Unterkünfte auf Bäumen, Bootshäuser an der See oder kleine Châtelets, eingeigelt in eine Landschaft aus Meer und Bergen. MERIAN.de stellt Ihnen eine Auswahl der schönsten Edel-Herbergen in Neuseeland vor.

Hapuku Lodge - Einnisten in Luxus-Baumhäuser

Wer als Kind schon immer mal sein Schlaflager im Baumwipfel aufschlagen wollte, kann das jetzt nachholen - allerdings gegen viele Neuseeland-Dollar, anstelle eines Sacks voller Kastanien. Zwölf Kilometer nördlich von Kaikoura auf Neuseelands Südinsel nächtigt man auf über zwölf Metern Höhe in Baumhäusern de Luxe. Ganz treffend heißen sie auch "Kereru" oder "Kotare", nach einheimischen Vogelarten wie der Taube oder dem Eisvogel, denn hier nistet man als Tourist wie ein Vogel - in den im Winter beheizten Holzkästen zwischen den hohen Wipfeln der Manuka-Bäume. Natürlich ist alles öko: Das Wasser wird mit Solarenergie geheizt, die Lebensmittel stammen von regionalen Biohöfen, und das Interieur besteht aus natürlichen Materialien wie nordamerikanischer Zeder oder einheimischer Tasmanischer Eiche.

Auf Luxus braucht der Gast deshalb nicht zu verzichten: In den Ein-Zimmer-Etagen befinden sich Jacuzzis, Regenwald-Duschen, Kingsize-Betten und Kaminstellen. Aber das, was einen hier wirklich glücklich macht, ist der Blick aus den Panoramafenstern: auf der einen Seite die majestätische Bergkette der Kaikoura-Gebirgskette, auf der anderen Seite der Pazifische Ozean an der Mangamaunu-Bucht. Unten grasen Rehe und Hirsche. Denn der Inhaber Tony Wilson betreibt zusammen mit seinem Neffen Paul hier auch eine Damwild-Farm. Von den Brunftschreien der Hirsche in der Paarungszeit bekommt man als Gast aber nicht viel mit. Doppelverglaste Fenster sichern die Nachtruhe - sie sind übrigens eigens importiert aus Deutschland.

Fünf Single-Etagen und zwei Familien-Baumhäuser auf zwei Etagen, State Highway 1 at Station Road, RD 1, Kaikoura, Tel.: +64 (0)3 319 6559, ab 255 Euro( 448 NZ-Dollar) pro Nacht

Whare Kea Lodge - Postkarten-Idylle in den Südalpen

Maximal zwölf Gäste kann das Whare Kea beherbergen, benannt nach dem einheimischen Bergpapagei Kea, mitten in den Südalpen Neuseelands - eine geradezu bescheidene Anzahl, wenn man bedenkt, dass das Châtelet auf einem 70 Hektar großen privaten Naturparadies liegt. Postkarten-Ambiente, so weit das Auge reicht - exklusiv und ganz schön teuer erkauft. Direkt vor der Hoteltür liegt der türkisblaue Gletschersee Wanaka. Im Hintergrund konkurrieren schneebedeckte Gipfel und Weinberge um den schönsten Fotoausschnitt. Wer bei diesem Anblick unwillkürlich an die "Herr-der-Ringe"-Trilogie denken muss, liegt nicht ganz falsch.

Die Berglandschaft diente als Kulisse für einige Szenen im Film, unter anderem für Aufnahmen in den "Misty Mountains", der Bergkette östlich von "Bruchtal". Doch das Beste, was die Whare Kea Lodge zu bieten hat, ist noch etwas abgehobener. Denn der australische Hausherr Martin Myer hat auch noch ein kleines Chalet auf 1700 Metern im Buchanan-Gebirge, am Rande des bekannten Mount Aspiring National Parks. Seile und Steigeisen braucht man nicht, um nach oben zu kommen. Der hauseigene Helikopter fliegt einen in zwanzig Minuten auf die Luxus-Hütte - zumindest dann, wenn er nicht gerade andere Gäste zum Heli-Skiing befördert.

Zwei Master-Suites und vier Deluxe-Rooms, Mt Aspiring Road, Wanaka 9343, Tel.: +64 3 443 1400, Doppelzimmer ab 680 Euro (1200 NZ-Dollars)

The Boatshed - hell, maritim, luftig

Wie schon der Name des kleinen Boutique-Hotels verspricht, geht es hier ziemlich nautisch zu. Die Architektur des "Boatsheds" auf der winzigen Insel Waiheke Island im Golf von Hauruki soll an die Tradition der alten Bootshäuser um die 1900er Jahre erinnern. Auch das Interieur des Hotels ist mit seinen weiß getünchten Holzbrettern, sanften Farben und maritimen Accessoires wie Miniatur-Segelschiffen oder alten Schiffsglocken - für manch einen Geschmack vielleicht etwas zu offensichtlich - auf maritim getrimmt. Als Gimmick findet jeder Gast ein kleines Präsent, ein Beach-Kit mit der obligatorischen Ausrüstung für einen Strandurlaub: Sonnenhut, Creme und eine Strandtasche. Erreichen kann man das Kleinod mit Blick auf den Oneroa Beach entweder mit einem Helikopter oder in 35 Minuten mit der Fähre von Downtown Auckland.

Fünf Zimmer, davon drei Suiten, eine Super-King-Suite und ein "Lighthouse" auf drei Stockwerken. Ecke Tawa and Huia Street, Little Oneroa, Tel.: +64 (09) 372 3242, DZ ab ca. 320 Euro (560 NZD)inkl. Frühstück und Transfers

Ohtel - zuhause bei einem Retro-Fan

Nicht jedes neue Boutique-Hotel muss wie eine schicke Raumstation daherkommen, das ist das Credo eines 2008 eröffneten Hauses mit Blick auf das stürmische Meer an der Oriental Bay, unweit des Zentrums von "Windy" Wellington. Dementsprechend erwartet den Besucher im "Ohtel" kein Trip in eine schrille Zukunft, sondern eher in die Vergangenheit, genauer gesagt in die 1950er und 1960er Jahre. Hausherr Alan Blundell hat alle Zimmer höchstpersönlich mit seiner privaten Sammlung aus Mid-Century-Möbeln dekoriert und dabei die Errungenschaften jedes erdenklichen Kult-Designer berücksichtigt:

Von den bunten Sitzschalen des US-Designers Charles Eames, den Stühlen des Briten Grant Featherston, den Schränken und Kommoden des Dänen Børge Mogensen bis zum englischen Kaffee-Service von J & Meakin. Die Rückkehr in bessere alte Zeiten beinhaltet natürlich nicht, dass man auf Luxus oder moderne Extras verzichten muss. In jedem Zimmer gibt es Flachbildschirme, iPod Docking Stations und sogar beheizte Handtuchhalter. Da soll noch einer sagen: Früher war alles besser.

Zehn Units, davon drei Suites, 66 Oriental Parade, Mount Victoria Tel: +64 4 8030600, Angebote ab 130 Euro (229 NZD)

Autor:
Bettina Hensel