Afrika Öko-Camps Namibia

"In welchem Chalet schlaft ihr? Nummer drei? Echt? Ihr Glückspilze!" Es gibt Tage, da läuft es einfach, heute ist so einer. Eben erst haben wir unser Auto nach einer atemberaubend schönen Anreise geparkt, nun sitzen wir mit den sechs übrigen Gästen des Wolwedans Dune Camps an einer üppig gedeckten Tafel mitten in der Natur, über uns ein strahlender Sternenhimmel, vor uns ein fünfgängiges Dinner - und jetzt auch noch das: Chalet No. 3, wir schlafen im Bett von Angelina Jolie und Brad Pitt. Das Paar, weiht man uns ein, habe vor wenigen Wochen zum wiederholten Mal hier Station gemacht, und in unserem Bett genächtigt. Wer will es ihnen verdenken - Wolwedans ist ein Ort, der seinesgleichen sucht.

Zu verdanken ist Wolwedans einem Geschäftsmann aus Windhoek - und seiner Unruhe bezüglich des bevorstehenden Ruhestandes. Mitte der 1980er Jahre beschloss der Deutsch-Namibier J. Albi Brückner, "noch mal das große Rad zu drehen, statt wie andere Rentner Rosen und Kanarienvögel zu züchten", wie es sein Sohn Stephan formuliert, heute Betreiber von Wolwedans. Der Plan: Albi Brückner will von der Schaf-Farmerei heruntergewirtschaftete Ländereien irgendwo in der Wüste retten, sie der Natur zurückgeben, Gutes tun.

"Man hielt meinen Vater damals für verrückt", erinnert sich Stephan Brückner. "Es gab zwar bereits Tourismus in Namibia, von Nachhaltigkeit hatte hier jedoch kein Mensch gehört." Gleichgesinnte und Geldgeber ließen sich nicht finden, Brückner probierte es auf eigene Faust - und ruinierte sich beinahe. "Dass Projekt fraß sein Erspartes samt Bankdarlehen auf, so dass irgendwann der Schuh sehr eng wurde." Die Lösung aller Probleme war der Tourismus.

1993 war das, Stephan Brückner hat zu diesem Zeitpunkt gerade seinen Master in Business Communications in Berlin gemacht. Eigentlich wollte er nur ein Jahr auf Wolwedans bleiben und danach bei einer Unternehmensberatung anheuern. Aus dem Jahr sind inzwischen fast 20 geworden, aus der Idee, auf Wolwedans Nachhaltigkeit mit Tourismus zu verknüpfen, vier Luxus-Camps in einmaliger Umgebung. Die Camps sind harmonisch in die Landschaft integriert, Materialien und Farbgebung sind der Natur entnommen, zudem lassen sich die Chalets rundherum öffnen, so dass man von Bett, Bad und Balkon aus den ungehinderten Blick auf die umliegende Natur hat.

Für die breite Masse unerschwinglich

Tiefrote Dünen, endlos weite Savannen, faszinierende Bergpanoramen, wild lebende Oryxantilopen, Sprinkboks, Kudus, Zebras, Strauße und etliches mehr - was vor 30 Jahren eine heruntergewirtschaftete Gegend war, ist heute als NamibRand mit rund 170.000 Hektar das größte private Naturschutzgebiet im südlichen Afrika. Dass Stephan Brückner und sein Vater sich diese Schönheit hart erkämpft haben, klingt noch heute durch: "Jeder halbwegs richtig denkende Mensch ist doch sprachlos von all der landschaftlichen Schönheit, wenn er hier auf der Düne steht. Wer das als 'Wüste' bezeichnet, ist ein wirklicher Ignorant."

Wer Zugang zu der Schönheit von NamibRand erhalten möchte, muss allerdings das nötige Kleingeld mitbringen. Umgerechnet gut 300 Euro pro Person und Nacht kostet ein Aufenthalt im Dune Camp, im exklusiven Boulders Camp sogar gut 500 Euro. Immerhin zweimal im Jahr bietet Wolwedans Specials an, bei denen Einheimische zu einem Drittel des Preises buchen können. Dass Wolwedans selbst damit für die breite Masse unerschwinglich bleibt, ist Brückner klar, und gewünscht. "Natürlich ist Wolwedans ein Upmarket-Produkt, aber was sind die Optionen? Wir können es machen wie drüben in Mombasa, Kenia, mit Hotelburgen am Strand, wo die Touris in Massen einfallen, oder wir machen 'Low Impact, High Revenue'", argumentiert Brückner, und rechnet vor: "Wenn ich mit 20 Touristen den gleichen Umsatz machen kann wie mit 200, dann mach ich das lieber zum zehnfachen Preis mit 20, dem Land zuliebe!"

Dem Land zuliebe - die Idee, mit der Albi Brückner einst alles startete, zieht sich bis heute als roter Faden durch sämtliche Geschäftsbereiche von Wolwedans. NamibRand arbeitet auf Non-Profit-Basis, die durch die Übernachtungen abgeführten Parkgebühren fließen direkt in die Erhaltung und Pflege der Natur. Auch ansonsten wird alles dafür getan, um den Umweltbelastung auf Wolwedans so gering wie möglich zu halten. Gästen ist die Benutzung des eigenen Fahrzeuges auf dem Gelände streng untersagt, nur die Mitarbeiter dürfen mit Geländewagen auf vorbestimmten Wegen die Dünen durchqueren. Von selbst angebauten Nahrungsmitteln über strenge Mülltrennung, von der Nutzung des Grundwassers bis hin zur Verwendung natürlicher Baumateralien - Wolwedans tut alles dafür, sich für die Natur möglichst unsichtbar zu machen. "Sämtliche Chalets und Zelte sind so gebaut, dass sie mit einfachen Mitteln entfernt werden könnten. Binnen sechs Monaten hätte die Natur den Ort zurück erobert, als hätte Wolwedans hier nie existiert", versichert Stephan Brückner.

Davon ist man momentan freilich weit entfernt - die Marke Wolwedans funktioniert bestens, und so wird fleißig weiter investiert. Als nächstes ist der Bau einer Solar-Hybrid-Anlage geplant, um die Camps ökofreundlich mit Strom versorgen zu können. Gut 300.000 Euro wird Brückner dafür in die Hand nehmen müssen, keine kleine Investition. Zumal der alltägliche Geschäftsbetrieb auf Wolwedans täglich 4000 Euro verschlingt, "egal ob da ein Kunde ist, oder nicht." Denn Wolwedans bildet aus, und das im großen Stil. Mit der von Brückner und einem Kollegen gegründeten Initiative "Namibian Institute of Culinary Education" erhalten jährlich 60 junge Namibier hier und in Windhoek die Chance, mit einem Stipendium zu Hotelfachkräften ausgebildet zu werden - eine Initiative mit Vorbildcharakter. " Es gibt hier in Namibia einen unheimlichen Mangel an Fachkräften", berichtet Brückner, "normalerweise erhalten die Leute einen dreiwöchigen Crashkurs, das war's."

Der Vision des Vaters, dem Land die Natur zurückzugeben, hat der Sohn so seine eigene Vision hinzugefügt, heute die Arbeitskräfte von morgen auszubilden. Eine rein karitative Veranstaltung ist Wolwedans deshalb nicht, das Unternehmen arbeitet "ganz klar profitorientiert", wie Stephan Brückner betont, der auch keinen Hehl daraus macht, dass Wolwedans am Ende eine Kapitalanlage ist: "Natürlich ist Wolwedans über die Jahre im Wert gestiegen, wenn wir das jetzt verkaufen würden, bräuchten einige Leute nie wieder arbeiten." Und doch jagt er nicht nach dem "Quick Buck", dem schnellen Geld, wie er sagt: "Ich hoffe, dass auch die nächste Generation noch davon und damit lebt. Wenn ich heute da drüben einen Baum pflanze, sehe ich dort irgendwann meine Kinder im Schatten sitzen."

Autor:
Nico Cramer