Indien Leela Palace in Mumbai

Wer den eigenen Hotels den Namen seiner Ehefrau verleiht, weiß, was er tut. Captain C. P. Krishnan Nair, ein erfolgreicher Unternehmer in Indiens Textilindustrie und für seine inzwischen 87 Jahre bewundernswert agil, hat es getan. Er nannte seine feine, hochluxuriöse Hotelgruppe Leela.

Als Nair im Jahr 1986 das erste seiner inzwischen sechs Luxushäuser eröffnete, rührte seine Erfahrung mit der Hotellerie einzig aus Besuchen internationaler Spitzenklasse-Häuser, wie etwa den Hamburger 5-Sterne-Herbergen Vierjahreszeiten und Atlantic. Sie galten dem Captain als Inspiration für seine eigene Luxuskette. Geholfen haben dürfte zudem, dass der Leela Palace in Mumbai als Kempinski-Hotel eröffnet wurde - Nair konnte auf die Unterstützung sorgfältig geschulten Personals zurückgreifen.

Auf die Eröffnung des Leela Palace in Mumbai folgten Häuser in Goa, Kerala, Banglore, Udaipur und Gurgaon, im Oktober 2010 kommt eines in Neu Delhi, 2011 eines in Chennai hinzu. Die Planungen für weitere Hotels in Agra, Hyderabad und Pune laufen. Eine halbe Milliarde US-Dollar wird Captain C. P. Krishnan Nair in seine Neubauten investieren. Allein 150 Millionen US-Dollar verschlang dabei das 1,2 Hektar große Grundstück für das vor der Eröffnung stehende, von Spitzenarchitekt John Gerondelis entworfene Leela Palace in New Delhi. Das Haus findet sich in bester Lage, im Diplomatenviertel an der Ecke Vinay Marg und Africa Avenue im Süden der Stadt.

Insgeheim würde Captain C.P. Krishnan Nair wohl möglichst bald mit einem ersten Hotel außerhalb Indiens, angefangen etwa in New York, die in allen seinen Häusern überzeugend zelebrierte Gastfreundschaft (Motto: "The Essence of India") in die weite Welt tragen. Aber Rajiv Kaul, seit 1. Februar neuer Präsident der Leela-Gruppe, winkt ab: "Unser Teller ist im Moment randvoll." Das auch deshalb, weil die 211 neuen Zimmer in Delhi noch einmal zwischen 250.000 und 300.000 US-Dollar pro Raum kosten.

"Alles in allem noch einmal ein Investment von gut 60 Millionen US-Dollar - neben dem teuren Grundstück", so der 52-jährige Inder. Der auf Luxus gepolte Hotelier - seit vier Jahren steht Rajiv Kaul in Diensten von Leela, seit über 30 Jahren arbeitet er in der Premium-Hotellerie unter anderem für die anderen indischen Luxusketten Taj und Oberoi - hält sich in Sachen globaler Expansion zurück: "Wir setzen bis auf weiteres auf Wachstum - in Indien."

Auf ein Leela-Zimmer kommen im Schnitt drei Mitarbeiter. Das noch amtierende Flaggschiff der Gruppe in Bangalore mit 352 Zimmern beschäftigt 1100 Mitarbeiter. Sicher - der monatliche Verdienst je Angestellter zwischen 10.000 und 25.000 Rupien (1 Euro etwa 63,50 Rupien) liegt, verglichen mit Kellnern und Zimmermädchen in der Bundesrepublik, niedrig. Andererseits ist die Produktivität der 8000 indischen Mitarbeiter in der Gruppe deutlich geringer. Der Executive Chef im Leela Palace Bangalore, der Bayer Rudolf Eichele, schätzt: "Mit 650 engagierten Deutschen würde ich das Bangalore Palace schmeißen."

Das Steigern der Produktivität - ohne aber indische Wärme und die herzlich-aufrichtige Gastfreundschaft zu gefährden - ist künftig umso wichtiger, als die Auslastung der Leela-Hotels vor dem Terroranschlag in Bombay am 26. November 2008 bei 80 Prozent lag und danach deutlich geringer war und noch ist. Denn wie überall schlägt die weltweite Finanzkrise auch auf Indien und auf die zuvor überschäumende Reisefreude internationaler, den Luxus genießender Geschäftsleute durch und verhagelt Preise wie Profit nicht nur der Hoteliers. Zuletzt zeigte sich ein Aufwärtstrend, gerade auch im Luxusbereich in Indien.

Was nicht zuletzt auch am wachsenden nationalen Potenzial liegt, das sich nach Auskunft von Sujit Banerji vom indischen Tourismus-Ministerium bei immerhin einer halbe Milliarde einheimischer Touristen bewegt. Eine Zahl, welche die der ausländischen Touristen pro Jahr um das Hundertfache überragt. Potenzielle Kunden gibt es also für Captain C. P. Krishnan Nair und seine Leela-Luxuspaläste mehr als genug.

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Autor:
Peter Morner