Indien Die Luxusrache einer Hotellkette

Den Zutritt hatten sie ihm verwehrt. Ihm, dem großen Jamshedji Tata, dem erfolgreichen Industriellen. Sie hatten ihm einfach kalt die Tür gewiesen im vornehmen Watson's Hotel von Mumbai, während drinnen im Speisesaal die britischen Kolonialherren ihren Tee nahmen. "Nur für Weiße" lautete die knappe Begründung, die ein Angestellter dem Unternehmer, der als Vater der indischen Industrie in die Geschichtsbücher einging, nannte.

Tata war tief getroffen, fand aber einen äußerst eleganten und cleveren Weg die Kränkung vergessen zu machen. Er baute sich in Mumbai einfach sein eigenes Luxushotel. Im Dezember 1903 eröffnete das Taj Mahal Palace - und das bis dato erste Haus am Platze, das Watson, war damit erledigt. Denn Tatas Palast war schöner, größer, moderner, glamouröser - und er war offen für alle Hautfarben.

So beginnt sie, die Geschichte der indischen Taj-Hotelgruppe. Eine klassische Legende. Ob der gutmütige Jamshedji Tata tatsächlich aus reiner Vergeltungssucht handelte, ist nicht eindeutig belegt. Gut möglich, dass der clevere Geschäftsmann einfach eine Marktlücke sah. Dem Taj Mahal Palace jedenfalls folgten viele weitere Taj-Hotels. 76 Hotels, sieben Paläste, sechs private Inseln und zwölf Resorts nennt die Tata Group (u. a. auch Land Rover, Jaguar), zu der die Hotelgruppe gehört, heute ihr Eigen. Im Geschäftsjahr 2008/09 setzte Taj weltweit 389 Millionen US-Dollar um.

Die meisten Hotels der Taj-Gruppe stehen in Indien, doch auch in New York, Boston, San Francisco, London, Sydney, Dubai und sogar im Bhutan finden sich Hotels der indischen Luxuskette. Auf dem deutschen Markt sind die Inder bislang nicht vetreten, wobei ihr Vorstandsvorsitzender, der gebürtige Hawaiianer Raymond Bickson, in den 1970er Jahren seine Karriere in der Hotellerie tatsächlich als Kochlehrling im Berliner Hilton begonnen hatte.

In Indien zählt die Taj-Gruppe zusammen mit den Konkurrenten Oberoi und Leela zu den Platzhirschen im Luxussegment. Häuser wie das feudale Lake Palace in Udaipur, ein ehemaliger Herrscherpalast aus dem 18. Jahrhundert, zählen zu den Prunkstücken des Taj-Imperiums: ein traumhafter Blick von der Terrasse auf den Pichola-See, edle Antiquitäten, Butler-Service selbstredend - in der Präsidentensuite des Lake Palace kann man wie einst der Maharadscha wohnen; vorausgesetzt das Budget lässt 7600 Euro pro Nacht zu.

Klein, aber selbstverständlich fein ist das Banjaar Tola. Die Luxus-Lodge mit ihren 18 Suiten liegt inmitten des Kanha Nationalparks, einem der bekanntesten Naturreservate Indiens. Eine Übernachtung kostet um die 350 Euro, dafür gibt es dann aber auch das volle Dschungelbuch-Programm vom Elefantenritt bis zur Safari durch das Schutzgebiet.

Das Aushängeschild der Taj-Gruppe ist und bleibt allerdings das Taj Mahal Palace in Mumbai. Das Wahrzeichen der Stadt hat die Terroranschläge von 2008 gut überstanden. Mehrere Monate dauerten die Renovierungsarbeiten, jetzt erstrahlt das Luxushotel am Gateway of India wieder im alten Glanz. Gleiches kann man von Watson's Hotel nicht behaupten. Die Luxusherberge musste in den 1960er Jahren schließen, danach verrottete das Gebäude. Im Jahr 2005 löste sich gar ein Teil der Fassade und erschlug einen Menschen. Denkmalschützer protestierten. Vor einiger Zeit wurde allerdings die Instandsetzung des 130 Jahre alten Gebäudes beschlossen. Wäre Jamshedji Tata noch am Leben, er würde sich mit Sicherheit an den Kosten der Sanierung beteiligen - oder das Haus, in dem ihm einst die Tür gewiesen wurde, gleich ganz übernehmen.

Autor:
Denis Krah