Mongolei Mit dem Umweltbotschafter auf Expedition

MERIAN.de: Frau Gründl, Sie sind 17 Tage lang mit dem Abenteurer Mike Horn durch die Mongolei gereist. Wie kam es dazu?
Magdalena Gründl: Ich bin zufällig auf einen Bericht über ihn in einer Zeitschrift gestoßen und habe mir gleich seine Internetseite angeschaut. Dort stand, dass er auf seinen Touren - wenn möglich - auf motorisierte Fortbewegungsmittel verzichtet. Momentan ist er mit seinem selbstgebauten Segelboot Pangaea unterwegs. Durch seine Expeditionen möchte Mike Horn auf die Verwundbarkeit unserer Erde und die Zerstörung der Natur durch den Menschen aufmerksam machen. Das alles klang für mich sehr spannend und ich bekam sofort Lust, ihn bei einer Tour zu begleiten.

Was war für Sie der Anreiz, bei einer Expedition dabei zu sein?
Solch eine Reise bietet unglaubliche Erfahrungen, die für das gesamte Leben wertvoll sind. Ich wollte andere junge Leute kennenlernen, mit denen ich die Lust auf ferne Länder und Kulturen und die Freude am Abenteuer teilen kann. Außerdem ist der Erhalt unserer Erde ein sehr wichtiges Thema - das geht uns alle an.

Welche Voraussetzungen muss man erfüllen, um als Teilnehmer genommen zu werden?
Man muss zwischen 15 und 20 Jahre alt sein, und gute Englischkenntnisse vorweisen. In einem ersten Bewerbungsvideo stellt man seine Motivation und Kamerapräsenz unter Beweis. Wer überzeugt, wird ins zehntägige Camp in die Schweiz eingeladen. Dort wird man bei täglichen Sportübungen auf die körperliche Fitness getestet, da bei den Expeditionen zum Teil extreme Bedingungen herrschen. Wichtig ist auch Teamfähigkeit und Kreativität.

Wie groß war die Gruppe und woher kamen die Teilnehmer?
Die Teilnehmer kamen aus aller Welt. In meiner Gruppe waren Australier, Argentinier, Europäer und Südafrikaner. Insgesamt waren wir acht Jugendliche und acht Betreuer. Neben Mike Horn begleiteten uns noch ein mongolischer Führer, eine Ärztin, Freiwillige und Kameraleute.

Was haben denn Ihre Eltern dazu gesagt? Sie gingen ja damals noch zur Schule...
Da ich in der elften Klasse bereits für ein Jahr in Australien und auch sonst schon öfter im Ausland war, haben meine Eltern sehr locker reagiert und sich mit mir über die Zusage gefreut. Sie haben mich bei den Vorbereitungen unterstützt und hatten wenig Bedenken.

Wie muss man sich nun so eine Expedition vorstellen?
Wir sind von der Hauptstadt Ulaanbaatar aus in den Norden gereist. Sechs Tage lang sind wir auf Pferden um einen See geritten und haben in Zelten übernachtet. Danach ging es wieder über Ulaanbaatar in die Wüste Gobi im Süden des Landes. Dort haben wir uns zehn Tage lang auf Kamelen fortbewegt. Es war unheimlich aufregend, da wir manchmal tagelang keinen einzigen Menschen gesehen haben. Und es war spannend, zwei so unterschiedliche Regionen eines Landes kennenzulernen. Im Norden ist die Vegetationszone von frostigem Boden und Nadelwäldern geprägt, während im Süden Wüstenklima herrscht, die Temperaturen schwanken also stark zwischen Tag und Nacht. Im Winter kann es hier an manchen Tagen sogar bis zu minus 65 Grad Celsius werden.   

Gab es unterwegs Erlebnisse, bei denen Sie sich nicht wohlgefühlt haben?
Nein, eigentlich nicht. Ich habe mich immer sicher gefühlt. Durch das Camp in der Schweiz waren wir gut vorbereitet und körperlich fit. Natürlich hatten wir mächtigen Muskelkater vom Reiten. Auch ist mal einer vom Pferd gefallen. Aber an Aufgeben oder Abbrechen der Tour hat nie jemand gedacht. Bei Mike Horn gibt es diesen Gedanken nicht. Und so war er für uns alle ein Vorbild. Seine Willensstärke und sein Durchhaltevermögen haben uns angesteckt und aufgebaut.

Was hat Ihnen am besten gefallen?
Für mich war jeder Tag besonders. Die Erinnerungen an die Zeit in der Mongolei sind sehr kostbar für mich. Rückblickend kamen mir die Tage wie Monate vor, weil wir so viel erlebt haben.

Hatten Sie ein Erlebnis, das sich besonders eingeprägt hat?
Es gab viele unbeschreibliche Erlebnisse - vor allem in der Wüste. Da es nur wenige Städte gibt, ist der Himmel kaum von Licht verschmutzt. Wenn wir nachts am Feuer saßen, konnten wir die Sterne dabei beobachten, wie sie ihre Bahnen zogen - es war wirklich unglaublich. Auch die gemeinsamen Abende bleiben unvergesslich. Mike Horn ist ein charismatischer Erzähler, der uns alle mit seinen abenteuerlichen Geschichten begeistert hat. Man schweißt als Team schnell zusammen, weil man alles teilt: die Erlebnisse, die Faszination des Fremden - und das Essen. Bei uns in der Gruppe wurde die Frage "Do you want to share a teebag?" zum Leitsatz, da wir unsere Teebeutel zum Teil bis zu zehn Mal verwendeten.

Hatten Sie Kontakt zu Einheimischen?
Einmal kam uns ein Mongole mit seinem Kind auf einem Motorrad entgegen - die ersten zwei Menschen seit Tagen. Die Begrüßung war herzlich. Wir alle haben uns so gefreut, obwohl wir einander fremd waren. Das war ein schöner Moment der Begegnung. Auch sind wir oft von Einheimischen in ihre Jurten eingeladen worden. Die Gastfreundschaft ist wirklich überwältigend. Egal, wie arm die Leute waren, für uns gab es immer einen Platz und ein warmes Essen. Das hat für mich das Besondere an dem Land und seinen Bewohnern ausgemacht.

Würden Sie gerne nochmal privat in die Mongolei reisen?
Auf jeden Fall. Die Weite und die Herzlichkeit der Menschen machen die Mongolei unvergleichlich. Aber ich lerne auch gerne neue Länder kennen.

Bietet Mike Horn demnächst wieder Expeditionen für Jugendliche an?
Im Sommer gibt es mit der Pangaea eine Expedition von Kenia nach Südafrika. Alle Informationen dazu findet man auf der Internetseite. Die Reisen werden von Sponsoren unterstützt, deshalb sind sie für die Teilnehmer kostenlos.

Wer mit Mike Horn auf Expedition gehen will, findet alle Informationen unter www.mikehorn.com

Autor:
Mirja Riggert