Indien Hauptstadt der Spiritualität

135 Kilometer sind es von Kalkutta ins nördlich gelegene Mayapur. Eine Reise, die mit dem Auto gut vier Stunden dauert. "Und das geht auch nur dann so schnell, wenn der Fahrer wie ein Henker fährt", sagt André Wagner. "Da kriegst du auf dem Rücksitz mehrere kleine Panikattacken."

Der Berliner Fotograf hat die Fahrt mit einem Taxi über völlig kaputte Straßen auf sich genommen. Er wollte ergründen, wie es ist in dieser oft als "Hauptstadt der Spiritualität" gepriesenen Stadt Mayapur. Und als er dort ankam, war er mehr als überrascht. "Indien ist staubig, dreckig. Aber wenn man nach Mayapur kommt, ist irgendwie alles anders", berichtet Wagner. "Dort ist es ruhig, sehr grün, geradezu idyllisch."

Mayapur ist nicht nur anders, es ist auch eine Insel zwischen den Flüssen Ganges und Jalangi. Ein heiliger Ort, an dem viele Mönche leben und der das Zentrum der Bhakti-Yoga-Bewegung und dessen ist, was wir heute als Hinduismus kennen. Vor mehr als 500 Jahren wurde dort Shri Caitanya geboren, der in Indien als Inkarnation von Gott verehrt wird. Ein Bhakti-Yogi, so die Lehre Caitanyas, kann jeder sein - unabhängig von seiner Zugehörigkeit zu einer Kaste oder Nationalität. Vereint sind sie alle, weil sie ihr Leben der Selbsterkenntnis widmen.

Seit jeher kommen viele Pilger nach Mayapur, einer der prominentesten dürfte der im Jahr 2001 verstorbene Ex-Beatle George Harrison gewesen sein. Ihm zu Ehren hat man hier einen Garten angelegt, der seinen Namen trägt. Auch Alfred B. Ford ist ein Bhakti-Yogi. Der Nachfahre des Automobilkonzerngründers Henry Ford spendete zehn Millionen US-Dollar für den in Mayapur noch im Bau befindlichen "Tempel des vedischen Planetariums". In dem Gebäude, das dem Universum nachempfunden ist, werden einmal 30.000 Leute Platz finden. Es ist ein moderner Tempel, Videoinstallationen inklusive.

"Alles was man hört, wenn man auf Mayapur ankommt, sind Mantras", sagt André Wagner, der zwei Wochen in dem heiligen Ort verbracht hat und dem dabei mit seiner Kamera eindrucksvolle Aufnahmen gelangen. "Das Leben ist durchdrungen von Klängen, dort ist alles Teil von Gott." Das merke man, so Wagner, bereits beim Blick in die Gesichter der Menschen: "Die Augen sind leuchtend, die Menschen wirken enthusiastisch. Sie haben ihr Leben Gott gewidmet, sind überwiegend Vegetarier, lassen Glücksspiel, Drogen und alles, was sie sonst von ihrer Mission ablenken könnte, links liegen."

So begegnete André Wagner an dem Ort Menschen aus vielen Nationen. Arme, Reiche, Leute aus muslimischen wie kapitalistischen Staaten und Wagner sah Menschen, die geläutert zu sein scheinen: "Ich habe dort sogar Leute aus der Wall Street getroffen."