Grüner Reisen Malta: Öko-Urlaub

Grüner Hoffnungsschimmer am Horizont Umweltschutz und Umweltbewusstsein stecken in Malta bislang noch in den Kinderschuhen. Der Inselstaat ist klein, die Malteser nutzen das verfügbare Land für bauliche Aktivitäten, umweltschützende Maßnahmen und ökologischer Landbau werden zugunsten von Produktivitätssteigerung oftmals zurückgestellt.

Zudem gibt es auf Malta keine grüne Partei, die das Bewusstsein der Öffentlichkeit für grüne Themen schärfen könnte. Seit Maltas Beitritt zur Europäischen Union sorgen jedoch Druck und Geld aus Brüssel für Veränderungen. Es zeichnet sich eine Trendwende, ein Hoffnungsschimmer am Horizont ab, der vielen Mut macht, denen die grüne Thematik am Herzen liegt.

Dazu zählen etwa die Gaia Foundation, die mit dem Schutz der beiden Natura-2000-Schutzgebiete auf Malta und Gozo betraut ist, und die Ager Foundation, die sich die Förderung nachhaltigen Tourismus auf Gozo auf die Fahnen geschrieben hat. Dazu gehören aber auch engagierte Ökobauern wie Charlie Vella auf Gozo oder findige Laden- und Restaurantbesitzer wie Christophe Ladret und Mario Schembri, die nach Möglichkeit nur Nahrungsmittel aus ökologischem Anbau und Waren aus fairem Handel anbieten.

Übernachten

The Xara Palace Relais & Chateaux

Ein Öko-Siegel darf kein einziges Hotel in Malta für sich beanspruchen. Da kann es vielmehr schon als Schritt in die richtige Richtung gelten, wenn historische kleine Gebäude zu niveauvollen Hotels abseits des Massentourismus werden, statt einen riesigen Neubau zu erstellen. Par excellence ist das mit dem von der Inhaberfamilie Zammit Tabona selbst geführten Xara Palace innerhalb der mittelalterlichen Stadtmauern von Mdina gelungen, dem einzigen Hotel überhaupt in der Residenzstadt des maltesischen Adels. Seine nur 17 Gästezimmer nehmen einen Palast aus dem 17. Jh. ein und sind mit Antiquitäten eingerichtet. Küchenchef Kevin Bonello strebt mit dem Restaurant "de Mondion" auf der Dachterrasse den ersten Michelin-Stern Maltas an, wobei er auf eine frische "Mittelmeer-Diät" mit vielen lokalen Ingredienzien setzt.

• Malta, Mdina, Misrah il-Kunsill • Tel. 21450560 • Restaurant Mo-Sa 19.30-22.30 Uhr • €€€€

Farmhäuser auf Gozo

Das nachhaltigste Urlaubsangebot der Inselrepublik sind die zahlreichen modernisierten Farmhäuser, die überall auf Gozo als Feriendomizile angeboten werden. So wurde viel historische Bausubstanz bewahrt, bekamen auch kleine Dorfkrämer und -cafés neue Einnahmequellen. Für die Warmwasseraufbereitung wird meist auf Solarenergie zurückgegriffen, Klimaanlagen sind wegen der dicken, kühlenden Natursteinmauern kaum nötig. Der private Pool ist allerdings ein häufiges Zugeständnis an die heißen Sommer. Buchbar über viele deutsche Reiseveranstalter oder Vermittler auf Gozo, etwa bei:

• Victoria, 11 Cappuchin's Street • Tel. 21563520 • €€ bis €€€

• Victoria, 47 Sabina Square • Tel. 522384 • €€ bis €€€

Essen und Trinken

Ta' Frenc

Der Clou des gozitanischen Spitzenrestaurants in einem alten Farmhaus aus dem 17. Jh. ist der kleine Kräutergarten, aus dem sich die Küche stets frisch bedient. Auch sonst setzen Chef Mario Schembri und sein Team auf Inselprodukte, beziehen ihr Schweine und Lammfleisch sowie die Wachteln vom gozitanischen Vertragszüchter. Gern würden sie mehr Bio-Ware einsetzen - aber die ist in Malta bislang fast nicht zu bekommen.

• Gozo, Triq Ghajn Damma (nahe der Straße zwischen Marsalforn und Victoria) • Tel. 21553888 • Mi-Mo 12-13.30 und 19-22, Jan.-März nur Fr-So 12-13.30 und Fr, Sa 19-22 Uhr • €€€€

Einkaufen

Cassar

Charlie Vella ist Bauer auf Gozo und bemüht, seine Felder und Gärten auf ökologischen Anbau umzustellen. Zu seinem Glück besitzt er ein Feld unmittelbar am Eingang zum vielbesuchten Tempel von Ggantija. Da bietet seine sehr gut Englisch sprechende Frau seine Produkte an. Sein Öko-Knoblauch bedarf keiner Erläuterungen, sondern spricht durch seinen Duft für sich. Ein Mitbringsel, das allen daheim munden wird, ist der in Gläsern eingelegte gozitanische Ziegenkäse in gozitanischem Olivenöl mit Pfeffer, Oliven und sonnengetrockneten Tomaten. Lecker sind auch sein Johannisbrotsirup, der Honig und die Kapern.

Gozo, Xaghra, Ggantija Tempel • meist während der Öffnungszeiten des Tempels anwesend

Organica

"Gozo goes organic" ist das Motto des französischen Musikers Christophe Ladret und seiner Frau Charlotte. 2008 eröffneten sie am intimsten Platz der Inselhauptstadt Victoria einen kleinen Laden. Als erster der Insel bietet er Nahrungsmittel aus ökologischem Anbau und Waren aus fairem Handel an. Aber nur langsam werden Gozitaner und Malteser auf ihn aufmerksam. Überleben kann er nur dank der auf Gozo ansässigen Ausländer und der Touristen. Marmeladen, Oliven, Olivenöl, Käse und kleine Leckereien stammen von einem gozitanischen Öko-Bauern. Naturkosmetika wie Lippenbalsam mit Mandarinenaroma oder Naturseifen stellt das britischgozitanische Paar Martin Roddis und Monica Zammit in Victoria her. Das Meersalz kommt aus gozitanischen Salinen, den preisgünstigen Emailleschmuck fertigt die auf Gozo lebende Britin Rachel Robinson. Man versucht, ein ökologisch-alternatives Netzwerk zu schaffen, und weiß, dass man einen langen Weg vor sich hat.

• Gozo, Victoria, St. George's Square • Tel. 27015548 • im Sommer Mo-Fr 10-14 und 16-19, Sa 10-16 Uhr, im Winter meist nur vormittags

Aktivitäten

Ager Foundation

Der Förderung eines nachhaltigen Tourismus auf Gozo hat sich die vom gozitanischen Lehrer Victor Galea gegründete Non-Profit-Organisation Ager Foundation verschrieben. Sie ermöglicht Interessenten, nach rechtzeitiger Voranmeldung einen ungewöhnlichen Tag auf der Insel zu verbringen. Man kann von morgens bis abends auf einem Bauernhof zu Gast sein, beim Ziegen- und Kuhmelken zuschauen, Käse selbst herstellen, mit dem Imker Honig sammeln, mit dem Fischer aufs Meer hinausfahren oder im Herbst auch bei der Weinlese und -herstellung dabei sein. Außerdem vermittelt Ager Touren zur Vogelbeobachtung mit einheimischen Experten. Umgangssprache ist Englisch, im voraus minutiös festgelegte Programme und angesetzte Termine gibt es nicht. Darum ist es nötig, sich möglichst frühzeitig per Mail oder Telefon an Victor Galea zu wenden.

• Gozo • Tel. 79017017

Gaia

Schon gut etabliert ist die 1996 gegründete Gaia Foundation, die inzwischen auch vom Landwirtschaftsministerium Maltas, der EU und dem deutschen Reiseveranstalter Studiosus unterstützt wird. Sie ist mit der Verwaltung und dem Schutz der beiden Natura-2000-Schutzgebiete um die Ghajn Tuffieha Bay auf Malta und um die Ramla Bay auf Gozo beauftragt, führt Seminare für veränderungswillige Landwirte durch, betreibt bei Ghajn Tuffieha ökologischen Landbau und eine Baumschule vor allem für Olivenbäume und indigene Pflanzen und Sträucher. Wer einen anderen Urlaub auf Malta verbringen will, kann sich hier als freiwilliger Helfer für diverse Tätigkeiten melden, wer Nachhaltiges hinterlassen möchte, kann eine Baumpatenschaft übernehmen. Ausführlich kann man sich über Gaia im Elysium Centre an der Ghajn Tuffieha Bay informieren, wo Samstagmorgens auch ein Öko- und Fair-Trade-Markt stattfindet, beim dem Malteser gern Gartenpflanzen und ihr Bio-Olivenöl der Gaia-Marke "Athena" kaufen.

• Malta, Elysium Centre (an der Straße vom Golden Bach nach Mgarr) • Tel. 21584474 • Sa 9-13 Uhr • Baumpatenschaft 14€

Ghadira Natural Reserve

Als die Malta Ornithological Society 1962 gegründet wurde, schossen maltesische Vogeljäger alljährlich etwa 25 Fischadler, 500 Wespenbussarde, 1650 Falken und 50 000 Lerchen. Für 600000 Zugvögel wurde Malta jedes Jahr zur Todesfalle. Die etwa 1500 Mitglieder der MOS sahen ihre Hauptaufgabe darin, bei Jugend und Erziehern für ein neues Naturschutzbewusstsein zu werben. Ein sehr wichtiger Meilenstein war 1978 die Schaffung eines ersten Vogelschutzgebiets. Ein 2ha großes Grundstück mit Salzmarschen und Feuchtgebieten wurde eingezäunt. Man errichtete darin ein kleines Informationszentrum und legte auf zwei Beobachtungsständen Ferngläser aus. Jagd- und Fallenstellen im Umkreis von 500m wurden verboten. So kann man jetzt ein Bild vermitteln, wie reich das Vogelleben auf Malta ohne illegale Jäger wäre.

• Malta, Mellieha Bay, Coastal Road • Nov.-Mai Sa, So 9-12 und 14-16 Uhr • Eintritt frei

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Dieser Text von Klaus Bötigist ein Auszug aus dem MERIANlive-Reiseführer "Malta und Gozo".