Malediven Ein Stück Deutschland

Herbert-Grönemeyer-Songs an der Sundowner Bar, Strandkorb-Feeling und Kaiserschmarrn am Buffet. Nach einem Wake up Call um vier in der Früh und dreistündigem Transfer per Speedboat und Propellermaschine landen wir auf Funamadua. Einer Insel im Süden der Malediven. Atoll-große Augenringe schmücken unsere Gesichter vor lauter Schlafentzug. "Willkommen im Robinsonclub" begrüßen uns zwei deutsche Mitarbeiterinnen mit festen Händedruck.

Zwei Tage Cluburlaub, wir haben es ja so gewollt. Und mir schwirren für einen kurzen Augenblick schreckliche Bilder durch den Kopf: betuchte, biertrinkende Teutonen-Fußball-Fans am Pool, Hüpfburgen, Banana-Boat-Rallys. Mona und ich sehen all unsere Entspannung schwinden, spätestens nach dem WM-Spiel der Deutschen gegen Ghana heute Abend werden wir im Krankenhaus liegen. Mit einem Vuvuzela-Tinitus.

Doch augenscheinlich, so können wir schnell feststellen, geht Cluburlaub auch anders. Ohne Krawall und Remmidemmi. Die lustige und erzählfreudige Mitarbeiterin Pola führt uns über die Anlage, auf der es sehr entspannt zugeht. Kaum eine Menschenseele zu sehen, bis auf ein paar Japaner, die hier ihren Jahresurlaub (also diese berühmten drei Tage) verbringen. Kein Ballermannsound aus den Boxen, sondern himmlische Ruhe und alles wunderbar grün.

Vor zwei Jahren war hier auf Funamadua nichts - außer Strand und Palmen. Dann kam die Tui-Tochter Robinson und erschuf 60 Kilometer nördlich des Äquators mit deutscher Gründlichkeit eine 5-Sterne-Clubanlage im maledivischen Stil. Insgesamt 101 Bungalows verteilen sich auf der 100.000 Quadratmeter großen Fläche. Alle sehr luxuriös mit Teakholz ausgestattet. Unsere großzügigen Unterkünfte besitzen Wow-Effekt-Garantie. Sie stehen auf Stelzen im Indischen Ozean und jede verfügt über einen eigenen Einstieg ins türkisfarbene Wasser.

Mona bezieht den Bungalow nebenan und wir winken uns auf unserer jeweiligen Veranda stehend lächelnd zu, glücklich wie Kronprinzessin Victoria auf Hochzeitsreise. Dann hüpfe ich vom Kingsize-Bett, setze mir meine imaginäre Krone auf und beobachte, die Fische unter mir - hatte ich zu erwähnen vergessen, dass der Fußboden verglast ist? Ich fange lauthals an zu Lachen. Das mache ich sonst nie. Glückshormonüberschuss oder das tropische Reizklima?

Von letzterem hatte uns Pola beim Frühstück berichtet, das Klima soll, so die Clubmitarbeiterin, Urlauber hin und wieder ordentlich durchdrehen lassen. Mona beruhigt mich: "Mit dir ist alles gut Sara, du bist nur glücklich." Also lachen wir laut zusammen, fotografieren uns in kitschigen und trashigen Posen und albern herum. Eben das was Mädchen im Traumurlaub so machen.

Sehr romantisch geht es dann an der Sundowner Bar zu, wo sich Paare ihre ewige Liebe schwören und sich gegenseitig über die Wangen streicheln. Hotelmanager Charly Fleischhacker, in kurzer Hose, weißem Hemd und Goldkette am Hals, lädt uns auf einen Cocktail ein. Dann erzählt er, in einem sehr lockeren Umgangston, stolz von seiner großen Robinson-Club-Familie mit ihren 300 Mitarbeiten.

Charly ist ein Kumpeltyp. Jedenfalls würde er genauso gut auch hinter den Tresen der Hamburger Kiezkneipe "Crazy Horst" passen, wo er den Gästen mit lockeren Sprüchen Schnaps einschenkt. Einer wie Charly macht den deutschen Urlaubsclub sympathisch, auch wenn ich auf den Malediven, ehrlich gesagt, keine eingeflogenen deutschen Erdbeeren essen muss.

Autor:
Sara Hellmers