Malediven Downshift Islam

Vorhang auf. Paradies die zweite. Klappe, und Action. Mit einer vollen Ladung nativem Kokosöl auf der Haut wird heute der erste Teil der Serie "Downshift Deluxe" gedreht. Als Protagonisten wurden gecastet: Mona und ich. Unsere Aufgabe: hinlegen, abschalten und entspannen. Derweil werden unsere Beine und Arme im Spa des Shangri-La Resorts auf Villingili mit erwärmten Cowrie Shells aus gelernter Hand massiert - mit langsam kreisenden, sanften Bewegungen.

Vor vielen Jahren waren die Malediven der Lieferant für diese Art von Muscheln, die in vielen Ländern des Indischen Ozeans als Zahlungsmittel fungierten. Heute dienen die Meeresbewohner der Entspannung, und das Ergebnis fühlt sich verdammt gut an. Nach einem einstündigen Verwöhnpaket taumeln wir benebelt den weißen Sandstrand entlang, eine Fahne von Kokosduft zieht hinter uns her. Das nenne ich tiefenentspannt.

In unserer Beachvilla hingegen herrscht wildes Treiben. Als wir vom Strand zurückkehren, sind gleich fünf Bedienstete damit beschäftigt, unser Häuschen auf Vordermann zu bringen. Und da Mädchen bekanntlich sehr gerne ihre Kleidung überall verstreuen, haben die "Roomboys" gut damit zu schaffen, unsere Klamotten wieder zusammenzulegen. Für einen kurzen Moment schäme ich mich, wünsche mir einen schweren Backpacker-Rucksack auf den Schultern und meinen verspannten Nacken zurück.

Doch in dieser wundersamen Umgebung klemmt die Rewind-Taste, also spulen wir einfach vor und peitschen nur wenige Minuten später schon mit dem Resort-Speedboat über den Indischen Ozean. James Bond haben wir frei gegeben, den geschüttelten Martini abbestellt und für den heutigen Nachmittag das luxuriöse Leben auf der Insel Villingili gelassen. Gemeinsam mit Inaan, einem Angestellten des Resorts, flüchten wir für zwei Stunden in den maledivischen Inselalltag. Dorthin, wo auch die meisten Mitarbeiter des Hotels wohnen.

Ein 17 Kilometer langer Damm verbindet Villingilis Nachbarninseln miteinander, somit ist dieses Atoll bestens für eine Fahrradtour geeignet und wunderschön anzuschauen. Auf einem für uns zu klein geratenen Drahtesel erkunden wir die Inseln Feydhoo und Maradhoo. Auf Letzterer lebt auch Inaan mit seiner Mutter und fünf Geschwistern unter einem Dach. Die sandigen Straßen sind wie leer gefegt. Hin und wieder kreuzen ein paar Frauen, mit Kopftüchern bedeckt, die Straßen. Die Staatsreligion des Badeparadieses Malediven ist der Islam.

Entlang der Straße säumen sich kleine, bunte und teilweise baufällige Häuser. Es wird an Dächern gewerkelt und auf der Straße frischer Fisch zubereitet. Die Luft steht und die Sonne brennt. Ein schwerer Grillgeruch durchwabert die Straßen.

Nach einer zweistündigen Tour durch den maledivischen Alltag spuckt uns das Speedboat nach zehnminütiger Rückfahrt dann wieder aus. Auf einem weißen Sandstrand, umringt von Palmen und Unbeschwertheit. Und da stehen wir plötzlich wieder. Mittendrin in unserem Traumurlaub. Zwei Mitarbeiter harken den Strand, und Mona und ich beschließen, dieses Bild an die Pinwand "Absurditäten eines Luxurlaubs" zu heften und nehmen in unserer aufgeräumten Beachvilla eine kalte Outdoor-Dusche.

Autor:
Sara Hellmers