Malediven Auf Wiedersehen, Paradies

Schon wieder rollt der Indische Ozean seinen Teppich für uns aus, er ist mit türkis- und grünblauen Mustern bestickt. Wir fühlen uns wie zwei Jet-Set Ladies mit einem Hang zur "Es geht noch geiler"-Attitüde. Innerhalb von vier Tagen haben wir fünf Flugzeuge bestiegen, in zwei Luxussuiten gehaust und wie Prinzessinnen diniert. Heute sitzen wir in Flugzeug Nummer sechs, und es wird einfach nicht langweilig, den Bilderbuch-Ozean von oben zu bestaunen.

Malediven heißt übersetzt Inselkette, heißt übersetzt 1196 Perlen in den unterschiedlichsten Größen, die wie Smaragde leuchten. 220 Inseln sind bewohnt, und immer mehr Luxusresorts entstehen auf den vielen, zuvor unbewohnten Inseln. Dort wird dann eine durchgestylte, künstliche Welt geschaffen - für alle Tom Cruises und Katie Holmes' dieser Welt. Traumurlaub zum Anfassen und Reinsetzen; das musste mal gesagt werden.

Bevor wir unsere dritte (und letzte) Luxussuite auf diesem Wochentrip auf die Malediven beziehen, machen wir einen kurzen Abstecher nach Malé, Hauptstadt des Inselstaats. Taxifahrer Bahar fährt uns einmal um die Insel, was ungefähr 15 Minuten dauert. Malé ist ein sehr geschäftiger Ort, und es scheint so, als besitze jeder hier ein Auto oder einen Roller. Die Luft ist voll mit Abgasen, die Hitze fast schon unerträglich und es wird an jeder zweiten Ecke gehämmert oder mindestens ein Sandsack von A nach B gefahren. Bahar fährt auf Malé seit 1987 Taxi, er liebt seinen Job. "Es ist immer so schön kühl in meinem Taxi. Ich brauche während der Arbeit nicht zu schwitzen", sagt er und zeigt auf Bauarbeiter, bei denen der Schweiß nur so rinnt.

Bei einer Fläche von 2,7 Quadratkilometern und, aufgepasst, etwa 100.000 Menschen ist die Insel völlig überbevölkert. Bahar möchte uns gerne noch den Fischmarkt zeigen, aber uns reicht das hektische Treiben für heute und wir deuten mit dem Finger Richtung Flughafen. Traumurlaub kann man an diesem Ort nämlich nicht machen.

Mit einem Wasserflugzeug entschwinden wir der Hektik und fliegen auf die Insel: Landaa Giraavaru. Vor uns eine graue Wand. Der Pilot in kurzer Hose, barfüssig und mit lässiger Fliegerbrille freut sich wie ein kleines Kind. Ich hingegen halte mich an Mona fest und halte schon mal die Kotztüte bereit. Es geht auf und ab und hin und her. Ich bete. Wir landen. Es regnet, und ich bin überglücklich noch am Leben zu sein. Dann der Empfang im Resort. "Willkommen im Schlaraffenland", flüstert Mona mir ins Ohr und reicht mir eine Kokosnuss mit Strohhalm. Ich kann wieder lächeln.

Das Four Seasons Resort hängt, wie die Hamburger es so schön sagen, den Lachs ganz weit hoch. Mehr geht nun wirklich nicht. Und da sind sie wieder die überdrehten Teenies aus den US-Serien, die vor ihrem Sunset Beach Bungalow stehen und kreischen. Unser Fahrer vom Buggyservice schaut uns entgeistert an und fängt plötzlich an, ebenfalls zu schreien. Wir bedanken uns bei so viel Unterstützung und beziehen unser Traumhaus, das sich in einer kleinen Bucht zwischen Mangroven und Palmen versteckt. Hier würde sich auch Cameron Diaz mit ihrem neuen Lover wohl fühlen. Die 18 Hektar große Insel Landaa Giraavaru im Baa-Atoll beherbergt die schönsten Badelagunen der Malediven und ist ein Platz zum Anker werfen. Wir aber verbringen hier heute die letzte Nacht unserer viel zu kurzen Traumreise.

Also lassen wir uns noch ein letztes Mal verwöhnen auf der Outdoor-Massagebank des Spas. Diesmal behandeln uns gleich zwei Therapeuten ayurvedisch, und zwar synchron. Danach wird der Körper mit heißen Beuteln, in denen heilende Gewürze und Kräuter sich sammeln, von Kopf bis Fuß durchgeklopft. Definitiv der absolute Gewinner unserer Treatment-Sessions auf der gesamten Reise. Tiefenentspannt holen wir uns von dem indischen Doktor Avinash noch ein paar ayurvedische Tipps für Zuhause. Bevor es in den Großstadtdschungel der Rastlosigkeit zurückgeht. Mit einem großen, langen Seufzer packen wir unsere Koffer und verabschieden uns vom Paradies.

Autor:
Sara Hellmers