Lexikon Westsahara

Die Hauptstadt ist der Westsahara Al Aaiún. Insgesamt leben auf einer Fläche von circa 266.000 Quadratkilometern rund 273.000 Einwohner. Das Land ist im Wesentlichen ein halbwüstenhaftes, von Wadis zerschnittenes Sandsteinplateau mit vorwiegend Sandwüsten im Süden und Felswüsten im Norden. Die Bevölkerung besteht aus den Sahraouis, einer arabisch-berberischen Mischbevölkerung. Sie bekennt sich überwiegend zum sunnitischen Islam. Die Landwirtschaft in den Oasen dient der Selbstversorgung. Sonst gibt es nomadische Viehzucht (Ziegen, Kamele, Schafe), Fischfang, Salzgewinnung und Phosphatabbau bei Bu Craa.

Geschichte:

Das von nomadischen Berbern besiedelte Gebiet gehörte seit dem 11. Jahrhundert in mehr oder weniger fester Bindung zu den im Raum des heutigen Marokko sich ablösenden islamischen Reichen. Seit dem 15. Jahrhundert schufen Spanier und Portugiesen an der Küste Häfen und Handelsplätze, bis Spanien 1885 von den europäischen Großmächten das Río-de-Oro-Gebiet zugesprochen wurde. Das Territorium wurde 1946 als Kolonie Spanisch-Westafrika mit Ifni zusammengelegt. 1958 wurden Río de Oro und Saqiat Al Hamra' zur spanischen Überseeprovinz Spanisch-Sahara erklärt.

Die Bevölkerung widersetzte sich der Kolonialmacht; Befreiungsbewegungen entstanden, darunter die 1973 gegründete Polisario. 1975 gab Spanien die Kolonie auf, dessen nördlicher Teil nun von Marokko und dessen südlicher Teil von Mauretanien verwaltet werden sollte. Nach Abzug der spanischen Truppen 1976 annektierten die beiden Staaten die ihnen anvertrauten Gebiete. Die Polisario setzte mit Unterstützung Algeriens ihren Kampf gegen die neuen Besatzungsmächte fort. Mauretanien verzichtete 1979 zugunsten der Polisario auf seinen Anteil an Sahara, der daraufhin auch von Marokko annektiert wurde.

Die Republik Sahara (seit 1976) wurde von vielen afrikanischen und asiatischen Staaten anerkannt; 1982 wurde sie in die OAU aufgenommen, was zum Austritt Marokkos aus der OAU führte. 1991 einigten sich Marokko und die Polisario im Rahmen eines Uno-Friedensplans auf einen Waffenstillstand. Ein geplantes Referendum über die Unabhängigkeit der Sahara konnte aufgrund von Auseinandersetzungen über die Wählerregistrierung nicht durchgeführt werden. Zuletzt blieben vier Verhandlungsrunden zwischen Marokko und der Polisario, die 2007/08 unter Vermittlung der Uno in Manhasset bei New York stattfanden, ohne Ergebnis. Marokko hatte eine weitgehende Autonomie unter Wahrung der marokkanischen Souveränität angeboten, die Polisario beharrte dagegen auf einer vollständigen staatlichen Unabhängigkeit und warf dem Uno-Vermittler Parteinahme für Marokko vor.