Editor's Blog
Über den Wolken muss die Frechheit wohl grenzenlos sein

Von Denis Krah

Unverschämt, aufdringlich und respektlos: Manch einen Passagier möchte man in 8000 Meter Höhe sofort aus dem Flieger werfen. MERIAN.de-Redakteur Denis Krah wundert sich über jene Mitreisende, die über den Wolken ihre Manieren vergessen. Dabei könnte das Leben an Bord so harmonisch sein.

11 Jul 1942, Oahu, Hawaii, USA --- Jumping from a Douglas C-47 Skytrain --- Image by © CORBIS
Corbis

Keine Ahnung warum, aber unglaublich viele Menschen verwandeln sich an Bord eines Flugzeugs in undankbare Vollidioten ohne Kinderstube. Die Leidtragenden sind meist die Flugbegleiter. Das Erstaunliche dabei ist, dass sich das schlechte Benehmen der Passagiere von der Economy über die Business zur First Class steigert. Das ist zumindest meine Erfahrung. Manieren sind also keine Frage der Einkommensstufe, sondern tatsächlich der Erziehung.

Letztere würde man sich manchmal durch die Flugbegleiter wünschen, aber leider ist es der Crew aufgrund irgendwelcher dummen Vorschriften verboten, ihrer Kundschaft die Meinung zu geigen. Im besten Fall ignoriert das Bordpersonal unliebsame Fluggäste. Dabei wünschte man sich häufig, sie würden in Berserkerrage die Flegel zunächst mit Tomatensaft bespritzen, danach über das Entertainment-System öffentlich anprangern und anschließend in 8000 Meter Höhe aus dem Flieger werfen.

Auch wenn den Flugbegleitern die richtige Peitsche fehlt, diverse Zuckerbrote stehen ihnen zur Verfügung. Wer einige wenige und eigentlich selbstverständliche Regeln an Bord berücksichtigt, der darf sich meist nicht nur über ein Extra-Lächeln, sondern auch über die eine oder andere zusätzliche Aufmerksamkeit freuen.

Wo bleiben "Bitte" und "Danke"?

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber für manchen schon zuviel Geschwätz. Besonders in der Business und First Class finden sich immer wieder maulfaule Passagiere, die das Bordpersonal wie Leibeigene behandeln und mit Nichtachtung bestrafen. Kein "Bitte", kein "Danke". Mit grimmigen Mienen sitzen sie auf ihren Plätzen und lassen sich von vorne bis hinten bedienen, ohne auch nur einmal mit der Wimper zu zucken. Für solche Fälle wünscht man sich als erzieherische Maßnahme ein "Downgrading": Ab in den Lagerraum zum Gepäck! Vielleicht lernt das arrogante Pack dort ein wenig Demut.

Einfach mal mitdenken!

Ständig müssen sich die Flugbegleiter den Mund fusselig reden. Und dass nur, weil anscheinend selbst die allergrößten Meilensammler völlig lernresistent sind und schon wieder vergessen haben, was beim vorherigen Flug geschah. Für diese Herrschaften noch einmal kurz zum Mitschreiben: Bei Start und Landung muss man angeschnallt sein, das Tischchen gehört eingeklappt sowie der Sitz in eine aufrechte Position, und das sperrige Handgepäck hat seinen Platz im entsprechenden Gepäckfach. Ist das wirklich so schwer zu verstehen?

Ein wenig Aufmerksamkeit kann nicht schaden

Natürlich haben wir alle schon mal die wunderbare Darbietung der Sicherheitsmaßnahmen gesehen. Und natürlich wissen wir alle, dass wenn die Maschine über den Wolken in Flammen aufgeht oder auf dem Ozean zerschellt, es wenig hilfreich ist zu wissen, wo sich die Notausgänge befinden. Trotzdem: Schauen Sie hin, wenn Ihnen die Flugbegleiter das Wunder der herabfallenden Sauerstoffmasken präsentieren und die typischen Handbewegungen nach vorne, an die Seiten sowie nach hinten vollführen. Schaden tut es nicht. Und auch die Crew freut sich darüber, dass man ihren Job ernst nimmt.

Machen Sie den Weg frei!

Es gibt doch tatsächlich zahlreiche Passagiere, die sofort von ihren Sitzen aufspringen sobald die Flugbegleiter mit der Essenausgabe beginnen. Diese Mitreisenden verstopfen dann für unbestimmte Zeit den Gang oder versuchen auf abenteuerliche Art, sich am Wägelchen vorbeizudrängeln. Eine absolute Unsitte. Gleiches gilt für Menschen, die einen auf Gourmet machen und sich theatralisch durch die gesamte Weinkarte nippen bevor sie sich für den Champagner entscheiden. Solche Selbstdarsteller kosten nicht nur Zeit, sondern auch Nerven.

Unverschämte Knopfdrücker

Ja, ich weiß, der berühmte "Kann mal bitte jemand kommen"-Knopf ist zum Drücken da. Und er macht auch tatsächlich Sinn. Wenn man zum Beispiel irgendwo eingequetscht mittig in der Economy Class sitzt und dringend einen Schluck Wasser benötigt oder zufällig einen gefährlichen Terroristen unter den Passagieren entdeckt hat. Ansonsten sollte man sich das Knöpfchendrücken sparen und die Flugbegleiter einfach ihren Job machen lassen. Insbesondere in der Business und der First Class finden sich allerdings immer wieder Paschas, die nichts lieber tun, als das Knöpfchen im Minutentakt zu bedienen und das Personal zu ihrem Platz zu beordern. Für diese Leute sollte jeder Tastendruck mit einem elektrischen Stromstoß verbunden sein.

Finger weg vom Personal!

Die netten Flugbegleiter lächeln freundlich. Und sie umsorgen einen. Meist bringen die Damen und Herren in den adretten Uniformen sogar kostenlos Getränke an den Platz und fragen, wie es uns geht. Das heißt allerdings nicht, dass sie einen auch gerne privat näher kennenlernen wollen. Sparen Sie sich also irgendwelche Annäherungsversuche. Der Schuss geht in den meisten Fällen nach hinten los. Insbesondere dann, wenn man auch noch leicht alkoholisiert Hand ans Personal legt.

Hinterlassen Sie keinen Schweinestall!

Nicht nur auf Langstreckenflügen sammelt sich eine Menge Müll an. Das ist allerdings kein Grund, den ganzen Abfall inklusive Essensresten weitläufig auf dem Boden zu verteilen und sich wie ein Höhlenmensch einzurichten. Auch wenn später der Putztrupp durch den Flieger fegt, sollte man ein Mindestmaß an Reinlichkeit an den Tag legen. Gleiches gilt übrigens auch für den Besuch der Bordtoilette, in der sich immer wieder Leute nur wenig um Zielgenauigkeit oder Abfallbeseitigung kümmern. Zusätzlich zu einem Rauchmelder wäre auf dem WC ein Stehpinkler-Melder keine schlechte Idee.

Nicht nur in Hamburg sagt man "Tschüss"!

Genau wie "Danke" und "Bitte" ist ein ordentliches "Auf Wiedersehen" eigentlich eine Selbstverständlichkeit beim Verlassen des Flugzeuges. Insbesondere dann, wenn man sich auf dem Rückflug noch einmal begegnen könnte. Perfide Racheaktionen des Bordpersonals braucht man allerdings nicht zu fürchten, denn leider sind nur die wenigsten Flugbegleiter nachtragend. Eigentlich noch ein Grund mehr, sich anständig an Bord zu benehmen.

Artikel erschienen: November 2010