Thailand Ethnische Minderheiten als Attraktion

Die Frauen bei den Padaung tragen Ringe um den Hals

Viele Volksgruppen sind aus Birma, Laos oder Südchina in die thailändischen Berge übergesiedelt. Die thailändischen Regierungen haben sie lange Zeit kaum zur Kenntnis genommen. Die Minderheiten sind ethnisch sehr heterogen, die wichtigsten sind Karen, Hmong (Miao), Lahu, Akha, Lisu, Mien, Lawa und Khmu. Etliche haben erst in jüngster Vergangenheit die Grenze überquert, was Thailand zu Reaktionen zwingt. Die folgen bislang aber keiner klaren Linie.

So verwehrt der Staat den Padaung Papiere unter dem Vorwand, sie seien Flüchtlinge, verweigert ihnen aber zugleich die Ausreise. Das mag damit zusammenhängen, dass die Padaung eine touristische Attraktion sind. Ihre Frauen tragen Messingringe um den Hals, der dadurch unnatürlich gestreckt wirkt. Die Ringe erwachsener Frauen wiegen etwa fünf Kilo. Das Gewicht drückt das Schlüsselbein nach unten und lässt den Hals bis zu 30 Zentimeter lang aussehen. Wirklich gedehnt wird er dabei nicht. Durch die eingeschränkte Bewegungsfreiheit werden aber alltägliche Verrichtungen wie Anziehen, Laufen und Arbeiten enorm erschwert. Während des Schlafens muss der Kopf gestützt werden. Die Ringe übernehmen teilweise die Arbeit der Muskulatur, was zu Muskelschwund führt. Werden die Ringe entfernt, muss die Muskulatur erst wieder aufgebaut werden.

Woher der Brauch kommt, ist unklar. Je nach Legende sollen die Reife Schutz vor Tigern, Dämonen oder Männern geben. Seit den 1960er Jahren flohen viele Padaung vor Bürgerkrieg und Diktatur aus Birma nach Thailand. In den neunziger Jahren wurde ihre Tradition, die nur noch wenige ältere Frauen pflegten, als Touristenattraktion entdeckt.

"Die Menschen sind an Besucher gewöhnt und lassen sich gern fotografieren", ist auf Schildern am Eingang eines Padaung-Dorfes zu lesen. 250 Baht, umgerechnet fünf Euro, kostet der Eintritt ins Dorf, ausführlichen Fotosession inklusive. Der Großteil des Geldes geht an die "Karenni National Progressive Party", die damit Waffen für ihren Kampf um einen unabhängigen Karen-Staat in Birma kauft - die Padaung zählen sich zur Volksgruppe der Karen.

Frauen, die den Schmuck tragen, bekommen im Monat etwa 1500 Baht, umgerechnet 30 Euro. Das ist in den armen Bergregionen viel Geld, weshalb den Mädchen schon mit fünf Jahren der erste Ring angelegt wird. Bis zu ihrer Heirat kommen regelmäßig weitere Ringe dazu.

Bei den Hmong verhält sich die Regierung anders. Sie sind in den vergangenen Jahren in großer Zahl aus Laos geflohen, wo sie brutal verfolgt werden. Für die kommunistische laotische Regierung sind sie Terroristen. Tausende von ihnen leben in Thailand in Internierungslagern. Da Bangkok sich von der Masse der Flüchtlinge überfordert fühlt, droht die Regierung damit, sie nach Laos zurückzuschicken. Das UN-Flüchtlingshochkommissariat versucht dies zu verhindern, weil die Abschiebung für viele Hmong der sichere Tod wäre.

Entwicklungsprogramme, wirtschaftliche und touristische Erschließung führen auch dazu, dass einige Völker kulturell und sprachlich in der Thai-Bevölkerung aufgehen. 2001 berichtete MERIAN über die Malabri im Südosten Thailands, die letzten Waldnomaden, die noch als nicht sesshafte Wildbeuter lebten. Ihre Kultur, hieß es, sei vom Aussterben bedroht. Tatsächlich leben die Malabri heute, christianisiert und von der Schulter bis zum Knöchel bekleidet, in zwei ärmlichen Dörfern am Rand ihrer abgeholzten einstigen Lebenswelt.

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