Spanien
Andalusien: Neues Bewusstsein für die Natur

Zahlreiche Hotels und Restaurants setzen in Andalusien auf Bio - der Umwelt zu liebe.

Die Region darf sich glücklich schätzen, dass sie noch über weite Landschaftsräume verfügt, die bis heute recht natürlich geblieben sind und sich nicht dem wirtschaftlichen Nutzen des Menschen haben unterwerfen müssen. Dies betrifft insbesondere die Gebirgsregionen im Hinterland. Die Regionalregierung in Sevilla hat in den letzten 20 Jahren zahlreiche Gebiete unter Schutz gestellt und eigene Institutionen aufgebaut, die die Pflege der geschützten Naturräume betreiben. Hier wird aufgeforstet, für Brandschutz gesorgt, die Jagd kontrolliert oder den Besuchern Gelegenheit gegeben, mehr über die jeweilige Flora und Fauna zu erfahren. Mitunter werden auch geführte Wanderungen durch Natur- oder Nationalparks angeboten. Inzwischen stehen rund 20 Prozent des andalusischen Territoriums unter Naturschutz - eine beeindruckende Größenordnung. Eine erfreuliche Entwicklung zeigt sich auch bei der Herstellung von Bio-Lebensmitteln. Keine andere spanische Region weist in diesem Segment mehr Produzenten oder ein umfassenderes Sortiment auf. Vor allem beim Olivenöl, bei Obst, Gemüse, Tafeloliven oder Honig setzen sich ökologische Standards zunehmend durch. 

 

ÜBERNACHTEN

Fuerte Conil 
Die spanische Hotelkette Fuerte Hoteles bewirtschaftet mehrere Häuser nach umweltgerechten Kriterien. Als besonders vorbildlich gilt das Vier-Sterne-Hotel in Conil. Es wird teilweise mit Sonnenenergie beheizt, die Abfälle werden getrennt, frisches Gemüse wird auf dem Hotelgelände angebaut, Kinder können lernen, wie Kompost entsteht. Die Direktion bietet ihren Gästen Touren durch das Hotel an, dabei kann am Computer abgelesen werden, wie viel Energie gerade im Hotel verbraucht wird. Zudem unterstützt das Fuerte Conil die lokale Wirtschaftsstruktur. Einzelhändler können am Markttag ihre Produkte im Hotel verkaufen. Auf ein All-inclusive-Angebot verzichtet das Management, damit die Gäste die umliegenden Restaurants besuchen. Die Urlauber können zudem Spanischkurse und eine von einem Einheimischen geführte Tapas-Tour durch den Ort buchen. Das Hotel liegt direkt am Fontanilla-Strand und nahe dem Zentrum von Conil. Angeschlossen sind auch ein beheiztes Hallenbad, ein Freibad mit Jacuzzi, ein Spa und ein Beach Club.  

Conil de la Frontera (Cádiz), Playa de laFontanillas/n • www.fuertehoteles.com • 250 Zimmer • €€–€€€ 

  

ESSEN UND TRINKEN 

Restaurante Los Albardinales
Das bedeutendste und renommierteste Unternehmen für die Herstellung von Bio-Olivenölen in der Provinz Almería hat dieses sympathische Restaurant eröffnet, das direkt an die Olivenmühle und ein Museum zur Kultur des Olivenöls angeschlossen ist. Das Restaurant ist mit vielen Objekten aus dem Umfeld der Olivenölproduktion dekoriert und serviert typische Gerichte aus der Region. Zertifizierte Bio-Produkte bilden hierfür die Grundlage. Natürlich darf auch das unter der Marke Oro del Desierto vertriebene Olivenöl aus eigener Herstellung nicht fehlen. Das Unternehmen ist konsequent ökologisch ausgerichtet, verwendet Sonnenenergie und nutzt die natürlichen Rückstände aus der Ölerzeugung als Tierfutter. Treibende Kraft hinter dem Projekt ist Rafael Alonso, ein freundlicher, aber entschiedener Verfechter einer ökologischen, nachhaltigen Wirtschaftsweise. Die Regionalregierung von Andalusien hat dem Betrieb wegen seiner vorbildlichen Innovationen eine Auszeichnung zuerkannt.

Tabernas (Almería), Carretera Nacional 340, km 474 • www.orodeldesierto.com
Mo–Mi und Fr–So 8–18 Uhr, im Feb. geschl. • €  

  

EINKAUFEN

Bodega Méndez Moya
Von einer eigenen Bodega hat José Méndez Moya schon immer geträumt. Als er von seinen Eltern kleinere landwirtschaftliche Flächen überschrieben bekam, ließ er Reben anpflanzen und sorgte bald dafür, dass eine Umstellung auf ökologischen Weinbau verwirklicht wurde. Die Rebflächen liegen auf 1300 Meter Höhe, angebaut werden Tempranillo, Cabernet Sauvignon und Syrah für die jungen und gereiften Rotweine und Sauvignon Blanc für die Weißweine. Auf den Einsatz von synthetischem Dünger oder chemischen Präparaten verzichtet José Méndez Moya aus Überzeugung. Seine Bio-Weine sind inzwischen von dem zuständigen Kontrollorgan zertifiziert und haben auch schon im Ausland für Furore gesorgt. Die reizvoll zwischen den Bergen der Sierra Nevada gelegene Bodega kann nach Voranmeldung auch von Gruppen besichtigt werden. Die Preise der Weine halten sich angenehmerweise im Rahmen.

Dólar (Granada), Carretera El Pocico, km 9,5 • www.mendezmoya.com • tgl. ca. 8–18 Uhr geöffnet 

Bodegas Robles
Das in der dritten Generation geführte Familienunternehmen nahe der Ortschaft Montilla hat sich ganz auf die Herstellung von Bio-Weinen spezialisiert und damit international so großen Erfolg wie kaum ein vergleichbarer Erzeuger aus der Region. Vor allem die Süßweine aus der regionaltypischen Rebsorte Pedro Ximénez haben dem Unternehmen, das seine Rebflächen nach eigenem Konzept ohne den Einsatz von synthetischen Düngemitteln bewirtschaftet, zahlreiche renommierte Auszeichnungen eingebracht. Francisco Robles, treibende Kraft der Firma, gilt als maßgeblicher Pionier des ökologischen Weinbaus in Andalusien. Neben lange gereiften Süßweinen bietet das Unternehmen auch einen leichten Bio-Fino sowie einen biologisch erzeugten Essig aus der Pedro- Ximénez-Rebe an. Trotz des hohen Prestiges von Bodegas Robles halten sich die Verkaufspreise auf einem nicht überteuerten Niveau. Ein Besuch der Bodega sollte telefonisch rechtzeitig angemeldet werden, da die Öffnungszeiten schwanken.

Montilla (Córdoba), Carretera Córdoba–Málaga N 331, km 47 • www.bodegas robles.com

Kombuchería
Dieses Bio-Geschäft hat sich auf die Herstellung und den Vertrieb von Kombucha-Tee spezialisiert. Derzeit werden fünf Varianten von Kombucha angeboten: Waldfrucht, grüner Tee, schwarzer Tee, Mate und Rooibos. Alle Varianten werden frisch hergestellt. Zudem umfasst das Sortiment nach deutschen Rezepten gebackene Brotsorten, Honige aus der Umgebung, Bio-Olivenöl sowie Naturkosmetik. Vor allem die vitaminreichen Kombucha-Getränke findet man in dieser Qualität in kaum einer anderen andalusischen Stadt. Das Geschäft steht unter deutscher Leitung und zählt auch zahlreiche deutsche Residenten aus der Umgebung zu seinen Stammkunden.

Vejer de la Frontera (Cádiz), 
Lirona S.L., Avenida San Miguel 18 • www.kombucheria.com • Mo 10–20, Di, Mi, Fr 10.30– 14.30, Do 10–18, Sa 10–13 Uhr 

Quesería de la Sierra Subbética
Eine unter Kennern sehr geschätzte Adresse. Manche behaupten sogar: Hier bekommt man den aromatischsten Ziegenkäse Andalusiens. Die Firma hat sich ganz auf die Verarbeitung von Ziegenmilch spezialisiert und folgt im Produktionsprozess strengen Bio-Kriterien. Auch in der Zusammenarbeit mit den Ziegenhirten, deren Ziegen im Naturpark Sierra Subbética über die Weidegründe ziehen, werden die Vorschriften des zuständigen Bio- Kontrollorgans zugrunde gelegt. Die Firma unterhält am Produktionsstandort ein Geschäft, in dem der hauseigene Ziegenkäse als Frischkäse oder in einem mehr oder weniger ausgeprägten Reifestadium verkauft wird. Zudem bietet das Geschäft ein buntes Sortiment an Bio-Delikatessen von anderen Erzeugern Andalusiens an. Angeschlossen ist seit August 2008 auch ein sehr empfehlenswertes Restaurant, in dessen Küche vornehmlich Bio-Produkte verarbeitet werden. Seine Spezialitäten sind Ziegen- und Lammfleischgerichte sowie Arrangements mit Ziegenkäse. Juan de Dios Serrano, der Geschäftsführer der Firma, gilt als überzeugter Verfechter von Bio-Standards bei der Herstellung von kulinarisch anspruchsvollen Käsesorten. 

Zuheros (Córdoba), Carretera A 318, km68 • www.losbalanchares.com • Geschäft tgl. 10–14 und 16.30–19, Restaurant So–Do 11–17, Fr und Sa 11–22.30 Uhr • €€

 

AKTIVITÄTEN

Rundgang durch die Höhle Gruta de las Maravillas
Der im Hinterland der Provinz Huelva gelegene Naturpark Sierra de Aracena y Picos de Aroche bietet genügend Landschaften, Flora und Fauna für eine mehrtägige Erkundung. In Aracena besteht die Möglichkeit, ein 1200 Meter langes Höhlensystem zu besichtigen und dabei viel über Wassererosion und die Besonderheiten eines aus Kalk aufgebauten Gebirges zu lernen. Bei Führungen werden die Geschichte der Höhle und die Hintergründe für die originellen Verformungen und Verfärbungen des Kalkgesteins erläutert.

Aracena, Eingang nahe der Plaza Pozo delasNieves • www.aracena.es • tgl. 10–13.30 und 15–18 Uhr • Eintritt 8,50 €

Artikel erschienen: Mai 2012