Europop
So isser, unser Osten!
Von Ralf Niemczyk
Anfang der Neunziger hatten die Ausflüge in die "Ostzone" für mich als gestandenen Wessi echten Expeditionscharakter. Die Reichsbahn rumpelte über unverschweißte Schienen. Broilerbuden und Pornoshops lockten in Baucontainer. Und dieser Agentenfilm aus der DDR-Zeit lief noch eine Weile weiter. Das war vor Jahren.
Mittlerweile ist vieles schönrenoviert, manches sogar topmodern. Dennoch bleiben Leerstellen, Brachen, Wendetrümmer. Dazu kommt die gespenstische Leere in manchen Klein- und Mittelstädten. Menschliches Verschwinden auf sorgfältig verlegten Kopfsteinpflastern.
Ich habe mich bei den folgenden Schlaglichtern auf besuchte Orte beschränkt. Orte, die ich während Messen, Auswärtsspielen und Hochzeiten erfahren konnte. Dabei ist mir auch einiges an Brüchen in der längst eingekehrten Normalität des neuen Gesamtdeutschlands untergekommen. Auferstanden aus Ruinen 2.0, sozusagen.




Der 1962 in Köln geborene Ralf Niemczyk gehört zur Gründergeneration des Popmusikmagazins "Spex". Heute bereist der Journalist und Buchautor bevorzugt den europäischen Kontinent und nutzt von dessen Flughäfen stets öffentliche Verkehrsmittel. Es sei denn, es gibt nicht mal die.