Skandinavien Klima in Norwegen

... sind übrigens weltbekannt. Hollywood-Regisseur George Lucas drehte hier ...

Im Winter, wenn die nordatlantischen Tiefdruckgebiete auf Norwegens Westküste einstürmen, die Winde über die Städte hinwegfegen, hinein in die Fjorde und hinauf auf die kargen Weiten der skandinavischen Hochebenen, kann man nachempfinden, wie sich Roald Amundsen gefühlt haben muss, als er kilometerweit durch Schnee und Eis stapfte, um für den Weg zum Südpol zu trainieren.

1911 war er hier oben auf Hardangervidda, diesem riesigen, unwirtlichen Hochplateau zwischen Oslo und Bergen. Testete Material, Schlitten, Zelte, feilte an der richtigen Skitechnik, an der Orientierung im weißen Nichts. Amundsen war schon oft hier gewesen, mit seinem Bruder kreuz und quer über die "Vidde" gezogen. Eines Nachts wäre er fast erstickt. Im Schneesturm krachte die Schneehöhle ein, die er sich zum Übernachten gegraben hatte. Sein Bruder konnte ihn gerade noch rechtzeitig ausgraben. Vidde. Das norwegische Wort für Hochplateau bedeutet nicht von ungefähr "Weite". Hardangervidda ist die größte Hochebene Nordeuropas und der größte Nationalpark Norwegens, 3422 Quadratkilometer Schutzgebiet, insgesamt 8000 Quadratkilometer nur das eine: Weite.

Das Klima ist hart hier oben. Eisig. Fast so, wie man es sich auf einem unbewohnten Planeten vorstellt. Menschen und Siedlungen gibt es nicht - sieht man einmal von der Station Finse der Bergenbahn ab. Dafür leben Rentiere auf Hardangervidda. Viele tausend, die größte wildlebende Herde Skandinaviens. Und Elche. Die Tiere werden sich über Amundsen und die anderen Polarforscher gewundert haben, die hier oben freiwillig froren. Aber die Forscher und Abenteurer waren nicht die seltsamsten Kreaturen, die die Tiere von Hardangervidda zu sehen bekamen.

1979 schickte George Lucas die "Tauntauns" und "Suchdroiden" auf die Hardangervidde. Als er "Star Wars: Episode V" drehte, "Das Imperium schlägt zurück". Denn für Lucas war die Hochebene nicht Hardangervidda, sondern Hoth. Eisplanet Hoth. George Lucas hatte auch einen Suchdroiden - und der hieß Gary Kurtz. Er war sein Produzent und im Jahr zuvor wochenlang durch Nordeuropa gereist, auf der Suche nach einer Landschaft, die im Winter so lebensfeindlich und zugefroren aussah, dass sie auch einen Eisplaneten darstellen könnte. Das gab es nur auf Hardangervidda. Und so brachte er den "Krieg der Sterne" nach Norwegen.

Die Verhältnisse sind tatsächlich eines Eisplaneten würdig. Das Plateau liegt zwar nur so hoch wie die Talstationen der Skigebiete in den Alpen - 1200 Meter über dem Meer, die höchsten Punkte sind immer noch deutlich unter 2000 Metern. Trotzdem herrscht hier Polarklima. Bäume haben keine Chance. Im Januar fällt das Thermometer auf minus zehn Grad - im Durchschnitt. Oft ist es noch viel kälter, minus 40 Grad sind schon gemessen worden. Das Jahresmittel schafft es nicht einmal über den Gefrierpunkt. Für den Boden bedeutet das: Permafrost. Für R2D2 bedeutete das: zu Hause bleiben. Der kleine Roboter wäre hier oben eingefroren.

Stattdessen liefen dann Tauntauns und andere Monster durch den Schnee, um im Feuer neonleuchtender Lasergeschosse in Qualm aufzugehen - während sich die norwegischen Statisten darüber ärgerten, dass ihre hypermoderne Sciencefiction-Kleidung aus silberfarben besprühten Gummistiefeln bestand. Irgendwann froren auch noch die Tauntauns ein.

Die ersten Drehtage im März 1979 waren ein Reinfall. Einerseits sah die Landschaft so schön und friedlich und weiß aus, dass der Schnee mit riesigen Turbinen aufgewirbelt werden musste, um die Ungemütlichkeit eines Eisplaneten zu simulieren. Andererseits war es eben doch eiskalt. Im zweistelligen Bereich unter Null. Als Han Solo in Oslo ankam, hatte er nur eine Jeans und eine dünne Tweedjacke an. Harrison Ford war kurzfristig nach Norwegen beordert worden, um doch noch ein paar Szenen im echten Schnee einzuspielen. Mitten hinein in einen der schwersten Schneestürme des Jahres. Als Ford in der Bergenbahn Richtung Hardangervidda saß, stoppte eine Lawine den Zug. Ford saß fest. Und musste in eine Lokomotive mit Schneepflug umsteigen, um überhaupt am Set anzukommen.

Ein gutes Jahr später, im Mai 1980, ist Darth Vader das "Titelgesicht" des Time Magazine. "Das Imperium schlägt zurück" wird ein weltweiter Kinoerfolg - und "Star Wars" endgültig zum Mythos. Tom Egeland, ein norwegischer Schriftsteller, muss noch heute Autogramme schreiben. Nicht etwa, weil sich seine Kriminalromane weltweit gut verkaufen - sondern weil er damals, vor fast drei Jahrzehnten, zusammen mit den anderen Statisten auf dem Hochplateau gefroren hat.

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Autor:
Jan Biener