Nepal
Expedition zum Gipfel des Manaslu

Von Susanna Bloß

Das deutsche Höhenbergsteigerpaar Alix von Melle und Luis Stitzinger sind zu einer neuen Achttausender-Expedition gestartet. Der Manaslu in Nepal ist ihr Ziel - mit 8163 Metern der achthöchste Berg der Erde. Ohne Hilfe von Trägern und künstlichem Sauerstoff wollen sie den Gipfel über die Nordostflanke bis Ende Mai erreichen.

Bergsteigerin Alix von Melle am Nanga Parbat im Westhimalaja. Mit 8125 Metern Höhe ist der Naga Parbat der neunthöchste Berg der Erde.
von Melle
Bergsteigerin Alix von Melle am Nanga Parbat im Westhimalaja. Mit 8125 Metern Höhe ist der Nanga Parbat der neunthöchste Berg der Erde.

MERIAN.de: Frau von Melle, Sie brechen zu einer Expedition auf den Manaslu auf. Der Berg zählt zu den höchsten der Welt...
Alix von Melle: Ja, das ist richtig. Der Manaslu liegt im Mansiri Himal in Westnepal und ist mit 8163 Metern der achthöchste Berg der Welt. Der Name stammt aus dem Sanskrit und bedeutet "Berg der Seele". Er ist vor allem wegen seiner Steilheit, der Lawinen und Eisabbrüche und des äußerst wechselhaften Wetters berüchtigt.

Sie wollen es aber trotzdem wagen?
Gemeinsam mit drei weiteren Bergsteigern wollen mein Mann und ich den Manaslu ohne Hilfe von Trägern und künstlichem Sauerstoff begehen. Ziel der Expedition ist es, über die Nordostflanke aufzusteigen und anschließend die komplette Strecke mit Skiern wieder abzufahren.

Wie viel Zeit ist für die Besteigung eingeplant?
Geplant sind 48 Tage. Natürlich muss dafür das Wetter mitspielen, sonst kann es schnell zu Verzögerungen kommen oder gar zum Abbruch der Besteigung.

Wie bereitet man sich auf solch eine Expedition vor?
Ich habe in den letzten Wochen viel im Ausdauerbereich trainiert, zum Beispiel gehe ich regelmäßig Joggen und fahre Mountainbike. Da ich in der Nähe von München wohne, liegen die Berge zudem direkt vor meiner Haustür, so dass ich am Wochenende und auch teilweise vor der Arbeit wandern und klettern gehe.

Haben Sie schon einmal einen Achttausender bestiegen?
Ja, bei sechs Versuchen, stand ich bereits fünf Mal ganz oben - und das jedes Mal aus eigener Kraft, also ganz ohne künstlichen Sauerstoff. Einzig der Aufstieg zum Makalu, der musste leider wegen Schneefall, extremer Kälte und starkem Wind abgebrochen werden.

Sie kommen aus der Nähe von Hamburg, sind also im norddeutschen Flachland aufgewachsen. Da liegen die Berge in weiter Ferne. Wie hat sich ihre Liebe zu diesem Sport entwickelt?
Eigentlich bin ich über das Skifahren zum Bergsteigen gekommen - auf einer Reise zum Arlberg nach dem Abitur. Die gewalzten Abfahrten fand ich schnell langweilig und zog am liebsten meine Spuren abseits der Piste. Auf das Freeriden folgten dann die ersten Skitouren. Um den Bergen dann aber wirklich nahe sein zu können, wechselte ich nach zwei Semestern in Hamburg schließlich für mein Geographie-Studium an die Universität in München.

Sie kamen also über den Wintersport zum Bergsteigen?
Richtig, das Tourengehen hat mir Spaß gemacht. Ich war viel mit Skiern und Rucksack unterwegs. Doch dann kam meine erste Sommertour: Ich wanderte eine Woche von Hütte zu Hütte durch die Ötztaler Alpen. Daraus entwickelte sich die Leidenschaft für das Bergsteigen. Die Alpen waren mein Revier - erst viel später kam der Wunsch auf, auch mal höhere Berge zu besteigen, ja gar einen Achttausender zu bezwingen.

Und wann kam der erste Achttausender?
1998 bestieg ich meinen ersten richtig hohen Berg, den Aconcagua in Argentinien. Er ist mit 6962 Metern der höchste Berg Südamerikas. Danach habe ich mich immer mehr gesteigert, habe Berge wie den Mustagh Ata in China und den Khan Tengri in Kasachstan bestiegen - bis schließlich 2006 der erste Achttausender, der Gasherbrum II in Pakistan, dabei war. Trotz der Erfolge sind aber nicht nur die hohen Berge mein Ziel.

48 Tage haben Sie für die Expedition auf den Manaslu eingeplant. Wie läuft so ein Aufstieg ab?
Wir starten bei Arughat auf etwa 520 Metern Höhe. Es ist auch der Ausgangspunkt für die beliebte Trekkingroute um den Manaslu. Von hier aus beginnt der Aufstieg zum Basislager. Dafür nehmen wir uns zwei Wochen Zeit, um uns Schritt für Schritt an die Höhe zu gewöhnen. Bis ins Basislager haben wir noch Träger dabei, danach geht es ohne weiter.

Und dann beginnt die Gipfelbesteigung...
Das Basislager liegt auf zirka 4850 Metern Höhe. Von dort beginnt dann die Besteigung des Manaslu. 27 Tage sind dafür veranschlagt. Der Route über die Nordostflanke und den Nordostrücken folgend, errichten wir nach und nach die Hochlagerkette auf 5600, 6600 und 7400 Metern Höhe und bereiten uns auf den Gipfelgang vor. Die Schlüsselstellen der Route sind ein wild zerrissener Gletscher und eine 300 Meter hohe Steilflanke.

6000 Meter, 7000 Meter - kann man sich überhaupt auf die große Höhe richtig vorbereiten?
Mit zunehmender Höhe wird die Luft immer dünner. Ab etwa 2500 Meter droht die Höhenkrankheit. Übelkeit, Schwindel, Atemnot und Kopfschmerzen sind die ersten Anzeichen dafür. Wichtig ist, sich gut zu akklimatisieren, das heißt, sich nach und nach an die Höhe anzupassen, indem man langsam aufsteigt und dem Körper immer wieder Ruhepausen gönnt. Außerdem sollte man viel trinken, etwa vier Liter am Tag - Alkohol ist natürlich tabu. Bis jetzt hatte ich auf meinen Touren immer Glück und mit der Höhe keine größeren Probleme.

Flüge, knapp zwei Monate auf Tour, Ausrüstung: Wie finanziert man so eine Expedition?
Viele Jahre habe ich jeden Cent gespart und in meine Reisen gesteckt. Mittlerweile ist es etwas entspannter, da ich durch meinen Bekanntheitsgrad in der Szene einige Partner und Sponsoren habe. Das erleichtert vieles.

Sie verbringen viel Zeit in den Bergen. Was bedeutet der Bergsport für Sie?
Der Bergsport ist meine große Leidenschaft, dem ich sehr viel in meinem Leben unterordne. Zum Beispiel arbeite ich nicht Vollzeit. So habe ich Zeit, um mich auf die Touren gut vorzubereiten. Für die Expeditionen, die mehrere Wochen dauern, nehme ich oftmals meinen kompletten Jahresurlaub plus angesammelte Überstunden.

Die Expedition auf den Manaslu kann auf www.goclimbamountain.de im „Expeditionstagebuch Manaslu“ mitverfolgt werden.

Artikel erschienen: April 2012