Namibia
Luxusherberge in Windhoek

Von Nico Cramer

Eine Burg in namibischen Windhoek gehört zu den Spitzenhotels Afrikas. Bis es soweit war, mussten die neuen Besitzer der Heinitzburg gegen Bauvorschriften und kaputtes Mauerwerk ankämpfen - sowie ihrem Personal das Lächeln beibringen.

MERIAN Namibia Hotel Heinitzburg. 2 Heinitzburg Main Facade Day
Hotel Heinitzburg

Wie inseriert man eigentlich eine leerstehende Burg? "10 Gemächer, Küchentrakt, Badflügel"? Der potenzielle Käuferkreis ist jedenfalls sehr begrenzt, erst recht, wenn das Schloss in Afrika steht, genauer: Windhoek, Namibia. 1914, kurz vor dem Ende der deutschen Kolonialzeit in Namibia, ließ ein Graf die Burg für seine Verlobte Margarethe von Heinitz errichten, über die Jahrzehnte wurde sie hie und da bewohnt, zuletzt stand sie jahrelang leer. Es braucht schon jemanden mit einer Vision oder zumindest einer handfesten Idee, um den Wahnsinnskauf einer ganzen Burg zu tätigen. Womit wir bei Beate Raith wären, 47, Besitzerin der Heinitzburg: heute das erste Hotel am Platz und Mitglied in der Vereinigung Relais & Châteaux - als einziges Haus in ganz Namibia.

Fotostrecke Namibia: Ritter in Namibia

(Fotostrecke: 22 Bilder)

1994 stieß sie gemeinsam mit ihrem Mann Jürgen auf die Heinitzburg, eine von insgesamt drei Burgen, die bis heute in Windhoek stehen. Das Ehepaar hatte sich durch das Betreiben eines Hotels und eines Party-Services in der Stadt einen Namen gemacht, nun war man auf der Suche nach einem perfekten Ort, um beide Komponenten zusammenzuführen: Luxusunterkunft und Fine Dining. "Nachdem Namibia von Südafrika unabhängig war, wurde die Heinitzburg vielen Botschaften angeboten", weiß Beathe Raith, "aber keiner hat sie gewollt." Zu verwahrlost, zu klein, zu weit oben auf dem Hügel gelegen - alles Gründe, die für die Diplomaten dagegen sprachen. Für die Raiths: dafür.

Verwahrlost? 1994 fing das ehrgeizige Ehepaar mit dem Restaurieren an, "ein komplizierter Weg, weil die Burg unter Denkmalschutz steht und wir hier in einer Wohngegend sind, da mussten wir erst einmal diverse Anträge stellen", erinnert sich Beate Raith. Nur ein Jahr später öffnete die Heinitzburg bereits ihre Pforten für die Gäste.

Zu klein? Schritt für Schritt, nach dieser Devise ist das Hotel seit 1996 beständig gewachsen. Den Anfang machten zehn Zimmer mit Bed & Breakfast, 2000 kamen dann nach umfassenden Anbauten und Kelleraushebungen sechs weitere Zimmer hinzu, außerdem das Gourmet-Restaurant "Leo at the Castle", geführt von Sohn Tibor (28), und ein Weinkeller, inzwischen mit etwa 13.000 Flaschen der größte seiner Art in ganz Namibia.

Und zu weit oben auf dem Hügel gelegen? Der spektakuläre Panoramablick von der Restaurant-Terrasse über die Hauptstadt Windhoek hat der Heinitzburg den Ruf als weit und breit bester Ort für "Sundowner" eingebracht, Drinks mit eingebautem Sonnenuntergang. Die gibt es in Windhoek in schöner Regelmäßigkeit zu bestaunen: auf 340 Sonnentage mit teils spektakulären Sonnenuntergängen komme man im Durchschnitt jährlich, schätzt Frau Raith.

Klare Linie: klobig

Die Zimmer der Burg sind U-förmig um den malerischen Innenhof angeordnet. 16 Zimmer gibt es insgesamt, davon sechs in der Kategorie Superior Deluxe (ab 180 € für ein Einzelzimmer), zehn in der Kategorie Deluxe (ab 150 € für ein Einzelzimmer). Die Räume sind individuell eingerichtet und gestaltet, folgen aber einer ebenso klaren wie klobigen Linie: Burgambiente.

Die Zimmer strotzen vor schwerem Mobiliar und üppigen Stoffen, an den Wänden erzählen nostalgische Fotodrucke von den frühen Jahren der Heinitzburg. Aber auch das Neue darf Einzug halten in die massiven Mauern, und mehr als das: durch "die Kombination von modernstem Design mit dem Charme der alten Zeit" (Hotelbroschüre) sollen aufregende Wechselwirkungen entstehen. Das klappt nicht immer - der Laminat-Fußboden beißt sich in einigen Zimmern beherzt mit dem nostalgischen Pomp, und den teils massiven Kopfteilen der Betten wünscht man die schlanke Eleganz der in die Wand eingelassenen Flatscreen-Fernseher.

Doch über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Für den ansonsten herausragenden Standard in der Heinitzburg hingegen gibt es klare Kriterien. Sie haben dem Hotel 2002 die Aufnahme bei Relais & Châteaux beschert, gemäß den fünf entscheidenden "C's", die von der Vereinigung gewertet werden: caractère, courtoisie, calme, charme et cuisine. Charakter, Freundlichkeit, Ruhe, Charme und Küche - um in all diesen Bereichen den hohen Anforderungen von Relais & Châteaux zu begegnen, arbeiten Beate Raith und ihr Sohn, seit dem Tod des Vaters 2004 Mitbetreiber der Heinitzburg, hart. Dass trotzdem hin und wieder ein Beschwerdebrief von Gästen in der Zentrale von Relais & Châteaux in Paris eingeht, sieht Frau Raith sportlich: "Wir haben im Land kaum Konkurrenz, von daher bin ich froh, dass wir uns an den Standards von Relais & Châteaux messen können. Ich sehe Kritik nicht negativ, sondern als Ansporn, wo wir uns noch verbessern und korrigieren können. Außerdem", so Rath, "habe ich 45 Angestellte, da kann nicht alles perfekt laufen!"

Die Ausbildung und Förderung von Angestellten in der Heinitzburg ist Beate Raith ein persönliches Anliegen, zumal gerade in diesem Bereich in Namibia erhebliche Defizite bestehen, wie sie betont. Auch deshalb habe es neben der Heinitzburg bisher kein Hotel oder Restaurant im Land in die Liga von Relais & Châteaux geschafft: "Ich würde mir wünschen, dass es noch ein zweites Relais & Châteaux in Namibia geben würde. Das Problem ist, dass wir hier alle mit intern ausgebildetem Personal arbeiten, und das ist ein harter Job. In Deutschland bringen die Leute bereits eine Vorbildung mit, wenn sie im Hotelgewerbe anfangen. Wir müssen fast immer komplett bei null beginnen", so Raith.

Die unterschiedlichen kulturellen Hintergründe im Vielvölkerstaat Namibia sind dabei oft eine zusätzliche Herausforderung, wie Beathe Raith erklärt: "Ein Herero-Mädchen beispielsweise würde Ihnen, um Respekt zu zeigen, niemals direkt in die Augen schauen und auch nicht lächeln, weil es kein Zeichen von Schönheit ist. Das geht gegenüber dem Gast natürlich nicht", sagt Raith - und lächelt. Nach 16 Jahren im Geschäft, so die Betreiberin, habe sie ein Auge für die "rohen Diamanten" unter ihren Angestellten. So wie Beate Raith auch das zukünftige Spitzenhotel Namibias hinter der Fassade einer alten, verfallenen Burg erkannte.

Artikel erschienen: April 2011