Naher Osten
Mit dem Taxi durch Jordanien

Von Christoph Pfaff

Wer Jordaniens Mix aus orientalischer Metropolenmoderne, biblischen Orten und einer faszinierenden Natur individuell erleben möchte, erkundet das Land im Nahen Osten am besten mit dem Überlandbus. Eine erschwingliche Alternative mit eingebauter Privatsphäre ist das Taxi.

Mit dem Geländewagen in der Wüstenlandschaft Wadi Rum.
Christoph Pfaff
Mit dem Geländewagen in der Wüstenlandschaft Wadi Rum.

Wo andere Menschen in ihrem Auto einen Duftbaum pflanzen, lässt unser Fahrer ein Schild baumeln. Unter dem Rückspiegel, an einem dünnen Faden befestigt, prangt auf schwarzem Grund eine Zigarette im roten Kreis, ergänzt von dem Schriftzug "Non-Smoking Zone". Der Ellenbogen des Fahrers lehnt lässig auf der Kante des geöffneten Fensters - am unteren Ende des Arms klemmt eine brennende Kippe zwischen seinen Fingern. "Das Schild gilt nicht für mich", erklärt der Mann mit Halbglatze und Schnurrbart. "Das ist schließlich mein Taxi." Dann lacht er, drückt auf die Hupe und beginnt, sich durch den dichten Verkehr von Amman zu schlängeln.

In Jordaniens Hauptstadt, deren Besuchermagneten der lebhaft-bunte Souk und die auf dem Zitadellenhügel thronenden Ruinen des einst mächtigen Herkules-Tempels sind, ist das Taxi für Reisende ein ideales Verkehrsmittel.

Bunte und lebhaft: der Souk in Amman.
Christoph Pfaff
Bunte und lebhaft: der Souk in Amman.
Als Selbstfahrer ist man schnell verloren, wenn die zwei Millionen Einwohner der arabischen Metropole im Berufsverkehr mit einer weiteren halben Million Pendler um jeden Zentimeter Asphalt kämpfen. Dann ist es in der hügeligen Stadt besonders hektisch. Fahrbahnmarkierungen werden allerhöchstens als nett gemeinten Vorschlag zur Kenntnis genommen. Es wird dort gefahren, wo Platz ist - die Straße gehört jedem.

Auch außerhalb der Stadtgrenzen kann man sich in dem Nahostland, das in etwa die Größe Österreichs hat, den Fahrstress im eigenen Mietwagen ersparen. Erschwinglich ist das Taxi allemal. Bei der Verabschiedung vor der Hotellobby fragen wir den Fahrer, wie teuer es wäre, wenn er uns am nächsten Tag in die rund 250 Kilometer entfernte Felsenstadt Petra fahren würde. "One way 40 Dinar", antwortet er, was ungefähr dem gleichen Wert in Euro entspricht. "Wann soll ich morgen hier sein?" Wir lassen uns seine Karte geben und verabreden, ihn anzurufen. Kurz darauf wird sein Wagen wieder zu einem fließenden Teilchen im Straßengewusel von Amman.

Unbeeindruckt von den anhaltenden Unruhen in der arabischen Welt liegt das haschemitische Königreich friedlich und gelassen zwischen Ägypten, Israel, Syrien und dem Irak. Dank König Abdullah II. und dessen Gattin Rania, die in der islamischen Welt hoch angesehen sind, ist das "Sandwichland" der ruhige und zufriedene Pol in einer oft strapazierten Umgebung. Dies zeigt sich auch am nächsten Morgen. Es ist Freitag, der heilige Tag des Islam, der Start ins Wochenende. Viele Jordanier haben sich aufgemacht und picknicken unter dem Meeresspiegel. Im bis zu 400 Meter tiefen Jordantal sitzen sie entspannt unter Bäumen am Straßenrand, schwatzen und genießen die Zeit mit ihrer Familie, während wir mit geöffneten Fenstern an ihnen vorbeifahren.

Zur Taufstelle von Jesus

Die Fahrt in den Süden nach Petra ist eine geschichtsträchtige Reise durch die Natur. Die Taufstelle von Jesus zählt dabei zu den neuesten Attraktionen des Landes. Glaubte man lange Zeit, dass Gottes Sohn am Westufer des Jordan und damit im von Israel besetzten Westjordanland getauft wurde, sprechen die aktuellsten Erkenntnisse davon, dass sich das heilige Spektakel doch auf jordanischer Seite abgespielt haben muss. Die Überreste einer alten Kapelle und das Taufbecken sind die ausgegrabenen Zeitzeugen dieses Ereignisses, der angelegte Wanderweg entlang des heiligen, inzwischen jedoch ordentlich dünn gewordenen Flusses erfreut sich einer steigenden Beliebtheit bei Touristen. Wer will, kann sich hier nach vorheriger Anmeldung sogar selbst taufen lassen, sollte sich allerdings der Aufmerksamkeit der anwesenden Besucher bewusst sein. Nach der Zeremonie und dem dreifachen Abtauchen im gelbbraunen Jordan werden Hände geschüttelt und herzliche Glückwünsche ausgesprochen. Ein besonderes Erlebnis - auch als Zuschauer.

Ähnlich bedeutungsvoll ist der nahegelegene Berg Nebo: Moses sei einst hierher gekommen und habe vom Bergplateau aus das Gelobte Land gesehen, heißt es. Da überrascht es nicht, dass der rund 800 Meter hohe Aussichtspunkt ein wichtiger Ort für christliche Pilger und Fans von traumhaften Panoramen ist. Als wir oben ankommen, tummeln sich zahlreiche Nonnen und andere Gläubige, die mit gefalteten Händen in Richtung der heiligen Tiefebene beten. Sogar Papst Benedikt XVI. besuchte diesen Ort auf seiner Pilgerreise im Jahr 2009. Er zeigte sich beeindruckt vom weiten Ausblick auf Israel, das Jordantal und eines der faszinierendsten Meere unserer Erde, das ein einmaliges Badeerlebnis verspricht. Während Omar auf dem serpentinenreichen Rückweg aus dem Gebirge eine scheinbar endlose Kurvendiskussion mit der Straße führt, werden die weißen Uferkrusten und das türkisgrüne Wasser des Toten Meeres immer deutlicher sichtbar.

Salzkruste am Toten Meer.
Christoph Pfaff
Das Tote Meer - eine salzige Angelegenheit.
Der Salzbad-Tourismus ist hier - anders als auf israelischer Seite - noch im Aufbau: Bisher haben sich an der jordanischen Küste fünf Hotels angesiedelt, die sich "vor allem auf Erholungs- und Kurgäste spezialisiert haben", so Bruno Huber, General Manager des Mövenpick Resort & Spa Dead Sea. Mit einem Salzgehalt von durchschnittlich 28 Prozent hat das Wasser des Toten Meeres eine heilende Wirkung bei Hautkrankheiten. Aber auch für nichtmedizinische Gäste ist das schwerelose Treiben und das Einreiben mit dem natürlichen, schwarzbraunen Gesundheitsschlamm ein Höhepunkt.

Zuverlässig und günstig fahren die Busse zu Jordaniens Hotspots

Kurz vor Petra kommt uns auf dem staubigen Desert Highway ein blau-weiß gestreifter Bus entgegen. Auf seiner Seite prangt das Logo des staatlichen Busunternehmens JETT, eine Institution im nationalen Überlandverkehr. Die klimatisierten Coaches - mal Reisebus, mal Sprinter - sind die Alternative für alle, die gerne individuell unterwegs sind, denen die Privatsphäre des eigenen Taxis jedoch nicht so wichtig ist. Zuverlässig und günstig (Amman–Petra: 8 Dinar) fahren die Busse zu Jordaniens Hotspots: zum Beispiel zum Schnorchelausflug nach Aqaba ans Rote Meer, wo sich eines der nördlichsten Korallenriffe der Welt befindet, oder zum ganz besonderen Wüstenerlebnis ins Wadi Rum, in dem man auf Kamelen durch die Dünen reiten und die Nacht in traditionellen Beduinencamps verbringen kann.

Einen gewissen ursprünglichen Charakter konnte sich auch die Felsenstadt der Nabatäer bewahren. Zwar ist in Petra inzwischen alles auf den Tourismus ausgelegt - sie gilt als eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der arabischen Welt und wurde jüngst zu einem der Neuen 7 Weltwunder gewählt. Dennoch: Esel und Kamele traben über die staubigen Sandstraßen, an den Marktständen buhlen Händler singend um Kundschaft und auf den Tischen der arabischen Kaffeehütten laden altorientalische Öllampen zu einer Pause ein. So lässt es die Fantasie beim Spaziergang durch die meisterhafte Felsbaukunst zu, das frühere Leben in der einstigen Hauptstadt des nabatäischen Reiches noch immer zu erahnen.

Petra war viele Jahrhunderte lang vergessen

Schon zu ihrer Hochzeit in den Jahrhunderten um Christi Geburt imponierte die Stadt, die über eine etwa eineinhalb Kilometer lange und bis zu 200 Metern tiefe Sandsteinschlucht namens Siq zu erreichen ist, mit einer Kulisse, die sich so manche heutige Großstadt wünschen würde. Am bekanntesten ist das Schatzhaus Khazne al-Firaun, das bereits als Drehort für den Film Indiana Jones und der letzte Kreuzzug diente. Direkt an der Mündung des Siq versetzt die knapp 40 Meter hohe Säulenfassade in Staunen.

Die berühmte Felsenstadt Petra.
Christoph Pfaff
Die berühmte Felsenstadt Petra.
Nachdem Petra viele Jahrhunderte lang vergessen war und erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts wiederentdeckt wurde, begannen in den 1920er Jahren langwierige Ausgrabungen, um die architektonischen Wunder der Antike freizulegen. Eine der neueren Entdeckungen ist das mächtige Römische Theater, das 1961 von amerikanischen Archäologen ausgegraben wurde und auf deren Rängen einst bis zu 5000 Menschen Platz fanden. Ein weiterer Hingucker ist die mit Felsgräbern gespickte Königswand, in denen Könige und Herrscher begraben wurden. Was sich in Petra zukünftig noch tun wird, ist ungewiss. Schätzungen zufolge ist erst ein Fünftel der Felsenstadt ausgegraben.

Übrigens, wem die halbstündige Wanderung durch den Siq zu lange dauert: Natürlich gibt es auch innerhalb Petras die Möglichkeit, sich mit dem Taxi fortzubewegen. Die Fahrzeuge stehen am Beginn der Schlucht bereit, haben einen PS und heißen Pferdekutsche.

INFOS

Anreise
Direktflüge von Frankfurt nach Amman bietet zum Beispiel Lufthansa (www.lufthansa.com) an. Royal Jordanian (www.rj.com) fliegt ab Frankfurt, München und Berlin.

Unterkunft
Amman Marriott Hotel, DZ ab 125 Euro, www.marriott.de
Mövenpick Resort Petra, DZ ab 140 Euro, www.moevenpick-hotels.com

Taxipreise
Wer gut verhandelt, zahlt auf den Hauptrouten folgende Preise: Amman-Petra 40 Euro, Petra-Wadi Rum 20 Euro, Wadi Rum-Aqaba 15 Euro. Mit Taxameter wird es oft teurer. Alternativ fahren die günstigen Überlandbusse - u.a. der Firma JETT - durchs Land, www.jett.com.jo

Auskunft
Jordan Tourism Board, www.visitjordan.com

Artikel erschienen: Juni 2012