Malta Sprachkurs für die Älteren

Englisch lernen ohne englisches Wetter, Businesstalk im Freizeitlook: Das geht nirgendwo besser als beim Sprachurlaub auf Malta. Mit günstigen Flugpreisen und moderaten Kosten ist die Insel in den vergangenen 20 Jahren eine populäre Alternative zum Bildungsaufenthalt in Großbritannien geworden. Feines Klima von Frühjahr bis Herbst lockt immer mehr Europäer in den Süden, aber zunehmend finden auch Japaner, Inder und Saudis Gefallen an den 46 Sprachinstituten auf Malta und Gozo.

Mehr als 55.000 Sprachstudenten füllten 2004 Maltas Klassenzimmer bis zum Bersten, in zehn Jahren fast eine Verdoppelung; jeder vierte kam aus Deutschland. Jede zehnte Malta-Lira im Tourismusgeschäft fließt durch die Sprachstudenten herein.

Kein Zweifel: Das Geschäft boomt, wie Noel Borg, Sales Executive von EC Malta, formuliert. Allein in den 62 Klassenzimmern seines Instituts im Zentrum von St. Julian's nehmen jährlich 2000 Studenten aus 60 Nationen am Eingangstest zur Ermittlungder Leistungsstufe teil.

Die multikulturelle Armada der Teens und Twens prägt in bunten Scharen die Szenerie von St. Julian's bis Sliema. Auf diesem kleinen Abschnitt an der Nordküste drängen sich heute rund 20 Sprachinstitute. Dabei ist um das Vergnügungsviertel Paceville eine urbane Landschaft aus Schnellrestaurants, Shops und Internetcafés entstanden, in dem Englischstunden und Entertainment die Gezeiten markieren.

Der Boom hat seinen Grund aber auch in der Vielfalt des Angebots: Längst vorbei sind die Zeiten, in denen es Englisch nur für Anfänger, Fortgeschrittene und Bildungsurlauber gab. Sehr spezielle Kurse in den Sprachen des Geschäftslebens, der Wissenschaft und Technik, aber auch der schönen Literatur bieten Lernstoff selbst für Menschen, die bereits fließend in London parlieren können. Hier bekommt man die Sprache, die dann in der Stellenausschreibung "verhandlungssicher" heißt.

Zunehmend fragen aber auch Bildungsbürger in der zweiten Lebenshälfte die vielfältigen Angebote nach, und gerade die wollen nicht auf ein hochwertiges Beiprogramm verzichten. Deshalb hat man welche für reifere Semester aufgelegt - "50+"-Kurse mit sechs bis acht Teilnehmern.

Das ist ebenso fordernd wie erfüllend, erklärt Pamela Allmark, die Kundenbetreuerin von EC Malta. Keine anderen Kunden interessierten sich so ernsthaft und ausdauernd für Kultur- und Ausgrabungsstätten wie diese. Keine anderen seien aber auch aufmerksamer oder wüssten Erlerntes und Erlebtes mehr zu schätzen - auch wenn die (Rück-)Eroberung der Fremdsprache nicht mehr im Turbotempo gelingt. Nadya Aquilina, die als Direktorin über alle Lehrprogramme im Hause wacht, sieht darin jedenfalls das geringste Problem.

"Es ist nicht das Lehrbuch, nach dem wir uns richten", sagt sie, "sondern der Schüler und seine Bedürfnisse." Bei den meisten Schülern seien die passiven Kenntnisse ohnehin viel größer als der aktive Sprachgebrauch, so Aquilina. Deshalb komme es für jeden Lehrenden darauf an, ihnen die Zunge zu lösen, dann sei das Lehrziel erreicht.

Das Lehrpersonal ist der Treibstoff in dieser Maschine, die über den Sommer am oberen Rand der Kapazitäten gefahren wird. Dann stocken die großen Schulen ihr Kollegium mit Teilzeitbeschäftigten auf bis zu 50 Kräfte auf. Es ist der vorläufige Gipfel eines Andrangs, der Ende der Sechziger mit Ferienkursen für ausländische Studenten an der alten Uni in Valletta begann. Als in den Achtzigern dann die unabhängigen Institute ins Kraut schossen, war man von einheitlichen Qualitätsstandards ein gutes Stück entfernt. Wer immer auf Malta ein Zimmer übrig hatte, buchtete einen dieser bescheidenen Studenten darin ein.

Wer unfallfrei Englisch sprach, durfte unterrichten. Deshalb gründeten 1989 neun Institute eine Dachorganisation, die Richtlinien zur Qualität des Lehrbetriebs wie der Unterkünfte etablierte. Die "Federation of English Language Teaching Organisations of Malta" (FELTOM) initiierte Richtlinien sowie eine Kommission, die über deren Einhaltung wacht.

Inzwischen gibt es auch ein Lizenzierungssystem, das Ende 2008 für die Branche verbindlich wird - ähnlich den Reglements in den USA, Irland und Großbritannien. Und bis dahin verlassen sich kritische Kunden am besten noch auf ihr Bauchgefühl, wie Sprachschülerin Dana aus München das nennt: "Ob die Schule zu einem passt, weiß man ja erst, wenn man hiergewesen ist."

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Bertram Job