Kreta Die unvergesslichsten Strände

Chrissi

Ganz im Süden, etwa 14 Kilometer vor Ierápetra, schwimmt die "Goldene Insel" im blauen-lauen Libyschen Meer. Heiratswillige Paare kommen vor der Hochzeit gern hierher, denn der Legende nach hält die Ehe dann ewig. Und hingestreckt auf einer der prachtvollen Sanddünen am "Golden Beach" wird hier manches Pärchen mit dem Gedanken spielen, das nächste Boot davonfahren zu lassen - wenn bis zur Trauung noch Zeit bleibt.

Préveli Beach

Der abgelegene Strand ist einer der meistfotografierten Kretas. Hier fließt der Fluss Megalopótamos durch einen Dschungel aus Oleander, Palmen und Eukalyptus in einen kleinen See, bevor er sich durch den Sandstrand ins Meer ergießt. Préveli Beach liegt knapp zehn Kilometer östlich von Plakiás an der Südküste, unterhalb des Klosters von Préveli, mit Auto oder Boot aus Plakiás oder Agía Galíni leicht zu erreichen. Wer sich vom Kloster aus nähert, stellt seinen Wagen am Ende der Asphaltstraße ab und wandert hinunter: Über gemauerte Pfade geht es sanft abfallend der kleinen Bucht entgegen, und der hölzerne Handlauf eignet sich wunderbar, um sich zwischendurch abzustützen und auf Berge und Meer hinauszuschauen. Solch entspanntes Innehalten ist für viele Griechen eine Art Volkssport.

Bálos

Bálos ist umwerfend, phänomenal, unfassbar, ein Gedicht, eine Sensation. Bálos sieht aus, als hätten Caspar David Friedrich und Robinson Crusoe zusammen gekifft, wegen Bálos weinen sich Angestellte vom Thailändischen Fremdenverkehrsamt abends in den Schlaf, weil es hier so schön ist, und sie dürfen's nicht anpreisen. Die große sandige Bucht liegt an der westlichen Seite der Halbinsel Gramvoússa. Der Sand ist puderfein, und im Strand zwischen der Halbinsel und dem vorgelagerten Kap bildet sich eine flache Lagune mit warmem, klarem Wasser. Von Kíssamos fahren fast täglich Boote nach Bálos hinaus, spannender ist aber die Fahrt mit dem Auto von Kalivianí über die Schotterpiste, die steilen Berge von Gramvoússa hinauf, mit dem Ausblick über das Blau der Bucht, und dann auf der Westseite der Insel zu Fuß hinab nach Bálos. Ihr Mietwagen wird von der Tour über die steinige Piste nicht begeistert sein, aber Sie wissen ja: Don't be gentle - it's a rental!

Chersónissos

Kneipen mit Namen wie Shenanigan's, Kenny's Pub oder 't Hof van Holland lassen es ahnen: Hier feiert Europas Jugend. Chersónissos, keine Autostunde östlich von Iráklion, ist ein schöner Ort für Wassersport. Tauchschüler gründeln in Küstennähe, Studenten brettern mit dem Jetski über Wellenkämme - entsprechend belebt sind die großen, sandigen Strände wie Lyttos Beach oder der Strand beim nahen Mália. Unser Tipp: Ruhiger ist Análipsi, kaum fünf Kilometer nordwestlich von Chersónissos, ein weiter Strand aus feinem Kies, gesäumt von einigen Hotels, Restaurants und Läden, die Motorroller verleihen. Das ist sehr praktisch, denn wenn es Ihnen gelingt, den Blick vom Meer loszureißen und landeinwärts zu richten, dann sehen Sie einen hohen Berg, auf dem zwei große Satellitenschüsseln stehen, weshalb britische Reisende ihn gern Mickey Mouse Mountain nennen: Mit dem Roller ist man in einer knappen halben Stunde dort, der Blick von oben auf die Küste und das Meer ist eine Wucht.

Vái

Die Klage, ein Strand sei überlaufen, ist ein bisschen unverschämt: Man wirft anderen Leuten vor, dasselbe zu wollen wie man selbst, und das auch noch zur selben Zeit. Tatsächlich ist Vái, oben an der schmalen Ostküste, ein Plädoyer für die Nebensaison - der Strand ist voll von riesigen Palmen, Stämme, so dick wie Elefantenbeine, darunter feiner Sand mit wenig Kies, in dem die Tische und Stühle des nahen Restaurants stehen. Da will natürlich jeder hin. Der Legende nach haben römische Legionäre auf dem Rückweg aus Ägypten hier eine Pause eingelegt und Dattelkerne ausgespuckt, aus denen später die Palmen sprossen. Wenn die Römer heute zwischen Juni und August hier anlegen wollten, müssten sie sofort wieder wenden, denn der Strand wäre so voll, dass da gar kein Dattelkern mehr draufpasste, von einer Sandale ganz zu schweigen. Übrigens vermehren die Palmen sich weiter, und in, sagen wir, 500 Jahren wird die Palme den Menschen total aus Vái verdrängt haben. Das wird eine so schlimme Katastrophe, dass selbst Roland Emmerich vor ihrer Verfilmung zurückschrecken würde, aber der ist ja dann schon tot. Also: Fahren Sie nach Vái, und tun Sie es bald. Der April ist ein guter Monat. Oder Anfang Oktober.

Ierápetra

Die Stadt liegt auf der Südseite, an der schmalsten Stelle der Insel, von der Nordküste nur etwa 15 Kilometer entfernt. Neben einem langen Strand am Nordende der Promenade gönnt Ierápetra sich einen kleinen Strand neben dem Hafen in der Innenstadt, beide sind hellgrau und kieselig und bei Touristen nicht sehr bekannt, daher entsprechend ruhig. Das Städtchen selbst ist unaufgeregt freundlich, man lebt vom Gemüse- und Obstanbau der Umgebung, und das ganz gut: Ierápetra ist eine der reichsten Städte Griechenlands. Am Hafen entlang locken gemütliche Tavernen und Cafés, dahinter liegt das einstige türkische Viertel. Und auch die Venezianer haben ihre Visitenkarte hier gelassen, in Form einer alten Festung, gleich neben dem Hafenstrand. Ein schöner Ort für die Übernachtung zwischendurch.

Mátala

The night is a starry dome. And they're playing that scratchy rock and roll beneath the Mátala moon …" So besingt Joni Mitchell in dem Lied "Carey" ihre Zeit in den späten Sechzigern, als sie mit anderen Hippies in den Höhlen der Bucht von Mátala an der mittleren Südküste wohnte, dabei ist wohnen schmeichelhaft gemeint: Die Römer hatten hier einst niedrige jungsteinzeitliche Wohnhöhlen zu Grabstätten ausgebaut und mit Steinbänken versehen, aber die Hippies waren da nicht so empfindlich - freie Liebe und freie Unterkunft, das war doch schon die halbe Miete. Die stille Bucht hat sich bis heute eine angenehme scheinkalifornische Geschmeidigkeit bewahrt, gegenüber den Höhlen warten nur wenige Läden und Hotels auf Reisende, an den Hotelparkplatz grenzt ein Campingplatz. Besonders junge Rucksackreisende lieben Mátala. Wenn dann noch abends jemand in der Dämmerung am Strand ein wenig Gitarre spielt, dann ist alles wieder ein kleines bisschen wie damals.

Ágios Pávlos

Der Sage nach war Daidalos ein begnadeter Hofingenieur in Knossós, der nach einem Zerwürfnis mit König Minos von der Insel floh: Er baute für sich und seinen Sohn Ikaros Schwingen aus Federn und Wachs,und dann sollen sie sich von Ágios Pávlos in die Lüfte erhoben haben. Wie alle Entwürfe von Daidalos funktionierten die Flügel großartig, und dass Ikaros der Sonne so nah kam, dass das Wachs in seinen Flügeln schmolz und er ins Meer stürzte, war ja nicht der Fehler des Herstellers, mit einer Cessna kann man schließlich auch nicht zum Mond fliegen. Heute fahren Ausflugsboote aus dem nahen Agía Galíni nach Ágios Pávlos, das mit seinen paar Hotels und Tavernen so winzig ist, als wolle es vom Spaßradar der Touristen übersehen werden. Wegen seiner Abgelegenheit ist der Ort bei Yogaschülern beliebt, die hier klassische Übungen wie den Sonnengruß lernen. Die Strände, von Felsvorsprüngen unterteilt, sind dunkel und feinkieselig, dahinter weht der Wind riesige Sanddünen die hohen Felswände hinauf, was den Stränden einen dramatischen Gestus verleiht. Seien Sie vorsichtig, wenn Sie ins Wasser gehen, die Felsplatten sind mitunter von Algen bewachsen und glitschig. Hier sind schon ganz andere gefallen.

Paleochóra

Das frühere Fischerdorf Paleochóra liegt auf einer Halbinsel im Südwesten Kretas, man genießt auf beiden Seiten der Halbinsel einen Strand: Im Osten den gepflegten Kieselstrand vor den Tavernen und Hotels, im Westen den feinen Sandstrand mit vielen Bars und Cafés. Vom östlich gelegenen Strand sieht man bei klarem Wetter in gut 50 Kilometern Entfernung die Insel Gávdos, von rund 80 Menschen bewohnt und ein Ziel von Reisenden, die mal eine Pause von ihren Artgenossen brauchen. Gávdos besteht in erster Linie aus Felsen, Ziegen und ein paar verlassenen Dörfern, in deren Ruinen im Sommer viele Teilzeitaussteiger aus aller Welt dankbar Unterschlupf finden. Die Insel ist der offiziell südlichste Punkt Europas - etwa 300 Kilometer weiter südlich beginnt mit der Küste Libyens der afrikanische Kontinent.

Elafoníssi

Am südlichsten Punkt der Westküste liegt die Insel Elafoníssi, das Festland ist gesäumt von feinen weißen Stränden, während die Dünen in einem aparten rötlichen Ton schimmern. Jetzt ist es Zeit zu gehen: Nur eine kurze Passage von etwa 50 Metern trennt Elafoníssi von Kreta, das Wasser ist kaum einen halben Meter tief und im Sommer angenehm warm, man kann mit Leichtigkeit hindurchwaten. Das gesamte Areal steht unter Naturschutz, besonders die seltenen Strandhyazinthen und die Lilien blühen unter den schützenden Schwingen einer EU-Verordnung, weshalb einige Strandbars wieder verschwinden mussten; das ist nicht unbedingt eine schlechte Nachricht. Boote für Tagesausflüge legen täglich etwas weiter östlich in Paleochóra ab.

Falassarná

Vergleichen mit der kretischen Südküste ist die schmale Westküste recht still, und besonders die Bucht von Falassarná am Fuß der Halbinsel Gramvoússa macht wenig von sich reden. Das liegt auch daran, dass die Einheimischen sich nicht viel Mühe mit der touristischen Erschließung geben: Die Bucht steht unter Naturschutz, es darf nicht gebaut werden, und so wendet man sich lieber dem einträglichen Anbau von Gurken und Tomaten zu, wie die riesigen Kunststoffplanen auf den Feldern bei der Anfahrt schnell erkennen lassen. Der Schönheit des Strandes tut das keinen Abbruch, sein Sand ist weiß und weich, und nördlich vom großen Dünenstrand liegen, durch Felsen abgetrennt, mehrere kleinere Strände und Buchten. Einige dieser Nischen sind bei Nudisten beliebt, hoffentlich cremen Sie sich gut ein.

Xerókambos

Das Schöne an Xerókambos ist, dass man es fast übersieht. Wenn man nicht schnell genug bremst, ist man schon vorbei. Wohl dreißig Menschen wohnen hier, das sind dreimal so viel, wie der Ortsname Buchstaben hat. Und genau das macht den Charme des Dörfchens aus: Es gibt ein paar Unterkunftsmöglichkeiten, doch selbst zur Hochsaison hält sich die Besucherzahl in Grenzen. Nicht nur die abgeschiedene Lage, auch die bizarr geformten, aber von der Flut glattgespülten Steinplatten unter dem Sand halten viele Touristen ab - gerade Kinder mögen es gar nicht, schon in 30 Zentimeter Tiefe mit der Schaufel auf Gestein zu stoßen. Sollten Sie in sommerlichem Übermut auf die Idee kommen, zu der 400 Meter entfernten Insel rüberzuschwimmen, so fragen Sie sich, ob Sie wirklich so ein guter Schwimmer sind, und antworten Sie ehrlich. Die Strömungen sind tückisch, und wir lieben unsere Leser. Jeden.

Quelle:
Autor:
Burkhard Maria Zimmermann