Schweiz Basel: Der Rhein als Öko-Barometer

Basel ist die selbsternannte Velostadt der Schweiz. Bereits 1944 beschloss der Regierungsrat, dass bei sämtlichen Fahrbahnaufteilungen Radstreifen markiert werden müssen. Seit Mitte der 1970er-Jahre gehört die Förderung des Verkehrs mit dem Drahtesel zum offiziellen Programm der Regierung. Ohnehin genießt der motorisierte Individualverkehr keinen hohen Stellenwert: Basel ist die Stadt der öffentlichen Verkehrsmittel, der Rheinfähren, der Busse und - allen voran der Straßenbahnen.

Die Notwendigkeit einer "grünen" Idee wurde der Öffentlichkeit spätestens im November 1986 bewusst: Damals wurden bei einem Brand der Firma Sandoz Tonnen giftiger Chemikalien mit dem Löschwasser in den Rhein geschwemmt. Der Fluss war rot verfärbt, Millionen Fische verendeten, und das Ökosystem war schwer geschädigt. Heute benennt die Kommission zum Schutz des Rheins die Wasserqualität als "recht gut" - immerhin so gut, dass das Basler Rheinschwimmen jedes Jahr im August mehr als 1000 Teilnehmer verzeichnet.

 

ÜBERNACHTEN

Hotel Hilton Basel
Neben den fünf Sternen müsste das Hilton auch eine Sonne im Gütesiegel tragen. Denn eine Solaranlage auf dem Dach gewinnt Energie, die dem Hausnetz zugeführt wird. Dieses speist u. a. eine Solartankstelle für Leichtelektromobile vor dem Hotel. In seinem Kerngeschäft ist das Hotel über alle Zweifel erhaben und bietet jeder Zielgruppe den passenden Komfort: barrierefrei, für Raucher, Familien oder nur zur Tagesnutzung für Geschäftsleute. Auch Schönheitssalon und Fitnessstudio, Swimmingpool, Sauna und Solarium ist für alle offen, nur die Lounge über den Dächern Basels ist den Gästen der teuren Zimmer vorbehalten.

Vorstädte • Aeschengraben 31 • Tram: Bahnhof SBB • www.hilton.ch • 220 Zimmer • R • F • €€€€

Best Western Hotel Stücki
Auf dem Gelände der ehemaligen Stückfärberei in Kleinhüningen entstand 2009 ein neues Einkaufscenter mit 46.000 qm Fläche und 122 Geschäften. Der Komplex wird klimaneutral beheizt. Auch das Best Western Hotel Stücki, das zu dem Areal gehört, setzt auf Umweltverträglichkeit: Den Zuschlag bekam die Wäscherei vor Ort, obwohl sie nicht die günstigste gewesen ist, und Gemüse und Früchte stammen von lokalen Lieferanten. Gäste können gegen geringes Entgelt ein City-Ticket erwerben und damit die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen. Das Drei-Sterne-Haus bietet neun unterschiedliche Zimmerkategorien für Familien, Geschäftsreisende oder Individualurlauber.

Kleinhüningen • Badenstr. 1 • Tram: Kleinhüningen, Bus: Stücki • www.hotel-stuecki.ch • 144 Zimmer • R • F • €€€

 

ESSEN UND TRINKEN

Bel Étage
Die Bel Étage des Kulturhotels Teufelhof liegt im ersten Stock: Dort lädt das First-Class-Restaurant in elegantem Ambiente zu fantasievollen Kreationen: Seeteufelmedaillons mit Kürbiskern-Emulsion und Petersilienwurzel-Kartoffelpüree oder Dörrtomaten-Tagliatelle mit bretonischem Hummer. Den Michelin-Testern ist die Küche einen Stern wert. Übrigens: Im Teufelhof fließt neben Wein auch Ökoenergie. Kostet etwas mehr, aber, so Eigentümer Raphael Wyniger: "Wir geben lieber hier ein paar Franken mehr aus als für etwas anderes."

Grossbasel • Leonhardsgraben 49 • Tram: Musik-Akademie • www.teufelhof.com • tgl. 12–14.30, 19–24 Uhr • €€€€

Comino
Vegetarier werden in Basel keine Versorgungsprobleme bekommen: Beinahe jedes bessere Restaurant bietet auf der Karte eine kleine Auswahl fleischloser Gerichte an. Das einzige rein vegetarische Restaurant ist das Tibits (Stänzlergasse 4, www.tibits.ch). Eine große Auswahl an fleischloser Küche bietet unter anderem das Comino gegenüber der Hauptpost: Vollwert- und vegetarische Kost aus Thailand, Indien und der Karibik, frisch zubereitet und exotisch gewürzt. Einen Schwerpunkt setzt Inhaber Thomas Lampart auf die japanische Küche mit Sushi und Sashimi - zugegebenermaßen nichts für Vegetarier, aber das Comino hatte auch nichts anderes behauptet. 

Grossbasel • Freie Str. 35 • Tram: Marktplatz • www.comino-basel.ch • Mo–Sa 6.30– 24 Uhr • €€€

Landgasthof Klus
15 Kilometer südlich der Innenstadt, in der Gemeinde Aesch, schwören Christine und Pierre Mergel konsequent auf Nachhaltigkeit. Ihre Philosophie versteht sich bewusst als "alternative Bewegung zur konventionellen Entwicklung". Deshalb entsprechen Gemüse und Getreide den Bio-Qualitätsanforderungen. Das Bio-Fleisch stammt aus Arlesheim und Grauwiler, selbstverständlich aus artgerechter Haltung. Und das Brot wird in den hauseigenen Öfen jeden Tag frisch gebacken. Die Karte verspricht mariniertes Rindsfilet in Rotwein an Pfeffersauce oder Seelachsfilet an goldener Kruste. Auch Vegetarier werden verwöhnt: mit Pappardelle mit Hokkaidokürbis an Oliven-Trüffelöl und Pecorino-Käse. Der Landgasthof liegt außerhalb des Ortes, mitten im Grünen - herrlich der Blick von der Terrasse in die Weinberge.

Aesch, Klusstr. 178 • Tram: Aesch • www.landgasthofklus.ch • Mi–Sa 10.30–23, So 10.30–18.30 Uhr • €€€

Rubino
Gastronom Beat Rubitschung schwört: Wenn er Fisch auftischt, hält er sich an die Empfehlungen der Umweltschutzorganisationen fish4future; das Fleisch stammt von einer Metzgerei aus dem nahe gelegenen Arlesheim und muss darüber hinaus von Organisationen wie Agri-Natura oder IP Suisse zertifiziert sein. Bei so viel "Namedropping" darf man sich guten Gewissens der Speisekarte widmen: Kalbsescalope an Tonkabohnenrahmsauce mit Kartoffelgratin oder Forellen Saltimbocca auf Kartoffelmousseline an Ringelblumen-Safransauce klingt ebenso ökologisch korrekt wie verlockend.

Grossbasel • Luftgässlein 1 • Tram: Bankverein • www.rubino-basel.ch • Mo–Fr 11.30– 14.30, 18–24, Sa 18–24 Uhr • €€€

 

EINKAUFEN

Oekoladen
Der Laden in der Passage unter dem Tinguely-Brunnen bezeichnet sich als "grünes Warenhaus". Und wirklich: Außer Lebensmitteln und Öko-Weinen führt das Geschäft auch Kleider und Kosmetik, Taschen, Farben und Lacke. Die Produkte stammen entweder aus kontrolliert biologischer bzw. biodynamischer Landwirtschaft oder umweltfreundlich angebauten und verarbeiteten sowie nachwachsenden Rohstoffen. Und selbst die Anstrichfarben werden ausschließlich aus regenerativen Umweltprodukten hergestellt.

Grossbasel • Theaterstr. 7 (Theaterpassage) • Tram: Barfüsserplatz • www.oekoladen.ch • Mo 11–18.30, Di–Fr 9.30–18.30, Sa 9.30–17 Uhr

Wildpflanzenmarkt
Der Verein Ökostadt Basel gründete sich als Reaktion auf die Sandoz-Katastrophe 1986 und engagiert sich vielfach, um die Stadt ökologisch zu gestalten. Jedes Jahr organisiert die Interessengemeinschaft für zwei Wochen einen "Wildpflanzemärt". Hier können sich Besucher über einheimische Pflanzen informieren und den Wildwuchs zu Hause kultivieren.

Grossbasel • Andreasplatz • Tram: Marktplatz/Fischmarkt • Ende April/ Anfang Mai

 

AKTIVITÄTEN

Velotaxi Basel
Das hellblaue Dreirad bietet Platz für zwei Passagiere. Und wenn die Muskelkraft von Chauffeur Tilmann Schor einmal nicht ausreichen sollte, schaltet er einen Elektromotor hinzu, dessen Power aus Windenergie stammt. So bildet das Velotaxi Basel die wohl umweltschonendste Art innerstädtischer Personenbeförderung. Die Konkurrenz schläft nicht: Das Rikscha Taxi Schweiz, bislang schon in Bern und Zürich aktiv, ist ebenfalls in Basel präsent. Nur die Politiker sind sich nicht einig: Ist die Rikscha nun ein Velo oder ein Mofa? Neben Taxidiensten bietet Velotaxifahrer Tilmann Schor auch einstündige Erlebnistouren an.

Tel. 076/4 64 60 33 • www.velotaxi-basel.ch, Reservierung über info@velotaxi-basel.ch

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Dieser Text von Axel Nowak ist ein Auszug aus dem MERIANlive-Reiseführer "Basel"