Nordafrika Ägypten: Geschützte Tauchreviere

Schildkröte

Im letzten Winkel der Wüste treibt der Wind Plastiktüten vor sich her, hinter Beduinendörfern stapeln sich Halden von nicht verrotten wollenden Plastikflaschen. In Kairo spürt man in der Nase und auf der Haut, wie schadstoffbelastet die Luft ist. Autoabgase, Industrieschlote und Abfall, der nur zum Teil abtransportiert, vielfach aber in den Straßen dahinrottet oder verbrannt wird, bilden eine giftige Mischung - und irgendwie stört das nur ganz wenige. Bevölkerungsexplosion, stete Wirtschaftsmisere - die Ägypter haben andere Probleme. Der ökologische Gedanke fand in Ägypten erst Ende der 1980er Jahre Eingang in die Politik, und im Alltag spielt er nur eine untergeordnete Rolle.

Ökologisch besonders gefährdet sind die Tauchreviere im Roten Meer. Sie sind, glaubt man Experten, dem Kollaps ganz nah, da Korallenriffe wie die gesamte Unterwasserflora von den Tauchbooten und Schnorchlern lange Zeit alles andere als pfleglich behandelt wurden. Seit den Neunzigerjahren begann man der Öko-Katastrophe durch vielfältige Umweltinitiativen wie der Schaffung von Nationalparks entgegenzuwirken. Jeder Urlauber kann als Taucher und Schnorchler durch umsichtiges Verhalten aktiv Umweltschutz praktizieren.

Übernachten

Naturverbundenes Wohnen: "Ecolodges " bieten, mal schlicht, mal höchst luxuriös, grünes Wohnen. Die Betreiber öffnen ihren Gästen durch Safaris und Exkursionen den Blick für die Natur.

Adrère Amellal

Die luxuriöse Ecolodge bietet einen wunderbaren Ausblick auf den Salzsee Birket Siwa. Die Gäste (Öko-Prinz Charles war schon hier) haben sich der Ruhe verschrieben (Handy-Verbot außerhalb der Zimmer). Jedes Zimmer ist individuell gestaltet, Korbmöbel und Fensterläden sind Handarbeiten. Die gesamte Lodge wird mit Kerzen beleuchtet, es gibt hier keinen Strom, keine TV-Geräte. Eine natürliche Quelle dient als Pool. Man speist jeden Abend an einem anderen Platz, mal in der Wüste, am See oder in der Lodge.

Al-Tarfa Desert Lodge

Kann eine Luxus-Lodge einen Öko-Anspruch geltend machen? Am Rande eines Palmenhains der Oase Dakhla tut man es. Das Tarfa mit Pool und Spa zählt für das Magazin "Tatler" zu den 100 besten Hotels der Welt, begeisterte schon Robert de Niro und andere Promis. Die Gäste macht man bei Exkursionen mit dem Ökosystem Wüste vertraut - und zur Begrüßung erst einmal mit der unglaublichen Stille der Sahara.

Mövenpick Resort El-Quseir

Eines von Ägyptens Top-Hotels, Luxusidyll für Ruhesuchende, die ohne Disco-Nächte auskommen und dezente Animation schätzen. Schutz der Umwelt, besonders der Korallen und des Meeres, hat hier Priorität - das Mövenpick war mit diesem ökologischen Bewusstsein in Ägypten Vorreiter. Die Zahl der Taucher, die auf die Riffe losgelassen werden, ist reglementiert.

Ecolodge Marsa Shagra Village

Reines Tauchercamp, Zelte mit Beduinenbetten direkt am Wasser, dahinter Bungalows mit Meerblick am Rande eines Wadis sowie Kuppeldach-Chalets. Im Rahmen eines "Eco Diving"-Programms werden meeresbiologische Workshops angeboten, u. a. analysieren die Teilnehmer unter dem Mikroskop selbst aus dem Meer geholte Proben. Die "Schwester"-Ecolodges sind Nakari Village (40 km weiter südlich) und Wadi Lahmi (140 km südlich).

Basata Village

Keine Diskothek, gemeinsames Essen und Schlafen in Strohhütten oder unter freiem Himmel - das ist das Erfolgskonzept des Deutsch sprechenden, vom ökologisch sanften Tourismus beseelten Sherif Ghamrawy. Gute Bucht zum Schnorcheln, Tauchen allerdings verboten. Frühzeitig reservieren.

Basma Hotel

Der moderne, eher schmucklose Bau beherbergt das einzige Hotel Oberägyptens, das konsequent Umweltstandards einhält. Dafür beschäftigt es einen Öko-Manager und wurde mit dem Green Globe ausgezeichnet. Von den Zimmern und den Terrassengärten hat man einen traumhaften Blick.

Eskaleh

Eine Mischung aus Ecolodge, Hotel und Kulturzentrum in Abu Simbels Zentrum mit Räumen für 10, maximal 15 Gäste, und dann wird es eng. Besitzer Fikri, der als ehemaliger Fremdenführer sehr gut Englisch spricht, lädt gerne zu nubischen Musikabenden ein.

Einkaufen

Die Sekem-Pioniere

Ägyptens Landwirtschaft muss unter dem Druck des Bevölkerungswachstums bei drei Ernten im Jahr aus dem Boden im Niltal und im Delta herausholen, was möglich ist. Es gibt keine Lebensmittelkontrolle und kein verlässliches Gütesiegel für Bio-Produkte. Insofern weiß man nie, welche wie behandelten Lebensmittel man kauft oder im Restaurant serviert bekommt. Die Hoffnung ruht auf Dr. Ibrahim Abouleish, der 2003 mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Er führte 1977 mit der von ihm gegründeten Kooperative Sekem biologisch-dynamische Landwirtschaft in Ägypten ein. Sekem produziert vor allem für eine ernährungsbewusste, urbane Klientel der gehobenen Einkommensklasse. Sekem-Produkte führen die Supermarktketten Carrefour, Metro, Soudi und Shoprite.

Sekems eigene "Nature's Best Shops" findet man hier: Kairo Zamalek, 8, Ahmed Sabry St., nahe Brazil St., Tel. 02/27382724; Kairo Heliopolis, Health Home, 10, Ali Abn Radwan At. Ard El-Golf, Tel. 02/22901531. 

Sekem-Textilien ("Cotton People Organic"), Produkte aus Bio-Baumwolle, gibt es für Babys, Kinder und Erwachsene in vielen Läden. Eine Auswahl: Kairo Heliopolis, Cinderella, 3, Ismail Ramzi Street, Salah Eldeen Square, Kairo, Downtown, Our Kids, 1, Al-Masah Square, Dokki; Alexandria, Stars, Green Plaza Mall; Hurghada, Kids Planet, El Kora Road; Sharm el-Sheikh, Kidy Kids, Tiran Center

Solides Handwerk made in Egypt

Kairos Basar Khan el-Khalili ist voller China-Ramsch. Mit etwas Geduld findet man jedoch überall noch das wahre Handwerk: Werkstätten von Glasbläsern, Kupfer- und Goldschmieden, Ateliers von Schneidern und Hutmachern. Man muss sich nur in Gassen und Hinterhöfe trauen. Oder in die nahe Straße der Zeltmacher, die Sh. Khayamiya. Dort entstehen jene großen, dekorativen Tücher mit rotem Grundton, mit denen überall in Ägypten Zelte für den Ramadan, für feierliche Empfänge, Hochzeiten und Trauerfeiern gestaltet werden. Mit dem Kauf traditionell hergestellter Stücke hilft man jenen, die noch in alten Handwerksberufen arbeiten, und zugleich trägt man zur Bewahrung alter Gewerbe bei.

Aktivitäten

Sekem Reisen

Der schon erwähnte Öko-Pionier Sekem versteht sich nicht nur als Erzeuger von Bio-Produkten, sondern als Fackelträger einer Vision, die neue Wege erschließt und einen neuen Blick auf ein Schwellenland wie Ägypten eröffnet. Zur Umsetzung dieses Ziels bietet Sekem mehrmals im Jahr spezielle Reisen durch Ägypten an. Neben Besuchen von Sekem-Einrichtungen (u. a. Farmen, Trockenkräuterlager, Konfektionsbetrieb, Kindergarten, Schule) gibt es unter der sachkundigen Begleitung von Experten Fahrten zur Oase Fayum vor den Toren Kairos. Die Sekem-Studienreisen geleiten unter dem Gesichtspunkt der soziokulturellen Entwicklung Ägyptens durch das ganze Land.

Trekking im Sinai

Rund um das Katharinenkloster unternimmt man Gebirgstouren und Kamelsafaris. Beliebte Ziele sind Galt el-Azraq (Blue Pools) und Wadi Nugra mit seinem Wasserfall. Diese Trips müssen mit einem beduinischen Führer unternommen werden, den Sheikh Musa (Mountain Tours Office, Mobil 010/ 6413575) vermittelt. Der Sheikh besorgt die Registrierung bei der Polizei. Der Führer kostet etwa 30€/Tag; das Gleiche fällt ungefähr für Proviant an.

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Dieser Text von Michel Rauch ist ein Auszug aus dem MERIANlive-Reiseführer "Ägypten"

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