Italien Ligurien: Vorreiter im ökologischen Landbau

Was den ökologischen Landbau betrifft, so nimmt Ligurien in Italien eine Vorreiterrolle ein, wenngleich aufgrund der geographischen Gegebenheiten nur ein kleiner Teil der Region landwirtschaftlich nutzbar ist. Die Terrassenlandschaft der Cinque Terre ist zwar von Menschenhand gestaltet worden, aber bei einer Wanderung entlang der mit Olivenbäumen und Weinreben bepflanzten Terrassenfelder kann man sich an der einzigartigen Symbiose zwischen Natur und Kultur kaum satt sehen. Die UNESCO hat dies gewürdigt, indem sie 1998 den Nationalpark zusammen mit dem benachbarten Portovenere zum Welterbe ernannt hat.

In zahlreichen Orten und Dörfern im Hinterland bemüht man sich, die alten Strukturen wiederzubeleben und der Abwanderung entgegenzutreten, etwa in Torri Superiore oder Baiardo. Ligurien ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erschlossen, und eine der herrlichsten Erkundungsmöglichkeiten ist eine Zugfahrt entlang der Küste oder mit der Schmalspurbahn von Genua nach Casella. Besonders reizvoll sind Bootstouren entlang der Küste, die beim Whalewatching ein einzigartiges Naturerlebnis versprechen.

Übernachten

Le Grigue

Unweit der Küste bei Moneglia hat sich dieser deutsch-italienische Familienbetrieb dem Agriturismo verschrieben. Es werden hier nicht nur ein paar Zimmer, sondern auch komplett ausgestattete Hauszelte vermietet, die auf Oliventerrassen aufgestellt sind. Zudem betreibt die Familie Baldini etwas Landwirtschaft, vor allem Obst- und Gemüseanbau, produziert Bio-Olivenöl und stellt leckere Marmeladen und Pesto her. Und am Morgen gibt es frische Eier von wirklich glücklichen Hühnern. Ganzjährig geöffnet.

• Moneglia, Località Dollera 11 • Tel. 0185/491742 • zwei Zimmer, zwei Ferienwohnungen • €

Essen und Trinken

Biokäserei Il Mulino

Vom touristischen Albisola sind es mit dem Auto gerade mal 15 Minuten bis zu dem Bauernhof von Enrico Codara, der sich als kleines Paradies für Liebhaber von Biokost entpuppt. Insgesamt werden auf dem Hof 140 Ziegen, aber auch zahlreiche Schweine, Geflügel und Kaninchen gezüchtet. Der cremige Ziegen käse kann selbstverständlich erworben werden, zudem wird jeden Tag außer Mittwoch mittags und abends ein typisch ligurisches Menü serviert, wobei Käse, Salami und Fleisch natürlich aus dem eigenen Anbau stammen.

• Stella, Fraz. S. Martino 167-177 • Tel. 0 19/706303

Einkaufen

Bio Vio

Das im Hinterland von Albenga gelegene Landgut Bio Vio hat sich seit mehr als einem Jahrzehnt dem ökologischen Landbau verpflichtet. Auf mehreren Hektar wird Wein angebaut und im eigenen Weinkeller gereift, darunter trockene vollmundige Rotweine aus der Granaccia-Rebe sowie fruchtige Weißweine der heimischen Rebsorten Pigato und Vermentino, die hervorragend zu Fischgerichten passen. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Produktion von erstklassigem Olivenöl (Extra Vergine) mit der typischen goldgelben Farbe des kaltgepressten Öls aus der ersten Pressung sowie der Anbau von Gewürzkräutern (Basilikum, Salbei, Thymian, Majoran, Rosmarin etc.).

• Bastia d'Albenga, Via Crociata 24 • Tel. 01 82/21856

Aktivitäten

Birdwatching

Die Italiener werden von den Nordeuropäern immer wieder dafür gerügt, dass sie Singvögel abschießen oder mit Netzen fangen und diese dann verzehren. Glücklicherweise gibt es aber auch Gebiete wie den Parco Naturale Regionale del Beigua, in denen nicht nur die Vogeljagd strengstens verboten ist, sondern die Vogelwelt auf geführten Wanderungen erklärt wird. Zahlreiche Zugvögel, darunter Rauchschwalbe und Mauersegler, aber auch Star, Buchfink, Wiesenpieper, Misteldrossel sowie Schwarzstorch und Weißstorch, machen hier Rast. Zudem leben Raubvögel wie Wespenbussard, Schlangenadler oder der Schwarze Milan dauerhaft in dem Naturpark am Monte Beigua.

Ausgebildete Führer organisieren Touren durch das Gebiet. Wer sich mit Vögeln auskennt und mit einem Fernglas "bewaffnet" ist, kann das Hinterland von Arenzano auf dem Höhenwanderpfad Alta Via dei Monti Liguri auch hervorragend auf eigene Faust erkunden.

• Arenzano, Via G. Marconi 165 • Tel. 0 10/8590300 • Informationen zu Führungen finden Sie

Carta Cinque Terre

Wie kaum eine andere italienische Region fühlen sich die Cinque Terre dem sanften Tourismus verpflichtet. Schon vor Jahrzehnten weigerten sich die Bewohner aus Sorge um den Erhalt ihrer Abgeschiedenheit mit Erfolg gegen eine eigene Autobahnausfahrt. Und noch heute ist das Auto das denkbar ungünstigste Verkehrsmittel, um den Nationalpark zu erkunden, in dem es kaum Parkmöglichkeiten und nicht einmal eine Tankstelle gibt. Dafür lässt sich der Küstenabschnitt herrlich zu Fuß oder mit der Eisenbahn erkunden, da alle fünf Orte einen (meist) unterirdischen Bahnhof besitzen. Und in den Dörfern verkehren Elektrobusse.

Dieses Verhalten wird durch die in den Nationalparkbüros an den Bahnhöfen der fünf Dörfer erhältliche "Carta Cinque Terre" auch bewusst gesteuert. Die Carta mit einer Gültigkeitsdauer von 1 bis 7 Tagen berechtigt zum Benutzen aller zwischen den Dörfern verkehrenden Züge sowie zum Besuch des kostenpflichtigen Küstenpfades. Außerdem ist die Carta mit Preisen von 5,40€ bis zu 20,60€ recht günstig.

Ecovillaggio Torri Superiore

Torri Superiore teilte das Schicksal vieler kleiner Dörfer im ligurischen Hinterland. Große Teile der Bevölkerung haben im Laufe des 20. Jh. ihre Heimatdörfer verlassen, da es kaum Zukunftsperspektiven gab und sie sehnsüchtig auf die Freizeitvergnügungen und Beschäftigungsmöglichkeiten ihrer Altersgenossen in den Küstenorten blickten. Manche Dörfer wie Torri Superiore blieben gar als gänzlich verlassene Ruinendörfer zurück. Doch glücklicherweise fanden sich 1989 ein paar begeisterte Aktivisten, die sich zusammenschlossen, um das mittelalterliche Dorf in ein Kulturzentrum mit ökologischem Schwerpunkt zu verwandeln.

Mehr als zwei Jahrzehnte später kann man über den Erfolg des Projektes geradezu staunen. Der aus verschachtelten Häusern, Terrassen und Treppen bestehende Dorfkomplex ist zu neuem Leben erwacht, mehr als zwanzig Menschen leben dauerhaft in Torri Superiore und bestreiten ein aktives Kulturprogramm mit Yoga- und Töpfer-Workshops, zudem betreibt eine Kooperative ein Gästehaus sowie ein Restaurant, in dem selbstverständlich alle Zutaten aus lokalem und ökologischem Anbau stammen.

• Ventimiglia, Coop. Ture Nirvane, Via Torri Superiore • Tel. 01 84/215504

Whalewatching

Schon seit Jahrhunderten berichteten Seeleute von Walen, die sie vor der ligurischen Küste gesichtet hatten. Lange Zeit dachte man, dass es sich um verirrte Einzelgänger handelt, erst spät haben Meeresbiologen herausgefunden, dass es eine richtige Walpopulation gibt. Die Gewässer vor der ligurischen Küste sind seit 1999 als internationales Walschutzgebiet ausgewiesen.

Das fast 100.000 Quadratkilometer große Meeresterrain ist Schutzraum für Finnwale, Grindwale, Pottwale, außerdem Delfine und Große Tümmler, die hier in ihrem natürlichen Lebensraum beobachtet werden können. Da man aber vom Strand aus nie einen richtigen Wal zu Gesicht bekommen wird, bieten sich spezielle Bootstouren zum Whalewatching an. Auf der Suche nach den großen Meeressäugern fahren die Besucherschiffe rund 20 Seemeilen vor die Küste Liguriens.

Um Kritik von Naturschützern entgegenzutreten, werden diese Fahrten in wissenschaftlicher Begleitung eines Biologen unternommen, so dass die Beobachtungen ausgewertet werden und Rückschlüsse auf das Verhalten der Meeressäuger gezogen werden können. Rund fünf Stunden dauern die Touren, und nicht nur Kinder sind begeistert, wenn neben dem Boot eine Delfinschule vorbeischwimmt oder einer der bis zu 25 m langen Pottwale eine mächtige Fontäne ausstößt und seine Fluke wie zum Gruß erhebt. Es kann natürlich auch einmal vorkommen, dass man keine Meeressäuger zu sehen bekommt (die Sichtungsgarantie liegt bei 90 %), aber dann hat man immerhin einen schönen Schiffsausflug unternommen. Es gibt verschiedene Anbieter.

Im Sommerhalbjahr starten Ausflugsboote von Genua, Imperia, Savona, Loano, Alassio und San Remo. Da die Fahrten beliebt und die Plätze auf den mittelgroßen Schiffen begrenzt sind, ist eine rechtzeitige Reservierung in der Hochsaison empfehlenswert.

• Genua: Abfahrt am Porto Antico beim Aquarium • Tel. 0 10/265775 • Abfahrtszeiten: März So 11 Uhr, Mitte März-Sept. Sa 11 Uhr, Anfang Juli-Ende Aug. auch Mi 13 Uhr, Dauer: zirka 5 Std. • Ticket 33€, Kinder 18€

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Dieser Text von Ralf Nestmeyer ist ein Auszug aus dem MERIANlive-Reiseführer "Cinque Terre - Ligurien - Genua"

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