Karibik Kuba: Grüne Öko-Projekte

... die gesamte Karibik. Tyler ist verzweifelt: ...

Kuba ist eine sehr grüne Insel. Doch in einem Land, das zu den Entwicklungsländern zählt, steht das Thema "Öko" auf der Prioritätenliste weit unten. Trotz aller Schwierigkeiten des kubanischen Alltags kann sich der kubanische Tourismus dem Trend jedoch nicht entziehen. Ob sie den Ansprüchen der westlichen Welt genügen, ist eine andere Sache. Umweltbewusste Reisen sind Ausnahmeerscheinungen, doch es gibt Ansätze, wie die kubanische Reiseagentur zeigt.

In den letzten Jahren sind mehrere Umweltschutzzonen, Nationalparks und UNESCO-Biosphärenreservate entstanden. Im Zuge einer Gesundheitskampagne hat Fidel Castro einmal versucht, die Bevölkerung zur vegetarischen Ernährung zu motivieren. Aber wer kümmert sich schon um gesunde Kost, wenn er froh sein muss, überhaupt etwas zu essen zu haben. Wer keine Möglichkeit zur Selbstversorgung hat, ist von der Versorgungslage abhängig. So gibt es keine Bio-Märkte und nicht einmal in Supermärkten ein Angebot, das den ernährungsbewussten Menschen aus wohlhabenden Industrieländern verlocken könnte.

Übernachten

Hotel Moka

Mitten im Biosphärenreservat Sierra del Rosario liegt das 4-Sterne-Hotel Moka, das bald, nachdem das Naturschutzgebiet seinen UNESCO-Titel erhalten hatte, auf einer kleinen Anhöhe unterhalb des Gipfels Loma El Sálon (540 m) und oberhalb des künstlichen Sees gebaut wurde. Der Komplex im Plantagenhausstil steht zwischen den Bäumen und wurde seiner Umgebung harmonisch angepasst. Sogar die Rezeption wurde um einen Baum herum angelegt. Das Hotel ist Kubas erstes und immer noch bedeutendstes Ökoprojekt.

Anfang der 1990er-Jahre entstanden, wurde es vollständig in die umliegende Natur eingebettet und aus natürlichen Baumaterialien wie Holz und Keramik gebaut. Die Zimmer sind hell und geräumig, und selbst von der Badewanne aus kann man entspannend ins Grüne blicken. Außerdem verfügen die Zimmer über Klimaanlage, TV, Kühlschrank, Balkon oder Terrasse. Die gut 1000 Einwohner der angrenzenden Siedlung Las Terrazas betreiben das Hotel und die dazugehörigen Restaurants, was den Lebensunterhalt der Dorf-Kooperative sichert. Zum Komplex gehören auch Künstlerateliers, was dem Projekt auch den Ruf einer Künstlerkolonie eingetragen hat. Der Platz ist auf alle Fälle ideal, um im Grünen zu entspannen.

Der Ökotourismus wird von der Kooperative bestens organisiert. In der überbordenden Natur setzt sie alle möglichen Angebote für sportliche Aktivitäten um, etwa Wanderungen, Mountainbiking, Angeln, Reiten, Vogelbeobachtung, Klettern im Hochseilgarten oder, wenn man mal bequem sein will, mit der Pferdekutsche fahren. Zußerdem gibt es Tennisplätze und einen Swimmingpool. Das Hotel ist ein hervorragender Startpunkt für Exkursionen, etwa ins Tal von Bayate, zu den Hügeln von Taburete, zu den Wasserfällen von San Claudia oder zu den Thermalquellen von Los San Juan de los Baños. Freier Eintritt für Hotelgäste nach Las Terrazas.

• Pinar del Río • Tel. 0 48/77 86 00 • 26 Zimmer • €€€

Villa Maguana

Eine Traumadresse für Individualisten. Dem kleinen Bungalow-Hotel, gut 20 km von Baracoa entfernt, kann man glatt 3,5 Sterne geben. Es wirbt mit "Nachhaltigkeit", was die Inhaber auch immer darunter verstehen. Doch beim Bau wurden überwiegend natürliche Baustoffe wie Holz und Rohr verwendet. Aus der Küche kommen frische Fischgerichte, aber auch Fleisch. Die idyllische Lage am Meer ist einfach umwerfend und garantiert Ruhe. Die Strandbucht steht nur Hotelgästen zur Verfügung. Die Zimmer sind modern ausgestattet mit Klimaanlage, Satelliten-TV und Safe. Alle haben einen Balkon mit Meerblick.

• Carretera Moa, km 22 • Tel. 0 21/ 64 12 04 • 16 Zimmer • €€

Essen und Trinken

El Bambú

Die wenigsten fahren nur zum Essen hierher. Denn das Restaurant liegt im Jardín Botánico Nacional, dem nationalen Botanischen Garten. So macht der natürliche Reiz der Umgebung den Charme des Platzes aus. Hat man die weitläufige Parklandschaft erwandert, die verschiedenen Vegetationsbereiche gesehen, fast 300 Palmenarten bewundert und das Schmuckstück, den Japanischen Garten, erreicht, ist man auch schon ganz nah am Hunger und am Restaurant. Unter den Gerichten am Buffet finden auch Vegetarier eine stattliche Auswahl, z. B. Salate, Speisen mit Reis, vegetarische Pizzen und frisch gepresste Natursäfte.

Calabazar, Arroyo Naranjo/Jardín Botánico Nacio nal, Carretera del Rocio, km 3 • Tel. 07/54 91 70 • €€

El Romero

Ein Fest für die Sinne des Gaumens ist dieses Restaurant mitten im Biosphärenreservat Sierra del Rosario. Tito Nuñez Gudás ist ein Fan von gesunder Ernährung, Tierschützer und wäre sicher Mitglied der Slow-Food- Bewegung, wenn es sie auf Kuba gäbe. In der ökologischen, vegetarischen Küche gilt er als Pionier. Im Jahr 2003 übernahm er das Restaurant, in dem er ausgewogene Gerichte auf Gourmetniveau frisch zubereitet. Tito verwendet schmackhafte internationale und kubanische Gemüse und Wildkräuter, die er auf dem eigenen Acker und den Hochbeeten nach biologischdynamischen Kriterien zieht. Er süßt mit dem Honig der eigenen Bienen und kocht mit Solarenergie. Auf der wechselnden Speisekarte stehen Rezepte, die er selbst entwickelt. Sie lockt mit Bohnen-Tortilla, Kürbis, Humus und Zwiebelkuchen, alles mit Extra Virgine Olivenöl angemacht. Die Küche ist offen, sodass der Gast auch einen Blick hineinwerfen und sich überzeugen kann. Nach einer schwierigen Anfangsphase erhält Tito inzwischen auch von der lokalen Bevölkerung viel Anerkennung.

Las Terrazas, Candelaria, Pinar del Río, Terraza 170, Edificio 5 • Tel. 07/6 40-43 75 • tgl. 9-22 Uhr • €€

Einkaufen

Casa del Chocolate

Das Umfeld von Baracoa ist die Hochburg der Kakaopflanze. Nirgendwo in Kuba wird so viel angebaut wie hier. Was liegt da näher, als Schokolade zu trinken und diverse Spezialitäten zu probieren. Kurze Transportwege, reife Früchte, gute Qualität. Das Café ist schlicht und doch besonders. Wer dem süßen Leben noch etwas nachträumen möchte, kauft sich handgeschöpfte Schokolade, die beste Schokolade des Landes, die in einer kleinen Fabrik verarbeitet wird.

Baracoa, Calle Maceo 121 e/Maraví y País • tgl. 7-21 Uhr • €

Aktivitäten

Parque Nacional de Alejandro de Humboldt

Seit 2001 gehört der größte und letzte zusammenhängende Regenwald der Karibik mit 2000 Pflanzen- und 90 Vogelarten zum Weltnaturerbe der UNESCO. Der Humboldt Nationalpark erstreckt sich über eine Fläche von 71 140 ha. Dazu gehören mit Mangroven bestandene Uferzonen mit den vorgelagerten Riffen, Flüsse, tiefe Täler und Cañons sowie der 1168m hohe Gipfel des "El Toldo".

Der wasserreichste Fluss Kubas, der Río Toa, entspringt hier. In den sehr unterschiedlichen Lebensräumen konnte sich eine große Artenvielfalt entwickeln, von denen viele - 343 Arten - nur in dieser Bergregion vorkommen. So kann der Naturliebhaber etwa den vom Aussterben bedrohten Elfenbeinspecht beobachten, den Insektenfresser Kubanischer Schlitzrüssler, den Kuba-Sittich, die Kuba-Amazone, eine Papageien-Art, und mit Glück den kleinsten Frosch der Welt, der Rana iberia. Exkursionen in die unberührte Natur sind nur geführt möglich.

An der Organisation der Infrastruktur mit Besucherzentrum, Wegen, Beschilderung, Schutzhütten und ausgebildeten Rangern war die deutsche Organisation beteiligt. Im Besucherzentrum werden verschiedene Wanderungen in die unberührte Natur angeboten:

"El Recreo", leicht, 3 Std., Preis 10 CUC/Person; "Bal cón de Iberia", schwer, 5 Std., 10 CUC/Person. Außerdem gibt es eine Orientierungsfahrt in die Mangrovenwälder.

Bahía de Taco, Carretera Moa, km 34, Barracoa • tgl. 10-17 Uhr

Reserva Ecológica Varahicacos

Das etwa 450 ha große Naturschutzgebiet zwängt sich im Osten der Halbinsel Hicacos zwischen Hotelgärten und Küste. Es ist sozusagen der letzte Rest Natur im Hotel-Paradies, der die ursprüngliche Flora zeigt. Am Naturpfad El Patriarca staunen Naturfreunde über zwei Riesenkakteen am Wegesrand, denen man ein Alter von 500 Jahren nachsagt. An die indianischen Ureinwohner erinnert der Sendero Cueva Ambrosia, ein 300 m langer Pfad, der zu 47 geometrischen Piktografien in der Höhle Ambrosia führt. Einige Ethnologen schreiben die Höhlenzeichnungen auch entflohenen Sklaven zu, denen die Grotte früher als Versteck diente. Das Informationszentrum Centro Visitantes informiert über Wanderwege, u. a. zu den Höhen Cuevas de Ambrosia und den Riesenkakteen.

Varadero, Autopista Sur, Eingang bei Ambrosio-Höhle • tgl. 9-17 Uhr • Eintritt 3 CUC

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Dieser Text von Beate Schümann ist ein Auszug aus dem MERIANlive-Reiseführer "Kuba"

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