Italien Veneto: Strände mit Ökozertifikat

Die Winzer der Weinbauregion Conegliano-Valdobbiadene, Heimat des Proseccos, schäumen vor Wut. Grund: der Dosen-Prosecco, erfolgreich vermarktet durch die prominente Selbstdarstellerin Paris Hilton. Qualität wird groß geschrieben im Veneto. Hier kommt auf die Flaschen nicht mal ein Drehverschluss. Und um diese Qualität garantieren zu können, engagiert man sich vermehrt für den Umweltschutz.

Auf dem Land, beim Weinbau, aber auch beim Wasser: Sechs Sträde im Veneto tragen die "Bandiera Blu", eine Art Ökozertifikat. Es gibt einen grünen Golf Club, einen der umweltbewusstesten Campingplätze weit und breit, in Padua entsteht die größte Aufdach-Photovoltaikanlage der Welt. Das Dörfchen Asolo darf sich wiederum mit der "Orange Flag", dem Qualitätszeichen für Tourismus und Umwelt des Italienischen Touring Club, schmücken. Sie wird Orten verliehen, die sich dem Schutz von Kultur und Umwelt, der Gastfreundschaft, der nachhaltigen Nutzung von Ressourcen, der Gastronomie und typischen Produkten verschrieben haben. Im Veneto hat man erkannt, dass Qualität und Umweltbewusstsein eng mit dem Tourismus zusammenhängen. Darauf einen Prosecco. Natürlich nicht aus der Dose!

ÜBERNACHTEN

Villa Casanova
Die hübsche, gepflegte Villa aus den Dreißigerjahren liegt in einer ruhigen Gegend der Lagune von Venedig, ruhig und erholsam, weit weg vom Touristen-Trubel der Lagunenstadt. Das Haus wurde kürzlich renoviert, bei der Sanierung achtete man auf Feng-Shui-Prinzipien und moderne, ökologische Architektur und Technik. Es wurden unbedenkliche Materialien benutzt, etwa Kork zum Isolieren des Daches, ungiftige Anstriche, natürliche Öle und Wachse zum Polieren des alten Fußbodens und Renovieren der Fenster. Möbel und Textilien in den Zimmern sind farblich aufeinander abgestimmt in typisch venezianischem Stil; auf chemische Zusätze wurde verzichtet. Es empfiehlt sich, rechtzeitig zu reservieren. Info: Lido di Venezia, Via Orso Partecipazio 9 • www.casanovavenice.com • 10 Zimmer

Jesolo International Club Camping
Der Jesolo International Club Campingplatz darf sich rühmen, einer der umweltbewusstesten Campingplätze weltweit zu sein. Vor einem Jahr startete der Campingplatz die Kooperation mit dem Verein Ecocamping und führte erfolgreich ein Umwelt- und Qualitätsmanagementsystem ein. Allein der Wasserverbrauch wurde durch den Einbau von Spartechnik im Bereich Sanitäranlagen und Grünbewässerung um 45 Prozent reduziert, das sind immerhin 45 Millionen Liter pro Jahr. Die Platzbeleuchtung wurde auf Energiesparlampen umgestellt. Um den Papierverbrauch zu verringern, wird auf Prospekte zugunsten eines Internetauftritts verzichtet. Ungefähr 10 Prozent der CO2-Emissionen sind nicht vermeidbar, da keine Abstriche bei Komfort und Dienstleistungen, wie beispielsweise im Wassersportbereich gemacht werden sollen. Um diese Emissionen auszugleichen, hat der Campingplatz inzwischen Photovoltaik-Module aufgebaut, deren Strom nicht für den eigenen Bedarf genutzt wird, sondern in das Stromnetz des Energieversorgers ENEL gespeist wird. Der Strombedarf wird zu 100 Prozent über den Einkauf von "grünem" Strom gedeckt. Das Warmwasser und die Heizung der Anlagen, aber auch die Stromversorgung sollen dadurch vollständig regenerativ und somit ohne dauerhafte Belastungen des Erdklimas bereitgestellt werden. Die klassischen fossilen Energieträger kommen nur noch dann zum Einsatz, wenn im Falle von Störungen der alternativen Energien die Versorgung der Campinggäste gefährdet wäre. Ach, und komfortabel übernachten kann man dort natürlich auch. Info: Lido di Jesolo, Via Alberto da Guissano 1 • www.jesolointernational.it

ESSEN UND TRINKEN

Esposta Associazione Culturale
Kunst meets Bio-Kost: Das Esposta ist zum einen eine Galerie, in der man wechselnde Ausstellungen von Werken zeitgenössischer Künstler genießen kann. Angeschlossen ist ein hübsches Lokal, in dem man ausgezeichnete organische, vegetarische und Vegane Speisen bekommt, die Gemüsequiche ist wirklich ein Gedicht! Darüber hinaus werden Konzerte, Theateraufführungen und diverse Workshops für Kinder und Erwachsene geboten. Info: Verona, Via Interrato dell’Acqua Morta 13b • Mi 11–18, Do–Sa 17–23 Uhr

EINKAUFEN

Cantina di Custoza
Der biologisch hergestellte Wein aus den Trauben der Öko-Landwirtschaft schimmert herrlich goldgelb und anregend im Glas. Die Genossenschaft von Custoza wurde 1968 gegründet. Die Mitglieder der Genossenschaft bewirtschaften zusammen 1000 ha Weinberge in den Moränenhügeln südlich des Gardasees. Seit 1996 werden auf Initiative einiger Winzer Weinberge auch biologisch bewirtschaftet. Rund ein Zehntel des Genossenschaftsweines wird nun nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus produziert. Die daraus erzeugten Weine werden unter der Bezeichnung "Terre in Fiore" angeboten. Die Bio-Weine der Cantina di Custoza - allen voran der Custoza - zeichnen sich durch ihren frischen, fruchtbetonten Ausbau aus, verfügen über keinerlei chemische Rückstände und werden zudem in angenehm geringer Menge produziert. Info: Custoza, Località Staffalo 1 • www.cantinadicustoza.it • Besuch nach telefonischer Anmeldung

WELLNESS

Terme delle Dolomiti
Die mutmaßlich ältesten Thermen der Welt liegen in einem Alpental am Fuß des Berges Cima Bagni, auf 1300 Meter Höhe. Tannenwälder und verzauberte Landschaften bilden den Hintergrund dieser Talebene, die schon im 19. Jh. für ihre Thermalquellen berühmt war, deren Heilwirkungen auch die Bewohner sehr zu schätzen wussten. Das aus der Quelle von Valgrande sprudelnde Nass ist reich an Mineralsalzen und hat unter den hydrologischen Schätzen Italiens nichts seinesgleichen. Das leicht schwefelhaltige Wasser eignet sich durch seinen Magnesium-, Kalzium- und Fluorgehalt besonders bei dermatologischen Problemen, in der Phlebologie, bei Atembeschwerden und in der Thermal-Kosmetologie. Die ersten Wasseranalysen führte im Jahr 1837 der Apotheker Bartolomeo Zanon aus Belluno durch, die heutige Thermalanlage wurde im Frühjahr 2003 eingeweiht. Neben den genannten therapeutischen Behandlungen ist auch das Wellness Center hervorzuheben, das die Schönheitsbehandlungen ausschließlich unter Einsatz von Naturerzeugnissen wie Lehm, ätherischen Ölen sowie Thermalwasser anbietet. Übernachten kann man im "Monaco Sport Hotel" (Via Lungo Piave 60, Santo Stefano di Cadore; Tel. 04 35 42 04 40) oder im "Hotel D’La Varda" (Via Rodolfo Martini 29, Padola di Comelico Superiore; Tel. 0 43 56 70 31). Info: Padola di Comelico, Via Valgrande 43 • www.termedelledolomiti.it

AKTIVITÄTEN

Golf Club Verona
Eingebettet in den Weinbergen, die westlich von Verona die Hügel von Custoza einrahmen, liegt der Golf Club Verona, der die grüne Fahne hissen darf. An diesem europäischen Projekt zur Umweltzertifizierung "Engagement für die Umwelt", nahmen mehrere Hundert europäische Golfclubs teil. Nur 19 Plätze in ganz Europa – und in Italien nur Verona und Carimate – haben diese europaweit bedeutende Auszeichnung erhalten. Das Projekt stellt die Richtlinien für eine sensible und korrekte Umweltpolitik auf den Golfplätzen auf. Hauptziel ist es, die Integrierung von Golfplätzen in die jeweilige umliegende Landschaft zu verbessern. Um möglichst objektive und glaubwürdige Resultate zu erzielen, werden die Kriterien zur Umweltverträglichkeit sowie die Überreichung der Auszeichnung von unabhängigen Organen in periodischen Abständen überprüft: Und Spaß macht das Golfspielen ja auch noch. Info: Sommacampagna, Loc. Ca’ del Sale 15 • www.golfclubverona.com

Ausgezeichnete Strände
"La Bandiera Blu", die Blaue Flagge, ist eine Art Ökozertifikat, das jedes Jahr an Strände vergeben wird, die in der vergangenen Saison einen konstant hohen Standard der Wasserqualität vorweisen konnten. Zusätzliche Kriterien für die Auszeichnung mit der Blauen Flagge sind strenge Sicherheitsstandards, Serviceleistungen sowie weitere Umweltschutzauflagen, die Auszeichnung wird von der unabhängigen Foundation for Enviromental Education verliehen. Zu den prämierten Stränden im Veneto gehören die Uferzonen von Caorle (Provinz Venedig), Cavallino Treporti (Venedig), Eraclea Mare (Venedig), Lido di Jesolo (Venedig) und San Michelle di Tagliamento (Venedig). Auch die Stadt Venedig selbst hat allen Grund zu feiern. 2009 bekam nun auch der Lido di Venezia die Bandiera verliehen. Die Anstrengungen der Lagunenstadt, Meer und Strand besser vor Verschmutzung zu schützen, haben sich bemerkbar gemacht. So wurden nicht nur Uferzonen in der Provinz Venedig, sondern auch der Stolz der Stadt selbst, der berühmte Lido Venedigs, honoriert. Mehr dazu unter www.bandierablu.org 

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Dieser Text von Jenny John ist ein Auszug aus dem MERIANlive-Reiseführer "Verona und das Veneto".
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