Italien Amalfiküste: Nachhaltig an den Hängen des Vesuvs

Aufgrund des milden Klimas und des fruchtbaren Bodens, sei es an den Hängen des Vesuvs, sei es in den Ebenen, ist das Angebot an Obst und Gemüse in dieser Region zu jeder Jahreszeit reichhaltig und von ausgezeichneter Qualität. Die Menschen hier genießen das Leben, und kulinarische Genüsse haben einen hohen Wert. So versteht es sich von selbst, dass in der Gastronomie der Trend schon seit Langem in Richtung Slow Food mit Erzeugnissen aus biologischem Anbau und D.O.P.-Produkten (geschützte Herkunftsbezeichnung) geht. Die Costiera Amalfitana zählt zu den von der UNESCO geschützten Naturlandschaften. Der italienische Staat erklärte nicht nur den Vesuv zum Naturschutzgebiet, auch die Küsten der Sorrentiner Halbinsel werden durch strenge Gesetze geschützt. Das Gebiet reicht von der Punta Campanella (Sorrento) bis zur Punta Germano (Positano). Daneben sind auch die alten Traditionen fest im Bewusstsein der Bevölkerung verankert, und so wurden die antiken Fischer-, Bauern- pfade und Treppen, die vom Meer in die höher gelegenen Hauptorte führen, wiederentdeckt und in attraktive Spazierwege verwandelt.

ÜBERNACHTEN

Agriturismo Barone Antonio Negri
Der mit dem italienischen Eco-Bio-Umweltgütesiegel ICEA mehrfach ausgezeichnete Agriturismo ist ein traditionsreicher Familienbesitz. Er wird von der herzlichen Monika Negri, Tochter einer alten Adelsfamilie aus Gaiano, geführt. Sie hat sich seit Langem dem ökologischen Gedanken verschrieben und bewusst auf Klimaanlagen verzichtet. Dementsprechend finden in ihrer Küche auch nur erstklassige Produkte aus eigenem Anbau oder eigener Tierzucht Verwendung. Die zum Besitz gehörenden Haselnussbäume haben ein Bio-Gütesiegel und liefern die Grundlage von Kuchen und Nuss- gebäck, die in einer extra eingerichteten Backstube hergestellt werden. Auf dem Landsitz selbst lässt es sich am Pool faulenzen oder im Dampfbad schwitzen. Er eignet sich aber auch als Ausgangsort für Kultur- und Sightseeing-Touren: Die Costiera Amalfitana, Paestum oder Pompeji liegen nur jeweils ca. 30 Autominuten entfernt. Im Angebot sind auch Ausflüge mit dem Boot oder zu Pferd.

Azienda Agricola Barone Antonio Negri, Gaiano di Fisciano, Via Teggiano • www.agrinegri.it • 6 Zimmer, 1 Suite • R • €€ 

Park Hotel Terme Michelangelo
Dieses am Hang gelegene Hotel mit herrlichem Panoramablick über den Golf verspricht einen naturnahen Aufenthalt und ist ein beispielhaftes Projekt hinsichtlich ökologischer Energie- sparmaßnahmen. Den Gästen wird moderner Komfort, Ruhe und ein Well- ness- und Kurbereich mit Thermen geboten. Auf dem Dach des Hotels sorgt eine 50-kW-Solarzellenanlage für alternative elektrische Energie.

Lacco Ameno d’Ischia • www.hotelmichelangeloischia.it • 71 Zimmer • im Winter geschl. • €€ 

ESSEN UND TRINKEN 

Don Alfonso 1890
Dieser gastronomische Luxustempel steht für Slow-Food-Kultur par excellence. Hier werden nur regionale und ökologisch einwandfreie Spitzenprodukte in der Küche verwendet. Um den hohen Qualitätsansprüchen zu genügen, kaufte Küchenchef Don Alfonso 1990 die Azienda Agricola Le Peracciole. Hier, an den sonnigen Hängen der Punta Campanella, werden für das Restaurant Obst und Gemüse angebaut, wachsen Oliven- und Zitronenbäume unter natürlichsten Bedingungen. Die Räumlichkeiten sind stilvoll,das Essen vom Feinsten.

Sant’Agata sui due Golfi (Massa Lubrense), Corso Sant’Agata 11/13 • www.donalfonso.com • tgl. außer Nov.–März • €€€€

EINKAUFEN

Big Bubble Bags
Absoluter Eco-Chic "made in Italy" sind die Taschen der Marke Big Bubble Bags. Dem Jungunternehmer Fabrizio Esposito, Besitzer einer Firma für Verpackungsmaterial im Umland von Neapel, kam vor drei Jahren die glänzende Idee, aus den Abfallprodukten seiner Fabrik ein neues farbiges Material (eine Luftblasenfolie mit vergrößerten Noppen) zu entwickeln und daraus Taschen zu entwerfen. Das Starprodukt aus 100 Prozent Recyclingmaterial findet man heute schon im Museum of Modern Art in New York. Neben den poppigen Taschen sind auch Sitzmöbel im Sortiment. Neu sind Trolleys und Computertaschen mit einer zweiseitigen Solarzellenklappe, die bei Bedarf die Energie liefert, um ein Handy aufzuladen. Die Preise liegen zwischen 15 und 200 Euro.

Neapel, Via Santa Brigida (Ecke Via Verdi) • www.bigbubblebags.com

Märkte Coldiretti
Auf den bei den Einheimischen sehr beliebten Märkten des Landwirtschaftsverbands Coldiretti werden ausschließlich Obst und Gemüse, Honig, Öl, Käse, Wein und hausgemachte Spezialitäten in Olivenöl aus der Region verkauft. Im breiten Angebot gibt es viele Bio- und D.O.P.-Produkte: Olivenöl extravergine aus Sorrento, Tomaten aus San Marzano (Vesuv), Käse wie den Provolone del Monaco (Monte Lattari), Zitronen aus Amalfi, Mozzarella und Ricotta aus Büffelmilch und Quali- tätsweine der Region. Mehr dazu unter www.campania.coldiretti.it

AKTIVITÄTEN

EcomuseoFurore 
Den an der Amalfiküste gelegenen Ort gibt es gleich zweimal: das oben gelegene Furore und Marina di Furore mit seinen liebevoll renovierten Fischerhäusern unten am Meer. Er zählt zu den ersten Freilichtmuseen Süditaliens. Sein einzigartiger Fjord wurde schon zu Zeiten der Seerepublik Amalfi als natürlicher Hafen genutzt. Die Wasserkraft des aus den Monti Lattari kommenden Wildbachs Schiatro versorgte bis zum Anfang des 20. Jh. drei Mühlen und zwei Papierfabriken, deren Arbeitswelt mit hohem Restaurierungsaufwand heute wieder als Museum zugänglich gemacht wurde. Dem Besucher werden drei thematisch unterschiedliche Spaziergänge angeboten: Der Weg »sentiero dei pipistrelli impazziti«, ein in Zusammenarbeit mit dem Botanischen Garten von Neapel entwickelter naturalistischer Spazierweg; der Weg "le vie del cinema", ein kulturhistorischer Weg, der vor allem dem Liebespaar Anna Magnani und Roberto Rosselini gewidmet ist und der Weg "muri d’autore", ein Rundgang, der an über 80 gemalten Graffitis und Skulpturen italienischer und mexikanischer Küstler entlangführt. Das Informationszentrum FurorEmozioni liegt unten am Fjord im Gebäude des einstigen Kalkbrennofens.

Marina di Furore • Mai–Sept. tgl. 10–18 Uhr • www.comunefurore.it

Parco Nazionale del Vesuvio
Im 8480 ha großen Nationalpark rund um den Vesuv ist nicht nur der Aufstieg zum Kraterrand ein einmaliges Erlebnis. Das Naturschutzgebiet hat noch mehr zu bieten, gibt es doch mittlerweile zwölf ausgezeichnete Natur- und Panoramawanderwege unterschiedlicher Länge und Schwierigkeitsgrade. Die Wanderwege werden auf der Internetseite des Nationalparks beschrie- ben und für die meisten ist keine besondere Erlaubnis erforderlich. Die Erkundung des Naturreservats Tirone sowie des Panoramawegs Strada Matrone ist allerdings nur mit Führungen möglich (Kontaktadresse unter www.ilportaledeiparchi.it).

Neu ist ein spezieller Busservice, der einen Ausflug auf der Strada Matrone zu einem unvergesslichen Erlebnis werden lässt: www.busviadelvesuvio.com, www.parconazionaledelvesuvio.it

Valle delle Ferriere
Dieses von Felsenwänden aus Dolomiten- und Kalkgestein umgebene Tal ist ein Naturreservat, das seine üppige und außergewöhnliche Vegetation dem tosenden Wildbach Canneto verdankt, der das Gebiet etwa drei Kilometer lang durchläuft. Wegen der hohen Luftfeuchtigkeit ist vor allem im Zentrum des Canyons ein Mikroklima entstanden, das große Farnarten wie den sehr seltenen Woodwardia radicans wachsen lässt. Unter den zahlreichen Wasserfällen erreicht der größte eine Fallhöhe von 20 Metern. Diese enorme Wasserkraft, die einst die Grundlage für den Antrieb der Maschinen der Eisenhütte und der Mühlen in dem sich anschließenden Valle dei Mulini war, bestimmte dieses Tal. Hier wurde aus Elba und Apulien stammendes Roheisen für die Werkstätten Amalfis aufbereitet und wertvolles Papier hergestellt. Naturnah erfährt man auf dieser Wanderung einen wichtigen Teil der Geschichte der Seerepublik Amalfi. Ein dichter Laub- und Kiefernwald beherrscht das Tal, an den Felswänden breitet sich eine üppige mediterrane Macchia aus. Wer bis ins empfindliche Ökosystem im Zentrum des Canyons vordringen will, muss die Wanderung mit Führung machen, da das Innerste des Tals nur mit Erlaubnis zu betreten ist. Aber auch ohne Führung ist der Abstieg von Pontone (ein ausgeschilderter Weg beginnt auf der Piazza San Giovanni), einem Ortsteil von Scala, durch das Valle delle Ferriere bis zum Hochtal Valle dei Mulini und Amalfi möglich.

Centro visite Valle delle Ferriere, Pontone, Via Noce 2 • www.valledelleferriere.com, www.ilportaledeiparchi.it • Führungen nur mit Voranmeldung.

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Dieser Text von Carola Käther ist ein Auszug aus dem MERIANlive-Reiseführer "Amalfiküste - Golf von Neapel"