Indonesien Bali: Klasse statt Masse

Die unübersehbaren Folgen des Massentourismus sorgen inzwischen auch auf Bali für ein Umdenken. Man will den Ausverkauf der Insel stoppen. Vor allem die jüngere Generation hat begriffen, dass Naturschönheit und kulturelle Traditionen keine Gottesgeschenke sind, die sich endlos vermarkten lassen. Klasse statt Masse - die Einsicht scheint sich durchzusetzen. Vor allem abseits der großen Zentren etablierten sich in den letzten Jahren Konzepte, die diesem neuen Bewusstsein Rechnung tragen. Geleitet von der Idee, dass Gäste und Einheimische gleichermaßen etwas tun können, um dem Raubbau ein Ende zu setzen, zielt die moderne Entwicklung eher auf kleine, aber feine Einheiten. Entlang der Nordküste etwa werden kaum noch große Hotelanlagen gebaut. Hier gehört zum touristischen Programm die Aufklärung über Natur- und Gewässerschutz ebenso wie ein schonender Umgang mit Ressourcen und Kultur. Teilnahme ist das Schlüsselwort. Ob Yoga oder Kochkurs, Trekking oder Tauchen - es gibt mittlerweile viele Möglichkeiten, Bali von einer anderen Seite kennenzulernen. Auf www.balispirit.com finden sich Tipps für naturbewusstes Leben auf Bali.

ÜBERNACHTEN

Alila Villas Uluwatu
In Sachen hochwertiger Ökotourismus ist die in Singapur ansässige Alila-Gruppe für ihre kompromisslose Orientierung an ökologische Nachhaltigkeitskriterien mehrfach ausgezeichnet worden. Während die beiden älteren Alila-Resorts auf Bali in Ubud und Manggis in Sachen Energieeffizienz, Recycling, Müll- und Wassermanagement schon seit Jahren in der Tourismusbranche anerkannte Maßstäbe gesetzt haben, geht Alila mit dem neuen Villas Resort in Uluwatu einen entscheidenden Schritt weiter. Gelegen auf einer Klippe auf der Halbinsel Bukit ist Uluwatu das Nonplusultra moderner Architektur und vereint eine auf Bali einmalige Mischung von Natur und Design. Alle verwendeten Hölzer sind Recycling-Material, im Garten gibt es nur für diese Gegend typische Pflanzen. Außerdem wird in Uluwatu als einzigem Resort auf Bali in großem Stil Regenwasser genutzt, das sich in Auffangbecken sammelt und nach einer mechanischen Reinigung mithilfe einer Umkehrosmosefilteranlage in den Brauchwasserkreislauf, zum Beispiel für Duschen oder Toilettenspülungen, eingespeist wird. Auch in die privaten Pools kommt kein Trinkwasser, sondern für den Verzehr ungeeignetes, mit Meerwasser durchmischtes Grundwasser zum Einsatz, das aus rund 120 bis 150 Metern Tiefe vom Kliffsockel heraufgepumpt wird und am Ende ebenfalls zurück in den Brauchwasserkreislauf fließt oder in besonders trockenen Perioden nach der Umkehrosmosebehandlung für Bewässerungszwecke genutzt wird. Die offene Konstruktion der Villas sorgt in Verbindung mit dem vorgelagerten Pool und flachen Verdunstungsbecken im rückwärtigen Bereich außerdem für eine ständige Luftzirkulation. Das macht den Einsatz einer Klimaanlage tagsüber praktisch überflüssig. In der Küche der hoteleigenen Restaurants stammen bis auf wenige Ausnahmen alle Produkte und Zutaten entweder aus Bali selbst oder von einer der umliegenden Inseln. Auszeichnung mit dem Green Globe. Im Hotel gibt es zwei Restaurants sowie Spa und Pool.

Banjar Tambiyak, Desa Pecatu, Jl. Belimbing Sari • www.alilahotels.com • 84 Villen • €€€€

Puri Lumbung
Zwölf Kilometer km von der Nordküste, hoch über dem Meer und mit atemberaubenden Panoramablicken, liegt das kleine Dorf Munduk. Vor einigen Jahren wurde hier mit Unterstützung des Goetheinstituts ein mittlerweile weit gerühmtes Konzept für einen sanften, natur- und kulturerhaltenden Tourismus umgesetzt. Viele der Familien aus dem Dorf beteiligen sich am Projekt, finden hier Arbeit und sind stolz, den Besuchern die traditionelle balinesische Lebensweise nahebringen zu können. Der Luxus des Einfachen ist Trumpf. Historische Reis-Speicher, restauriert und zu komfortablen Cottages umgebaut, geben dem Gast das Gefühl, ganz weit weg zu sein vom Trubel des Massentourismus. Pools, Klimaanlagen und westlichen Schick sucht man vergebens. Das sanfte Rauschen des Flusses auf dem Gelände, die wundervollen Reisterrassen und ein traditionelles Spa entschädigen für alles. Wer so viel Ruhe nicht verträgt, kann auf spannende Erkundungstouren setzen: Eine ganze Palette von ausgewählten Trekking-Touren wird geboten. Sie führen durch den Regenwald, an reizvollen Flussufern entlang oder durch Felder und Plantagen, dorthin, wo noch traditionell angebaut und gewirtschaftet wird. Wie das Geerntete auf den Tisch kommt, das lernt man später von den Einheimischen beim Bali-Kochkurs. Und selbstverständlich rangiert auch in der Küche Qualität vor Massenware. Wer lieber die Geheimnisse der Naturmedizin, traditionelle Tänze, Musik oder Yoga entdecken möchte, wird ebenfalls bestens bedient. Puri Lumbung hat ein Zeichen gesetzt und gilt mittlerweile als Vorreiter für eine nachhaltige Entwicklung, die die Schönheit der Insel bewahren und erhalten will. Vor allem Europäer wissen das zu schätzen.

Munduk • www.purilumbung.com • 16 Zimmer • €€€

ESSEN UND TRINKEN

Kafe
Das Kafe vereinigt die Atmosphäre eines tropischen Cafés mit der eines Bistros der amerikanischen Westküste. Alle Möbel sind aus recyclebarem Holz mit der Hand gearbeitet. Großer Wert wird hier auf gesunde Ernährung gelegt. Vom Frühstück bis zum Abendessen werden ausschließlich Bio-Produkte verwendet. Eine gute Mischung aus vegetarischen und nichtvegetarischen Gerichten. Zudem werden im Kafe Bio-Lebensmittel verkauft. Ein Trend-Café in Ubud für alle Yoga-Anhänger, die hier an Yoga-Kursen teilnehmen, dazu kosmische Musik zum Abheben!

Ubud, Jl. Hanoman 44 b • www.balispirit.com/kafe • tgl. 8–23 Uhr • €€

Manik Organik Health Restaurant
Leichte Gerichte stehen hier im Vordergrund: ob Sandwiches, Salate, Suppen oder frische Säfte - alles stammt aus biologischer Erzeugung, wie die köstliche Kürbissuppe oder gerösteter Tofu auf Salat. Alles wird frisch zubereitet, und die meisten Zutaten kommen aus der Region. Auch werden lokale Bauern von Manik Organik unterstützt.

Sanur, Jl. Danau Tamblingan 85 • Tel.0361/8553380 • 9–21Uhr • €€

EINKAUFEN

Organic Farmers Market
13 kleine, lokale einheimische Bio-Farmer bieten seit 2006 bei Ubud ihre Produkte an: Obst und Gemüse, Eier und selbst gebackenes Brot, Tee und Kaffee, Kräuter und Reis - jeden Samstag von 9.30–14 Uhr am Pizza Bagus, Pengosekan und jeden Mi 9.30–14 Uhr am Café Anna, Pengosekan

AKTIVITÄTEN

Bali Bird Walks
1990 gründete der Engländer und Verfasser des Buches "Birds of Bali", Victor Mason, den "Bali Bird Club" in Ubud. Über 100 Vogelarten findet man rund um Ubud. Auf einem schönen Spaziergang - geführt von Su - sind mindestens 30 davon zu entdecken, ebenso etliche Schmetterlinge, Bäume und Wildpflanzen. Der 3,5 Std. dauernde Spaziergang kostet 37 $ (inklusive Imbiss und Getränke). Di, Fr, Sa, So trifft man sich um 9 Uhr an Murni’s Warung, andere Termine kann man nach rechtzeitiger Absprache vereinbaren.

Ubud, Jl. Campuhan • www.balibirdwalk.com

Botanic Garden Ubud
2006 eröffnete der Deutsche Stefan Reisner zwei Kilometer nördlich vom Zentrum Ubuds in Kutuh Kaja einen kleinen, faszinierenden botanischen Garten. Man erhält einen umfassenden Überlick über die üppige Pflanzenwelt Balis. Allein der Orchideengarten - mit seinen vielfältigen Orchideenarten - ist einen Besuch wert, genauso wie der islamische Garten oder die großen Farne. Im botanischen Garten kann man außerdem einen hübschen Wasserfall bestaunen und durch dichten Urwald wandern.

Kutuh Kaja • www.botanicgardenbali.com • tgl. 8–18 Uhr

Mountain Trekking
Eine atemberaubend schöne Tour führt von Songan am Batur-See über einen Gebirgskamm zum Dorf Muntigunung. Mit Besichtigung eines Wasserprojekts, das von einer Non-Profit-Organisation, einem indonesisch-schweizerischen Hilfswerk, organisiert wird. Der Schweizer Daniel Elber versucht die Wasserversorgung für 35 Dörfer in dieser Region zu sichern. Mit der Teilnahme unterstützt man die Bevölkerung von Muntigunung. Die Tour wird geführt von Frauen, die so eine Einkommensmöglichkeit erhalten.

Songan• www.zukunft-fuer-kinder.ch • ab 55 US-$

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Dieser Text von Eva Geberding ist ein Auszug aus dem MERIANlive-Reiseführer "Bali".

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