Deutschland Frankfurt am Main: Nachhaltige Hochhäuser

Schon Anfang der Neunzigerjahre beschloss das Stadtparlament, dass die grüne Lunge rund um die Stadt, der sogenannte "GrünGürtel", vor Bebauung geschützt werden muss. Auch die Einführung der Umweltzone ging ohne Widerstand über die Bühne. Bis 2012 werden Autos ohne grüne Plakette aus der Innenstadt verbannt sein. Neue Wege beschreitet Frankfurt im Hochhausbau: Gerade werden die berühmten Zwillingstürme der Deutschen Bank aufwendig saniert. Sie sollen zu "Greentowers" werden, also besonders umweltfreundlichen, nachhaltigen Bürotürmen. An der Messe entsteht ein weiterer Öko-Wolkenkratzer, der von Christoph Mäckler entworfene "Tower 185". Und schon heute ist Frankfurt Europas Hauptstadt der Passivhäuser: In keiner anderen Metropole des Kontinents gibt es mehr Ökowohnhäuser als hier. Aber auch im Kleinen geben sich die Frankfurter nachhaltig. In Vierteln wie Bockenheim oder im Nordend sprießen die Biosupermärkte aus dem Boden - und es gibt immer mehr tolle Restaurants und Modeläden mit Öko-Standards.

 

ÜBERNACHTEN

Villa Orange
Das Hotel im Nordend ist schön und hell eingerichtet, die Atmosphäre familiär – und schon seit einiger Zeit gibt man sich hier große Mühe, Nachhaltigkeit auch in der Praxis umzusetzen. Das Frühstücksbüfett wird in Bioqualität serviert, in den Badezimmern gibt es nur Biokosmetikprodukte, und die Bettwäsche besteht aus Biobaumwolle. Auch bei der Zimmerreinigung wird darauf geachtet, dass ausschließlich umweltschonende Putzmittel zum Einsatz kommen. Seit 2008 ist die Villa Orange biozertifiziert, seit 2009 Mitglied im Verband der Biohotels.

Nordend • Hebelstr. 1 • U-Bahn: Musterschule • www.villa-orange.de • 38 Zimmer • F • €€

 

ESSEN UND TRINKEN

Naturbar
Ein Frankfurter Klassiker. Seit 1971 werden in dem Mini-Restaurant vegetarische Gerichte aus regionalen Zutaten aufgetischt. Besonders mittags ist das Lokal gut besucht. Auf der Karte stehen Buchweizensuppe mit Thymian, Gemüse-Paella oder indische Currys. Mindestens eine vegane Hauptspeise ist immer im Angebot.

Innenstadt • Oeder Weg 26 • U-Bahn: Eschenheimer Tor • www.naturbarfrankfurt.de • Mo–Fr 11.30–15.30, 18–23, Sa 18–23 Uhr • €€

Chili Queen 
Die Chili Queen ist eine charmante Mischung aus Imbiss und Café. Früher haben die Macher ihr Chili con carne aus Biozutaten auf Wochenmärkten verkauft, seit einiger Zeit gibt es den Laden auf der beliebten Einkaufsmeile Berger Straße. Natürlich wird hier auch eine vegetarische Variante des Eintopf-Klassikers angeboten. Außerdem: Sandwiches, feine Cookies, Kaffeespezialitäten und Biolimonaden.

Nordend • Berger Str. 77 • U-Bahn: Höhenstraße • Tel. 90 43 06 01 • www.chili-queen.de • Mo–Sa 11–21 Uhr • €

Die Kuh die lacht 
Fast Food in der ökologisch korrekten Variante: Das Fleisch für die leckeren Burger stammt größtenteils von Biobauernhöfen aus der Region. Vegetarier wählen zwischen Falafel und Nussburger. Wer auf der Suche nach einer Alternative zu Pommes frites ist, sollte unbedingt einmal die Pastinakenchips probieren. Und seit Kurzem gibt es eine zweite Filiale unweit vom Willy-Brandt-Platz in der Friedensstr. 2.

Innenstadt • Schillerstr. 28 • U-/S-Bahn: Hauptwache • www.diekuhdielacht.com • Mo–Sa 11–23, So 12–22 Uhr • €

Das Eis
Bioeis findet man noch recht selten. Vorreiter für den ökologisch einwandfreien Eiskonsum ist das Frankfurter Unternehmen Das Eis. In der schicken Eisdiele an der Kleinmarkthalle kommen in die Ökobecher nur Kugeln aus saisonalen biologischen Zutaten und ohne künstliche Stabilisatoren und industriellen Zucker. Die Löffel sind CO2-neutral, die Servietten ungebleicht.

Innenstadt • Hasengasse 1–3 • U-Bahn: Römer • www.daseis.eu • Sommer tgl. 11–19, Winter Sa 12–16 Uhr

 

EINKAUFEN

Organicc
Biomode sieht schon lange nicht mehr nach Kartoffelsack aus. Der beste Beweis dafür ist die kleine Boutique Organicc im Frankfurter Nordend. Hier wird ausgesucht trendige Öko- und Fairtrade-Mode verkauft. Die derzeit angesagte Sportswear-Kollektion von Misericordia wird beispielsweise in der von Benediktinerschwestern geleiteten Schneiderschule eines peruanischen Waisenhauses hergestellt. Jugendliche Waisen erhalten hier eine Schneiderausbildung und werden auf den Arbeitsmarkt vorbereitet: eine echte Zukunftsinvestition. Verkauft werden darüber hinaus die Öko-Streetfashion-Mode des Kölner Labels Armedangels und T-Shirts von Modelegende Katherine Hamnett, die schon in den Achtzigerjahren eine Vorreiterin der "Ethical Fashion"-Bewegung war.

Nordend • Berger Str. 19 • U-Bahn: Merianplatz • www.organicc.de

So Petit Store 
"Bio- und Fairtrade-Mode kann genauso schön und modisch sein wie herkömmlich produzierte Kleidung - und zwar fast zum gleichen Preis", sagt Kirsten Weihe-Keidel. Die Frankfurterin hat das Ökomode-Unternehmen Sense Organics gegründet und produziert - unter dem Label So Petit - wunderschöne Kleidung für Kinder und Babys. Im So Petit Store in Sachsenhausen kann man farbenfrohe Shirts mit netten Motiven, niedliche Bodies und kuschelige Kapuzenjacken entdecken.

Sachsenhausen • Schweizer Str. 63 • U-Bahn: Schweizer Platz • www.sense-organics.com

Weinhalle 
Immer mehr Winzer stellen auf ökologischen Weinbau um. In dem schönen Laden von Jochen Müller und Thomas Schlepütz gibt es eine große Auswahl von guten Bioweinen. Vieles stammt aus der Region (wie beispielsweise die Spitzenweine von Rheingau-Winzer Peter Jakob Kühn), es gibt aber auch tolle Biorotweine aus Italien.

Nordend • Merianplatz 4 • U-Bahn: Merianplatz • www.weinhalle-frankfurt.de

 

FAMILIENTIPPS

Dottenfelder Hof
Im Stadtteil Bad Vilbel befindet sich dieser wunderschöne Demeter-Bauernhof. Hier kann man nicht nur Biolebensmittel einkaufen, sondern Natur und Tierwelt hautnah erleben. Gänse marschieren über die Wiese, Kühe und Schweine sind in den Ställen zu begutachten. Für die Kleinen wurde ein herrlicher Spielplatz mit Sandkasten und Brunnenanlage eingerichtet. Und im schlichten, schönen Hofcafé lässt man sich Kuchen, Biorindswürste und frische Salate schmecken. Außerdem betreibt das Team vom Dottenfelder Hof eine Landbauschule: In verschiedenen Kursen wird hier anschaulich vermittelt, was biologisch-dynamischen Landbau heutzutage ausmacht.

Bad Vilbel, Gronauer Weg • S-Bahn: Bad Vilbel, Bus: Dottenfelder Hof • www.dottenfelderhof.de • Hofladen und Café: Mo–Fr 9–19, Sa 8.30–16 Uhr

Alter Flughafen Bonames
Der Umbau des stillgelegten Flughafens ist ein spannendes Renaturierungsprojekt: Die Flächen der ehemaligen Landebahnen wurden aufgebrochen, das alte Material vor Ort belassen. Die städtische Natur erobert sich den Raum nach und nach zurück, und so entsteht ein einmaliges Stück Wildnis in der Stadt. Der Bund Deutscher Landschaftsarchitekten war so begeistert von dem Projekt, dass er den Flughafen Bonames 2005 mit dem "Deutschen Landschaftsarchitekturpreis" ausgezeichnet hat. Auf der alten Landebahn spielen heute Kinder oder fahren eine Runde mit Roller oder Rad. Ein paar Schritte nur sind es zum Fluss Nidda oder zu einem versteckten Froschteich. Die GrünGürtel-Lernstation bietet Erkundungen im Naturschutzgebiet an und informiert über verantwortungsvolles, umweltschonendes Verhalten im Freizeitareal. Sehr schön ist auch das Tower-Café im alten Flughafengebäude. Betrieben wird es von der Werkstatt Frankfurt, einer Initiative, die sich zur Aufgabe gemacht hat, Langzeitarbeitslose zu unterstützen und ihnen durch eine neue Beschäftigung einen Weg zurück ins Berufsleben zu ebnen. Das angebotene Essen hat Bioqualität, die Zutaten stammen alle aus der Region.

Bonames, Am Burghof 55 • U-Bahn: Kalbach, Bus: Nordpark • www.tower-cafe.de • Tower-Café: Mai–Sept. Di–Sa 11–23, So 10–20, Nov.–März Di–Sa 11–22, So 10–18 Uhr

Main Äppelhaus
Rund um den Lohrberg im Norden der Stadt liegen weitläufige Streuobstwiesen. Der Verein, der das Main Äppelhaus betreibt, will Kindern den Naturraum der Apfelwiesen näher bringen. Über Veranstaltungen und Workshops kann man sich auf der Website informieren. Mehr als 20 Apfelsorten wachsen im Erlebnisgarten, im Hofladen erwirbt man das knackfrische Obst. Dort gibt es auch leckeren Apfelsaft, sortenreinen Apfelwein und Obstbrände. Im Sommer kann man sich im Äppler-Bistro mit regionaler Kost stärken.

Seckbach • Klingenweg 90 • Bus: Budge Altenheim/Lohrberg • www.mainaeppelhauslohrberg.de • Hofladen: Di, Mi, Fr 10–15, Do 10–18, Sa 11– 14 Uhr, Äppel-Bistro: Mai–Sept. Do– So ab 14.30 Uhr (bis Einbruch der Dunkelheit, bei Regenwetter geschl.)

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Dieser Text von Alexander Jürgs ist ein Auszug aus dem MERIANlive-Reiseführer "Frankfurt am Main"