Europa Zypern: Grüner Hoffnungsschimmer

Zyperns Politiker, aber auch die Bevölkerung haben dem Umweltschutz bislang wenig Bedeutung beigemessen. Ein Umweltbewusstsein entwickelt sich nur langsam. Zu lange waren andere Probleme vorrangig: Teilung und Wiedervereinigung, Flüchtlingsfrage, Straßenbau und wirtschaftliche Entwicklung. Jetzt ist immerhin erstmals ein Autobahnbau (von Páphos nach Pólis) dem Rotstift zum Opfer gefallen und man beginnt in den Großstädten mit der Mülltrennung.

2011 waren im Süden bereits 62 Windenergieanlagen am Netz; schon länger sind Biogasanlagen in Schweinezuchtbetrieben installiert. Die damit erzielten CO2-Einsparungen sind für die Landwirte attraktiv, weil sie ihre Verschmutzungsrechte im Rahmen des Emissionshandels nach Dänemark verkaufen konnten. Im Fremdenverkehr spielt der Agrotourismus im Sinne der Nachhaltigkeit eine Vorreiterrolle. Wer im Süden in den Dorfhäusern des staatlichen "Agrotourism" oder der privaten "Cyprus Villages" wohnt, ist dem traditionellen Zypern noch nah. Vorbildlich sind die Naturlehrpfade der Forstverwaltungen in beiden Inselteilen, auf denen man Berge und Küsten erwandern kann.

ÜBERNACHTEN

Columbia Beach Resort
Kein anderes Hotel Zyperns passt sich so harmonisch und nahezu unauffällig in die Umgebung ein wie dieses Fünf-Sterne-Haus. Die Planer holten sich viele Anregungen aus Zyperns traditioneller Architektur, errichteten die Gebäude weitgehend aus Stein und Holz. Die Dächer sind mit restaurierten alten Terrakotta-Dachpfannen gedeckt, der Garten ist üppig grün. Energiespar- möglichkeiten wurden für zyprische Verhältnisse optimal genutzt. Als erstes Hotel Süd-Zyperns engagiert man sich hier auch vehement für den Tierschutz und fordert die Gäste zum Engagement für das hoteleigene Care Project auf. Info: Pissoúri • www.columbia-hotels.com • 97 Suiten

CyprusVillages
Sofrónios Potamítis hatte schon Mitteder 1980er-Jahre als erster Zyprer die Idee, Urlauber nicht in Hotels, sondern in restaurierten Bauernhäusern auf dem Lande wohnen zu lassen. Er kaufte und mietete Dutzende von alten Gebäuden und gestaltete sie als Ferienhäuser mit modernem Komfort, aber traditionellem Ambiente. So hauchte er auch sterbenden Dörfern neues Leben ein, wirkte in bescheidenem Rahmen der Landflucht entgegen. Inzwischen hat er über 120 Häuser, zumeist in den Dörfern Tochní, Kalávasso und Psematisménos, in seinem Portfolio. Die Gäste können an zyprischen Kurz-Kochkursen, an geführten Wanderungen und Mountainbiketouren teilnehmen sowie Ausritte zu Pferd unternehmen. Die Warmwasseraufbereitung erfolgt mit Solarenergie, der Gebrauch der Klimaanlage wird durch die Natursteinmauern und traditionellen Zimmerdecken der Häuser oft überflüssig. Info: www.cyprusvillages.de

Áyii Anárgyroi Hotel & Spa
Zyperns natürliche Heilquellen wurden bis gegen Ende des letzten Jahrzehnts überhaupt nicht mehr genutzt. Dann eröffnete María Miltiádou im Frühjahr 2009 dieses hochmoderne und sehr energieeffiziente Boutique- Hotel in einem weltfernen Tal. Das lange ungenutzte natürliche Mineralheilwasser naher Quellen füllt den Pool und steht im Spa für allerlei Anwendungen zur Verfügung, auch in einigen Suiten fließt es aus den Wasserhähnen. Als Baumaterialien fürs Hotel wurden viel Naturstein und Holz verwendet, die Küche greift weitgehend auf Produkte aus dem unmittelbaren Umland zurück. Info: Milioú • www.aasparesort.com • 65 Zimmer

Natura Beach
Als erster zyprischer Hotelier hat Chrístos Georgiádis erkannt, wie bedeutsam eine intakte Natur für viele Urlauber ist, und darum auf dem Hotelgelände viel Platz für sie gelassen. Hecken bieten Vögeln Nistplätze, unter den Hoteldächern sind Schwalben und Mauersegler willkommen. Am Strand locken keinerlei Lichter schlüpfende Meeresschildkröten in die falsche Richtung, kein Wassersportangebot vorm Hotel gefährdet die Tiere. Um kostbares Trinkwasser zu sparen, wird das Wasser aus eigenen Brunnenbohrungen bezogen; mit den gereinigten Abwässern aus der hauseigenen Bio-Kläranlage wird der Rasen bewässert. Chrístos, der auch einen kleinen Naturreiseführer für Zypern verfasst hat, informiert seine Gääte gelegentlich mit Dia-Vorträgen über seine Heimat, mehrmals monatlich werden geführte Naturwanderungen angeboten. Im Winter und Frühjahr können Gäste bei der Orangen- und Olivenernte mithelfen und täglich zum Frühstück hausgemachte Marmeladen und frische Eier aus dem hoteleigenen Hühnerstall genießen. Info: Pólis • www.natura.com.cy • 60 Zimmer, 5 Villen

ESSEN UND TRINKEN

Laterna
Chrístos Mavromátis, der Wirt der kleinen Taverne im touristischen Herz von Páphos, ist Bauer, Koch und Gastgeber aus Leidenschaft. Er baut selbst viel Gemüse und Salat ökologisch an, bezieht sein Fleisch nur von Bauern, die er kennt. Sein Pítta-Brot backt er täglich frisch aus Gerstenmehl, Rohkost kommt bei ihm nach traditioneller typischer Art stets reichlich auf den Tisch – von Staudensellerie über Karotten bis hin zu Kohlrabi. Zum Essen empfiehlt er die Bio-Rotweine seines Freundes Ángelos Tsangarídi aus dem nahen Dorf Lemóna, der sie seit 2009 mit dem Öko-Label versehen darf. Info: Páphos, Apollónios Street 2/Ágios Antónios Street • Tel. 26 93 23 93 • täglich außer im Dez. ab 18 Uhr

Ingas Veggie Heaven
Ausgerechnet eine Isländerin hat Zypern das erste vegetarische und vegane Restaurant beschert. Inga aus der Nähe von Reykjavík und ihre Freundin aus dem schönen Venedig kochen mit Lust und Leidenschaft. Sie verwenden nach Möglichkeit nur ökologisch unbedenkliche Rohstoffe, bereiten täglich frisch zu, was auf der Kreidetafel angekündigt ist. Ihre "Burger" aus verschiedenen Bohnensorten sind ein ebensolcher Genuss wie ihre Auberginen-Lasagne mit Pesto oder ihre mit Mandeln, Tofu und sonnengetrockneten Tomaten gefüllten Auberginen. Info: Süd-Nicosia, Dimonáktos Street 2 • Tel. 22 34 46 74 • Di–Sa 9–17Uhr

EINKAUFEN

Gaia Winery
Ioánna Panayiótou hat in ihrer kleinen Kellerei auf 600 Meter Höhe an den Hängen des Tróodos schon 1987 als erste zyprische Winzerin Bio-Weine produziert. Heute werden jährlich etwa 120.000 Flaschen abgefüllt, darunter die drei EU-zertifizierten ökologischen Rotweine "Sálomi" und "Kýlix" sowie der Rosé "Oiánthi". Ioánna ist inzwischen zur Sprecherin der (wenigen) Grünen in Süd-Zypern avanciert und unterhält sich gern mit Besuchern auf Englisch über die ökologischen Probleme der Insel. Info: Ágios Amvrósios • www.gaia.com.cy • Mo–Fr 8–15 Uhr • Führung und Weinprobe 2 Euro

Oleastro Olive Press
Ganz der Olive verschrieben habensich Lína Éllinas und ihr Mann Andréas. Sie waren die Ersten auf Zypern, die nur organisches Olivenöl produzierten und auch die Ersten, die ihre moderne Olivenpresse fürs Publikum öffneten. Heute kann man hier nicht nur ihre inselweit führenden Öle erstehen, sondern werktags auch Bio-Snacks zu sich nehmen und sonntags ein Bio-Büfett genießen. Ein Schau-Olivenhain, ein Olivenöl-Museum und ein Spielplatz gehören zur Anlage. Info: Anógyra • www.oleastro.com.cy • täglich 10–19 Uhr • Eintritt 3 Euro

AKTIVITÄTEN

Ecologia Tours
Chrístos Charalámbous hat bereits 1990 Zyperns erstes und bisher einziges Umwelt-Reisebüro gegründet. Das Büro gleicht eher einer leicht chaotischen geologischen Sammlung. Hier kann man Wanderungen und Rundfahrten buchen, die immer auch naturkundlich geführt werden. Auf Touren in labile Öko-Systeme verzichtet Chrístos bewusst, deswegen hat er auch Durchwanderungen der Avgás-Schlucht nahe Páphos trotz ihrer Attraktivität für Touristen aus seinem Programm gestrichen. Auf Jeep-Touren mag auch er nicht verzichten. Aber immerhin fährt man bei ihm nicht im Konvoi. Info: Páphos, Agíou Theodórou Street 2 • www.cyprus-ebid.com • Bürozeiten Mo–Sa 10.30–13 Uhr

Highline Paragliding
Segelflieger gibt es auf Zypern nicht. Trotzdem können Mutige auch hier ohne jede CO2-Emission durch die Lüfte gleiten. Am Hafen von Girne/Kyrénia bietet ein kleines Unternehmen Tandem-Flüge mit dem Paraglider an. Der Start erfolgt in 750 m Höhe, der Landepunkt liegt fast direkt am Meer. Die älteste Teilnehmerin war bisher 100 Jahre und einen Tag alt und hat damit einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft. Info: Highline Air Tours, Girne, Old Harbour 114 • www.highlineparagliding.com • 70 Euro inkl. Transfers

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Dieser Text von Klaus Bötig ist ein Auszug aus dem MERIANlive-Reiseführer "Zypern".
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