Schweiz Bern: Grüne Ideale auf dem Vormarsch

Als die Vatterland AG bekannt gab, dass sie den Bio-Supermarkt an der Spitalgasse schließen wird, ging ein Raunen durch die Stadt. Vatters "logischer Supermarkt" war der Erste seiner Art in der Schweiz und mit seinen 18 Jahren gerade erst erwachsen geworden in einer Branche, der ein schier unbegrenztes Wachstum sicher schien. Die Öko-Revolution frisst ihre Kinder: Der wachsende Bio-Markt rief bei den Platzhirschen der Lebensmittelhändler, bei Migros und Coop, Begehrlichkeiten hervor. Im großen Stil und zu günstigen Preisen haben die Riesen inzwischen Marktanteil um Marktanteil zurückgewonnen und Vatter schließlich zur Aufgabe gezwungen. Auch auf anderen Gebieten haben sich grüne Ideale in der eher konservativ geprägten Schweiz durchgesetzt: Dem Stade de Suisse, Nachfolgebau des legendären Wankdorf-Stadions, das 1954 Schauplatz des legendären 3:2-Finalsiegs von Deutschland über Ungarn war, wurde im Dach ein Sonnenkraftwerk implementiert, das ausreichend Energie produziert, um 350 Vier-Personen-Haushalte dauerhaft zu versorgen. So bezieht beispielsweise das jährliche Gurtenfestival seinen gesamten Strom von dieser Anlage.

 

ÜBERNACHTEN

Holiday Inn Bern Westside
Als das Holiday Inn 2008 eröffnete, war das öffentliche Interesse enorm. Schließlich ist das Hotel Teil des spektakulären Einkaufszentrums Westside, das US-Architekt Daniel Libeskind entwarf. So steht die Herberge nahezu konkurrenzlos da, was kurze Wege zu Einkaufsmöglichkeiten oder Wellnesseinrichtungen betrifft. Konkurrenzlos im Mutterhaus ist auch das Öko-Konzept: Das Hotel wurde entsprechend des Minergie-Standards konstruiert. Das ist eine Schweizer Energie-Referenz, die in etwa den Kategorien für Niedrigenergiehäuser entspricht. Das Holiday Inn liegt im Neubaugebiet Bern-Brünnen, etwa zehn Kilometer vom Stadtkern entfernt. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist man in etwa acht Minuten im Zentrum. Die Zimmer sind minimalistisch eingerichtet, bei der Besichtigung hing nicht einmal ein Bild an der Wand. Dafür versüßen kleine Annehmlichkeiten wie Bademantel und -schlappen oder ein Teekocher das Dasein.

Bümpliz-Oberbottigen • Riedbachstr. 96 • Bus, S-Bahn: Brünnen-Bahnhof • www.holidayinn.de • 144 Zimmer • R • F • €€€

Best Western Swiss Hotels
Beatrice und Hannes Imboden-Engler sind Gastgeber in den Best Western Hotels Bären und Bristol. Die Häuser liegen direkt nebeneinander und unterscheiden sich in Schlüsselmerkmalen überhaupt nicht: Business-Standard mit WLAN und Fitnessangeboten. Gemeinsam haben sie sich das Klimaschutzlabel der Energie-Agentur der Wirtschaft ans Revers geheftet. Diese Organisation der Wirtschaftsverbände analysiert das Energie-Effizienzpotenzial eines Unternehmens und schlägt Verbesserungen vor. Jährlich misst man die Bilanz und vergibt - bei Einhaltung des Sparpotenzials das Label.

Best Western Hotel B̈ären • Innere Stadt • Schauplatzgasse 4 • Bus, Tram: Bärenplatz • www.baerenbern.ch • 57 Zimmer • F • €€€

Best Western Hotel Bristol • Innere Stadt • Schauplatzgasse 10 • Bus, Tram: Bärenplatz • www.bristolbern.ch • 92 Zimmer • F • €€€

 

ESSEN UND TRINKEN

3dosha ayurveda
Sharmila und Suresh Satkunam haben sich der ayurvedischen Ernährungslehre verschrieben. Jeden Mittag bieten sie in ihrem in freundlichen Farben gehaltenen Restaurant im Spitalacker ein vegetarisches Büfett, abends gibt es indische Reistafel und verschiedene Gerichte je nach Saison. Übrigens organisiert das Familienunternehmen auch ayurvedische Ferien: Da bucht der Gast ein Arrangement mit täglicher ayurvedischer Massage (im Vatterland am Bärenplatz) plus Mittag- oder Abendessen im 3dosha – damit die Lebensenergien Vata, Pitta und Kapha wieder ins Gleichgewicht kommen.

Breitenrain-Lorraine • Moserstr. 25 • Tram: Spitalacker • www.3dosha-ayurveda.ch • Mo–Fr 11–14.30, 17.30–22 Uhr

Fischerstübli
Eine der charmantesten Beizen der Stadt liegt im ehemaligen Hafenviertel am Matte-Bach. Die Geschichte des Hauses greift nahezu 400 Jahre zurück. Damals versorgte der Bach Mühlen, Werkstätten und Waschhäuschen, seine Fischgründe ernährten viele Berner Familien. Diese Spur von Mittelalterromantik weht durch das Fischerstübli. Der angrenzende Mühlenplatz und die schöne Terrasse erinnern ein wenig an eine mediterrane Piazza. Das Ambiente spiegelt sich auch in der Karte wider: Pouletbruststreifen mit Limetten, pikante Curries mit Basmatireis und natürlich einige Fischgerichte versprechen leichte und bekömmliche Kost.

Innere Stadt • Gerberngasse 41 • Bus: Nydegg • www.fischerstuebli.com • Mo–Fr 11.30–23.30/0.30, Sa, So 18–23.30/0.30 Uhr (Okt.–April So geschl.)

Gourmanderie Moléson
Jedes Jahr unternimmt das Moléson-Team eine lukullische Entdeckungsreise in andere Länder. Was dabei gefällt, erhält Einzug in den Speiseplan der Gourmanderie in der Aarbergergasse. Aus dem Elsass brachten Bernhard und Sue Hüsser etwa Tartes flambées, die Flammkuchen, mit, aus Paris Joue de bœuf braisée – butterweiche Rinderbacken - und aus London asiatische Gerichte mit leicht europäischer Note. "Knorr und Maggi", versichern die Macher, "haben in diesem Haus keine Chance". Alles ist frisch, die Desserts sind hausgemacht, das Fleisch stammt von Tieren aus artgerechter Haltung.

Innere Stadt • Aarbergergasse 24 • Bus, Tram: Bärenplatz, Bus: Bollwerk • Tel. 031/311 44 63 • Mo–Fr 11.30– 14.30, 18–23.30, Sa 18–23.30 Uhr

Restaurant-Bar Du Nord
Im reizenden Eckhäuschen mit dem markanten Turm bietet ein junges, engagiertes Team seinen Gästen marktfrische und saisonale Küche. Fleischgerichte sind nicht tabu, den meisten Platz auf der Karte nehmen aber Salate und vegetarische Speisen ein. An lauen Sommerabenden kann man den Tag entspannt bei einem Glas Wein auf den Außenplätzen ausklingen lassen.

Breitenrain-Lorraine • Lorrainestr. 2 • Bus: Gewerbeschule • www.dunord-bern.ch • Mo– Mi 8–23.30, Do, Fr 8–0.30, Sa 18– 23.30 Uhr (Mai–Sept. Sa geschl.)

 

EINKAUFEN

Hallerladen
Der Hallerladen im Westen der Stadt ist mittlerweile der renommierteste Biomarkt Berns. Das genossenschaftlich geführte Fachgeschäft lockt seine Kunden mit einem großen Angebot an Käse und verschiedenen Biobroten sowie Backwaren. Die Tiere, von denen Wurst und Fleisch stammen, sind selbstverständlich artgerecht gehalten und nach biologischen Richtlinien aufgezogen. Neben Lebensmitteln handelt der Hallerladen auch mit Kosmetika sowie Hygiene- und Haushaltsartikeln.

Länggasse-Felsenau • Länggassstr. 30 • Bus: Unitobler • www.hallerladen.ch • Mo–Do 7.30–19, Fr 7.30–21, Sa 8–16 Uhr

Nordring Fair Trade
Nachhaltigkeit, faire Bezahlung, keine Chemie: Wer bei der Kleiderwahl auch ethische und ökologische Aspekte berücksichtigt, kauft bei Nordring Fair Trade ein. Marken wie Armed Angels, Bergspitz, Ibex oder Kuyichi beweisen seit Jahren, dass Ökokleidung topmodern und modisch schick sein kann.

Breitenrain-Lorraine • Lorrainestr. 4 • Bus: Gewerbeschule • www.nordring.be • Di–Fr 10– 13.30, 14.30–18.30, Sa 10–16 Uhr

Vatter Nature-à-Porter
Wer sich hier einkleidet, muss sich um die Herkunft der Waren, die Arbeitsbedingungen, unter denen sie hergestellt wurden, und die ökologische Verträglichkeit der Stoffe keine Sorgen machen. Vatter garantiert, dass das Garn aus Naturmaterialien besteht, die eingesetzten Farbstoffe unbedenklich und Knöpfe sowie Reißverschlüsse frei von Nickel sind. Darauf darf man vertrauen, denn die Eigentümerfamilie hat sich bereits mit dem ersten Bio-Supermarkt der Schweiz einen Namen in Sachen ökologischer Korrektheit gemacht. Ob die rund zehn Labels, die das Geschäft führt, auch den modischen Geschmack der Klientel treffen, ist ähnlich individuell wie bei der Mode von Zara oder C & A. Aber eins ist gewiss: Vatter legt Wert auf Exklusivität und hat oft nur ein Modell pro Größe vorrätig.

Innere Stadt • Spitalgasse 4 • Bus, Tram: Bärenplatz • www.vatter.ch/nap • Mo–Fr 10–18.30 (Do bis 20), Sa 10–16 Uhr

 

WELLNESS

Bio-Kosmetik
Die Kosmetikerin Brigitte Ryser kümmert sich um das größte und schwerste Organ des Menschen, die Haut. Sie macht ein Sechstel des Körpergewichtes aus. Und über sie werden sogar Gase ausgetauscht. Dementsprechend sollte man sich um sie kümmern. In ihrem kleinen Institut bietet die Chefin eine kostenlose Hautanalyse sowie diverse Behandlungen von Gesichtsmassage über Handbäder bis zur professionellen Haarentfernung an.

Innere Stadt • Kornhausplatz 7 • Bus, Tram: Kornhausplatz • www.bio-kosmetik.ch • Di–Fr 9–18, Sa 9–14 Uhr