Spanien Sevilla: Gesund essen

Der wirtschaftliche Aufschwung der Neunzigerjahre tat der Umwelt in Andalusien nicht immer gut. So kam etwa in der Landwirtschaft vermehrt die Chemie zum Einsatz. Doch inzwischen wächst in der Stadtbevölkerung der Wunsch nach gesunder Nahrung. Sevillaner Bürger engagieren sich für die Umstellung auf biologische Produktion im Umland und sorgen für den reibungslosen Vertrieb in Geschäften und auf den Märkten der Stadt. Trendige Esslokale, die Öko-Lebensmittel verwenden, erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Ein ökologisch geführtes Hotel sucht man in Sevilla bislang jedoch vergeblich. Hinweise, die zum sparsamen Umgang mit Wasser auffordern, sind in den Zimmern eher die Ausnahme, ebenso wie Abfalleimer zur Mülltrennung. Aber das Umweltbewusstsein wächst. Die spanische Vereinigung ist in Sevilla durch eine starke Ortsgruppe vertreten. Diese kämpft derzeit gegen die fortschreitende Abholzung alter Alleebäume in der Stadt und gegen den Bau des 180 Meter hohen Bürogebäudes "Torre Cajasol" auf dem ehemaligen Expo-Gelände, das nach Meinung vieler Einheimischer das historische Stadtbild gefährdet.

Essen und Trinken

mama-terra

Gesunde, mit dem Nachhaltigkeitsprinzip vereinbare Ernährung und guter Geschmack sind keine Gegensätze - so das Motto des szenigen, erst 2008 eröffneten Restaurants, eines Pioniers auf dem Gebiet der "comida ecológica" in der Stadt. Bei den Betreibern handelt es sich um eine Handvoll engagierte Andalusier, denen ein natürliches Leben am Herzen liegt. Als Küchenchef engagierten sie Octavio Gutiérrez, der u. a. beim katalanischen Starkoch Ferran Adrià in die Lehre ging. Fast alle Zutaten sind garantiert biologisch erzeugt. Die Rezepte basieren auf der sogenannten Mittelmeerdiät, es finden also viel frisches Gemüse und ausschließlich pflanzliche Öle Verwendung. Besondere Sorgfalt wird auf die Zubereitung der Salate gelegt, für die das Lokal häufig gelobt wird. Nicht etwa der blasse, vitaminarme Eisbergsalat liegt hier auf dem Teller, sondern der traditionelle, etwas herbere und somit viel schmackhaftere "lechuga romana", selbstverständlich mit Olivenöl aus erster Pressung und bestem Balsam- oder Apfelessig angemacht.

Im "mama-terra" kommen aber nicht nur Vegetarier auf ihre Kosten. Fleisch aus ökologischer Produktion und Fisch aus zertifiziertem Fang ergänzen das Angebot. Eigentlich handelt es sich ja um zwei Restaurants. Unten wird in elegantem Ambiente ein Buffet mit erstaunlich günstigem Preis-Leistungs-Verhältnis geboten. Der hohe Anspruch gilt aber auch für den Fastfood-Bereich des Lokals im Obergeschoss. Ob Baguette, Hamburger, Kebab oder Tofu-Spezialitäten - alles wird hier gesund zubereitet (auch zum Mitnehmen). Dazu genießt die schicke Klientel ein Bio-Bier oder eine Bio-Cola.

• Santa Cruz • Paseo de Cristina, 3 • Tel. 954221950 • Buffet tgl. 12.30-16.30 Uhr, Fastfood ganztägig • €€

La Mandrágora

Eines der ganz wenigen ausschließlich vegetarischen Restaurants in Sevilla, das zudem noch vorwiegend Produkte aus ökologischem Anbau verwendet und in dem sich jeder Gast wie zu Hause fühlen kann. Die außergewöhnlichen, mit großer Sorgfalt frisch und von Hand zubereiteten Kreationen lassen Fleisch und Fisch schnell vergessen. Jede Woche wechselt die Mittagskarte, abends stehen saisonale Gerichte auf dem Programm. Immer wiederkehrende Spezialitäten des Hauses sind mediterrane Köstlichkeiten wie Kürbis - mousse, Paprikaschoten mit Parmesanfüllung oder Broccoli mit Safran, häufig mit einem arabischen Touch. Besondere Erwähnung verdienen die feinen Desserts und die gut bestückte Bodega. Immer steht auf der Speisekarte ein vergleichsweise günstiges Tagesmenü. Selbstredend ist Rauchen in dieser Gaststätte nicht erlaubt.

La Mandrágora • El Arenal • C. Albuera, 11 • Tel. 954 220184 • Do-Sa 14-16, 21.30-23.30 Uhr • €€

Gaia

In diesem vegetarischen Lokal wird größtenteils sogar vegan gekocht, also ohne Verwendung von Butter, Milch und Eiern. Alle Zutaten stammen aus ökologischem Anbau. Die Auswahl an Tapas ist gewaltig. Weinliebhaber werden sich über das erstaunlich große Sortiment an Bio-Weinen freuen. Wer lieber selbst zum Kochlöffel greift, kann die erforderlichen, natürlich ebenfalls vegetarischen Ökozutaten auch im angeschlossenen Shop erstehen.

Gaia • El Arenal • C. Luis de Vargas, 4 • Tel. 954211934 • Mo-Sa 13.30-16, 20.30-23.30, So 13.30-16 Uhr, August geschl. • €

Einkaufen

La Ortiga

Der Förderung ökologisch erzeugter Lebensmittel wie auch alternativer Wirtschaftsweisen hat sich die Non-Profit-Konsumentenorganisation La Ortiga verschrieben. Schon seit 1993 unterstützen ihre Mitglieder Bauernfamilien im Umland von Sevilla, die ökologisch produzieren, und vertreiben die Erzeugnisse im eigenen Laden. Die Hersteller erzielen auf diese Weise einen fairen Preis, und der Kunde muss dennoch nicht übermäßig tief in die Tasche greifen. Im Angebot sind rund 1000 Artikel: Obst und Gemüse der Saison, Brot und Kuchen, Gewürze, Honig, Olivenöl und vieles mehr.

• San Lorenzo • C. Cristo del Buen Fin, 4 • Tel. 954906306

Madreselva

Der kleine Marktstand auf dem Mercado de los Remedios unterscheidet sich auf den ersten Blick kaum von seinen Nachbarn. Hier wie dort gibt es alles, was die sevillanische Hausfrau braucht, um eines der andalusischen Traditionsgerichte zu kochen oder auch Neues, Exotisches auszuprobieren. Doch hier stammt alles aus ökologischer Produktion. Die Betreiber wollen keine Luftschlösser bauen, sondern in bescheidenem Rahmen ein Zeichen setzen und ihren Beitrag zu einem schonenden Umgang mit den Ressourcen leisten. Da sie sich auch den Schutz der Tiere auf die Fahnen geschrieben haben, gibt es kein Fleisch, jedenfalls kein "richtiges". Dafür sind aber hundertprozentig vegetarische Würste, Pasteten und Gehacktes im Angebot - alles aus Soja hergestellt, das natürlich gentechnisch nicht modifiziert ist. Dies gilt auch für den hier verkauften Käse, sei es ein simpler vegetarischer Streichkäse oder die Luxusvariante: Tofu, aromatisiert mit Paprika, Oliven oder Zwiebeln. Eine esoterische Nuance ist nicht zu übersehen. Amulette aus Glas oder Metall in verschiedenen Preiskategorien sollen elektromagnetische Strahlung abwenden helfen und Körper und Seele stabilisieren.

• Los Remedios • C. Pedro Pérez Fernández, s/n • Tel. 954272505

Veganitessen

Absicht dieses etwas anderen Marktstandes auf dem Mercado de Entradores (auch Mercado del Arenal) ist es, Alternativen zu traditionellen - und manchmal durchaus schwer im Magen liegenden - Backwaren zu bieten. Bekannt wurde Veganitessen über das Internet, wo sich viele (meist jüngere) Andalusier auf die Suche nach gesünderen Ernährungsangeboten begeben, die in Sevilla noch nicht unbedingt an jeder Ecke zu haben sind. Ob es sich nun um Torten, Kuchen oder auch salziges Gebäck wie "empanadas" (gefüllte Teigtaschen) oder eine Quiche handelt, diese vegane Bäckerei verzichtet grundsätzlich auf tierische Produkte. Hier kommt sogar die beliebte Tortilla ohne Ei (!) daher. Wer um die Mittagszeit (12-16 Uhr) vorbeischaut, kann diese Tapas warmgemacht auch gleich an Ort und Stelle verzehren. Dazu schmecken ökologische Kaltgetränke oder ein Kräutertee, jeweils aus einer reichen Auswahl. Auch glutenfreies Sojaeis und laktosefreie Desserts hält der Stand bereit.

• El Arenal • C. Pastor y Landero, s/n

Aktivitäten

Per Fahrrad durch Sevilla

Radfahren ist in Spanien "en vogue". Und welche umweltfreundlichere Alternative, Sevilla über den doch eher begrenzten Fußgängerradius hinaus kennenzulernen, gäbe es? Ein dichtes Netz gut ausgebauter, breiter Radwege, insgesamt über 70 Kilometer lang, durchzieht seit einigen Jahren die Stadt, ergänzt durch eine Reihe großzügiger Fahrradparkplätze. Die örtlichen Informationsbüros für Touristen verteilen die Broschüre "Sevilla en bici" mit einem Plan und nützlichen Hinweisen. Sie kann auch aus dem Internet heruntergeladen werden (www.sevillaenbici.com). Sicherlich wenden sich die acht Routen in erster Linie an einheimische Pendler, die so auf ihrer Fahrt zum Arbeitsplatz auf das Auto verzichten können. Einige Strecken bieten sich aber durchaus auch zum Sightseeing für Besucher an, etwa Weg Nr. 2 (blaue Route) am Ostufer des Guadalquivir entlang oder - über mehrere Brücken zu erreichen - Weg Nr. 3 (orange Route), der die Isla de la Cartuja sowie die Stadtteile Triana und Los Remedios erschließt.

Fahrradverleih: • Klappfahrräder mit 6-Gang-Schaltung, die bei Bedarf in den Bus oder die Metro passen. Auslieferung und Rücknahme erfolgen am Hotel, gebucht wird nur telefonisch oder über das Internet • Tel. 954916464

-----------------------------------------------------------------------------------------------------

Dieser Text von Thomas Hirsch und Susanne Lipps ist ein Auszug aus dem MERIANlive-Reiseführer "Sevilla"

undefined

Schlagworte: