Afrika Marokko: Naturschutz und erneuerbare Energien

Marokko verfügt über eine im Mittelmeerraum einzigartige biologische Vielfalt. Um diese zu erhalten und für eine umweltverträgliche wirtschaftliche Entwicklung zu nutzen, unternimmt das Königreich deutliche Anstrengungen. So wurde mit der Einrichtung von zehn Nationalparks der Grundstein für aktiven Naturschutz gelegt und ein Gesetz zum Schutzgebiets-Management verabschiedet. Initiativen wie Bienenzucht, organische Landwirtschaft ("produits beldi"), Vermarktung von Aroma- bzw. Medizinpflanzen oder Arganöl bieten vor allem Frauen ein nachhaltiges Einkommen.

Zunehmend wichtiger wird auch das Thema erneuerbare Energien. Wind und Sonne spielen dabei die Hauptrolle. Windparks gibt es bereits bei Essaouira und Tanger - und mit Solarstrom können Dorfbewohner ihre Handys aufladen. In Sachen Architektur zeigt sich ein Trend zurück zur historischen Lehmbauweise und zum Einsatz von Solarenergie - wie sogar beim Flughafen Casablanca. Ecolodges und Ökocamps, zu deren Engagement Wasser- und Abfallmanagement zählen, sowie verstärkte Angebote von Natur- und Wanderreisen zeigen, dass der ökologische Gedanke auch im Tourismus Fuß gefasst hat.

Übernachten

Khaïma Hôtel

Khaïma ist die Bezeichnung für ein traditionelles Nomadenzelt. Vier solcher Zelte aus Wollstoffbahnen bilden das "Hotel" von Alain Djouad-Guiber im Nationalpark Souss Massa, eine knappe Autostunde südlich von Agadir. Der ehemalige Radrennfahrer und Journalist aus Rouen, Mitte der Neunzigerjahre Galionsfigur im Kampf gegen das Doping im Sport, hat sein Öko-Projekt in der Nachbarschaft des Fischerdörfchens Douira angesiedelt. Alains Zeltquartett verfügt über Trocken-WCs und Duschen, gebaut nach dem Hamam-Prinzip: aus Schilfrohr, Erde und Kalk. In den "Komfort"-Zelten gibt es jeweils Doppelbett und "Salon"; das "Routard"-Zelt bietet etwa zehn Strohmatten. Möbel und Dekoration stammen von lokalen Handwerkern, Strom und Heißwasser werden mit Sonnenenergie erzeugt. Gekocht wird auf der Basis von Bio-Produkten, möglichst aus der Region. Mindestaufenthalt 3 Nächte.

• Douar Douira, Aït Melloul • Tel. 0661902400 • €€

Lalla Mira

Marokkos erstes Bio-Hotel, eröffnet 2004 von einer süddeutschen Bio-Gemüsegärtnerin. Das dreigeschossige Haus im Herzen der Altstadt von Essaouira barg einst den ältesten Hamam des Küstenstädtchens. Er blickt auf eine lange Tradition als Heilbad der Gnaoua-Medizin zurück. Nach der umfangreichen Restaurierung wird er nun, als erstes Dampfbad Marokkos, mithilfe einer modernen thermischen Solaranlage erhitzt. Auch die Fußbodenheizung in den 13 Gästezimmern von Lalla Mira basiert auf Sonnenkraft. Zudem ließ Felicitas Christ einen Grauwasserkreislauf installieren. Matratzen, Bettdecken und Kissen sind mit allergikerfreundlichem Kapok gefüllt. Das (öffentliche) Restaurant des Hauses bietet eine einfache und gesunde Küche, zubereitet mit Produkten aus der lokalen kleinbäuerlichen Landwirtschaft und frischem Atlantikfisch.

• Essaouira, 14, rue d'Algérie • Tel. 0524475046 • €€

Dar Itrane

Komfortables Basislager für Wander- und Trekking-Touren im Hohen Atlas: In einer restaurierten Berberkasbah auf 1800 m Höhe im Dörfchen Imel ghas stehen natur- und kulturbewussten Gästen 17 Zimmer, Hamam, Bibliothek und zwei Salons zur Verfügung. Effektives Strom- und Wassermanagement sowie Mülltrennung und Solarzellen gehören zur Philosophie des Hauses. Außerdem unterstützen die Betreiber lokale Projekte wie z. B. die Restaurierung eines Marabouts oder die Einführung von Abfallverwertung.

• Douar Imelghas Commune de Tabant, Azilal • Tel. 0523459312 • 17 Zimmer • €

Essen und Trinken

La Gazelle d'Or

Rita Bennis steht an der Spitze dieses aus dem Anwesen eines belgischen Barons hervorgegangenen Luxusdomizils mit gut zwei Dutzend Pavillons auf 10 ha Garten- und Landwirtschaftsfläche vor den Toren von Taroudannt. Salat, Gemüse, Orangen etc. liegen nur wenige Minuten nach der Ernte schon auf dem Teller der Gäste.

• An der N 10, ca. 1,5 km nordöstl. von Taroudannt • Tel. 0528852048, 0528852039 • €€€

Earth Café

Vom Bauernhof je nach Saison frisch auf den Tisch lautet das Konzept. Die Produkte kommen zum Teil von der eigenen Biofarm im ca. 15 km entfernten Haouz-Tal, zum Teil von lokalen Kleinbauern und werden zu vegetarischen sowie teils veganen Gerichten verarbeitet, bei denen sich mediterrane und asiatische Aromen treffen. Es gibt eine Saftbar, aber keinen Alkohol.

• Marrakech, 2, derb Zawak, Riad Zitoun Kedim • Tel. 06 61 28 94 02 • tgl. ab 11 Uhr • €

Arganöl

Amal, Hoffnung: So nannten die Gründerinnen 1996 die erste Kooperative zur Produktion und Vermarktung von Arganöl, welches Berberfrauen seit alters her nicht nur kulinarisch nutzen, sondern auch für Haut und Haare. Die Arganie zählt zu den ältesten Bäumen unserer Erde. In einem Biosphärenreservat, das sich über eine Fläche von mehr als 2,5 Mio. ha von den Höhen des Atlas- und Anti-Atlas-Gebirges bis zum Atlantik zieht, steht in Marokko ein Bestand dieser alten, vom Aussterben bedrohten Baumart unter UNESCOSchutz. Eingerichtet wurde das Reservat im Zuge eines 2003 aufgelegten EU-Projekts zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Frauen, wie sie in der zum Targanine-Netzwerk gehörenden Kooperative "Hoffnung" in Tamanar oder in den Schwesterprojekten in Aït-Baha, Tidzi oder Tiout tätig sind. Die Frauen treten seither für eine nachhaltige Bewirtschaftung des Bestandes ein.

Zwischen 40 und 250 von ihnen sind allein in diesen vier Kooperativen beschäftigt. Besucher sind willkommen und erhalten in der Regel Kostproben 20 der verschiedenen Öle. Meistens kann man sie vor Ort auch kaufen. Hergestellt wird das begehrte Arganöl aus dem Kern der Arganfruchtnüsse. Die harte Hülle der honigfarbenen, kaum daumennagelgroßen Nüsse knacken die Frauen der Kooperative mithilfe runder Steine. Für das anschließende Mahlen, Rösten und Pressen der winzigen "Mandeln" hat die Kooperative Maschinen angeschafft. Ein paar der traditionellen, tellergroßen und per Hand betriebenen Kernmühlen aus Stein ("Moulinex Berber" genannt) stehen aber noch im Hof.

Ifassen

Frauen aus der Region Berkane fertigen für das 2010 gegründete Label Ifassen aus den allgegenwärtigen schwarzen Plastiktüten ebenso schöne wie formstabile Einkaufstaschen und Portemonnaies. Die benutzten Tüten werden von der Frauenkooperative (die gleichzeitig die Möglichkeit zu einem Alphabetisierungskurs hat) in Heimarbeit gewaschen, getrocknet, in Streifen geschnitten und in traditioneller Technik mit Alfagrasfasern verwoben sowie mit farbigem Stoff aufgepeppt.

Feste und Events

Festival de l'Art du Jardin

Abderrazak Benchaâbane ist engagierter Botaniker und Visionär. Um den Ökotourismus in seinem Land anzukurbeln und seine Landsleute in Sachen Natur zu sensibilisieren, rief er 2007 dieses Festival ins Leben. Seither sind jeweils vier Tage Mitte April dem Thema Gartenkunst gewidmet - mit jeweils verschiedenen Themenschwerpunkten. Das Festival findet an wechselnden Plätzen in Marrakech statt.

• Marrakech, 9, Toualat Zaouiat Lahdar (in der Médina) • Tel. 0524446496

Aktivitäten

Koch-Atelier Lalla Nezha

Im Herzen eines Berberdorfs in der Nähe von Marrakech (an der Straße nach Ourika) bietet Nezha Ahouide in ihrem privaten Haus marokkanische Kochkurse an. Zubereitet werden u. a. eine Tajine, Auberginensalat und ein Dessert; gemeinsam wird dann das Zubereitete gegessen. Auch der gemeinsame Marktbesuch zählt zum Programm. Treffpunkt vor dem Café de France an der Jeema el-Fna • Mobil 067946 7904 • E-Mail: nezha.cook@yahoo.fr • ab 2 Pers. (400 DH/Pers.)

Maultierwanderungen in Imilchil

Die für ihren Verlobungs-Moussem bekannte Gemeinde Imilchil will verstärkt auf nachhaltigen Tourismus setzen und bietet über den neu gegründeten Verein ADRAR nun u. a. geführte Maultierwanderungen in und um Imilchil an (1-3 Tage). Man ist täglich zwischen 5 und 6 Std. unterwegs, genächtigt wird im Zelt oder bei Einheimischen. In Imilchil eröffnen fast 60 Familien die Möglichkeit, mit oder bei ihnen zu wohnen. In der Regel handelt es sich um ein großes Mehrbettzimmer (3-8 Pers.). Auch Mountainbike-Ausflüge und Wander(rund)touren (z.B. 4 Tage mit Station am Lac Isli, in Gourghizen Aghdou und längs des Oued Aqua N'Ouanine mit im Schnitt 25-km-Etappen) werden von ADRAR organisiert.

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Dieser Text von Rita Henss und Ingeborg Lehmannist ein Auszug aus dem MERIANlive-Reiseführer "Marokko".