Italien Elba: Umweltschutz als Zukunftsinvestition

Nachdem 1993 acht von zwölf elbanischen Stränden schlechte Wasserqualität bescheinigt worden war, verbündeten sich erstmals in Italien Hoteliers und Umweltschützer, um mit einem radikalen Kurswechsel vom Massen- zu einem umweltverträglichen Tourismus die Weichen für die Zukunft zu stellen. Einer der wichtigsten Schritte war 1998 die Realisierung des Nationalparks Toskanischer Archipel. Darüber hinaus tragen inzwischen 22 Biohotels ein vorbildliches ökologisches Projekt (www.elbaecohotels.it), in dessen Rahmen sie sich u. a. zu Wasser- und Energiesparmaßnahmen, zur Verwendung von Recyclingmaterialien sowie zur Verarbeitung biologischer Lebensmittel verpflichten. Zur Verbesserung der Umwelt trug auch die erfolgreiche Eindämmung der Touristenflut im Hochsommer durch attraktive Angebote in der Vor- und Nachsaison bei. Und im Mai 2010 beschloss der Gemeinderat von Marciana Marina eine Änderung der Bauordnung, die besagt, dass künftig nur mehr Dachziegel verwendet werden dürfen, die Schwalben einen ungestörten Nestbau ermöglichen. Auch kleine Schritte führen zum Ziel.

 

ÜBERNACHTEN

Hotel Danila
Elbas Traumstrände Scaglieri, Forno und Biodola mit feinem, weißem Sand sind nur ein paar Schritte entfernt. Das gepflegte Haus der gehobenen Mittelklasse inmitten weitgehend unberührter Natur mit all ihren Farben und würzigen Gerüchen wurde für seine Umweltschutzmaßnahmen - u. a. biologisch abbaubare Waschmittel, Wasser-Recycling, Verbannung von Plastikflaschen - sowie für seine umweltfreundliche Erschließung der Insel von der Organisation "Legambiente" mit dem Europäischen Ecolabel ausgezeichnet. Im Restaurant werden vorwiegend Bio-Produkte verarbeitet.

Portoferraio, Spiaggia di Scaglieri • www.hoteldanila.it • Betrieb Ostern–Mitte Okt. • 27 Zimmer • €€€

Hotel Bellavista
Das kleine, intime Haus in atemberaubender Lage am Capo Sant’Andrea, einer üppig begrünten Anhöhe über dem Meer, gehört zu den Bio-Hotels der Insel und ist in vielen Bereichen um möglichst umweltschonende Einrichtungen - von Sparlampen über Solaranlage bis zur Wasser-Wiederaufbereitung bemüht. Von den äußerst schlicht möblierten Zimmern, manche sogar ohne Fernsehgerät, genießen die Gäste einen Rundum-Panoramablick bis nach Korsika. Ein kleiner Fußpfad führt zum Meer (Felsenküste). Auch in der Küche verwendet man vorwiegend biologische Lebensmittel, Fischgerichte dominieren die Speisekarte. Zahlreiche Sportmöglichkeiten in unmittelbarer Umgebung.

Marciana, Loc. Sant’Andrea • www.hotel-bellavista.it • 10 Zimmer • €€

Agriturismo Bioelba
Wer auf Bio-Lebensmittel schwört, die noch dazu frischer kaum sein können, ist auf diesem landwirtschaftlichen Anwesen goldrichtig. Olivenöl, Wein, Eier, Gemüse, Obst, Marmeladen, Honig, Kräuterlikör, Hühner - alles aus eigener Produktion. Für Familien ist die Lage inmitten des Nationalparks wenige Schritte vom Meer entfernt geradezu ideal, können doch Kinder hier ungefährdet spielen. Die vier ganzjährig geöffneten Gästehäuschen zwischen 35 und 70 Quadratmeter verfügen über eine raffinierte Luftventilation, sodass man auf Klimaanlagen gut verzichten kann.

Capoliveri, Straccoligno 1 • www.bioelba.it • Bungalows ab 350 € pro Woche

Camping Valle Santa Maria
Elbas erster Öko-Campingplatz, geadelt mit dem Europäischen Ecolabel, wird streng nach Umweltaspekten geführt. Energie- und Wassersparmaßnahmen sind in der schönen, familien-freundlichen und 20.000 Quadratmeter großen Anlage am Meer ebenso selbstverständlich wie Solarzellen, die stets für Warmwasser - und in den kühleren Jahreszeiten auch für die Heizung - in den großzügig ausgebauten Sanitäranlagen sorgen. Für die Überdachung der Stellplätze wurde ausschließlich Holz verwendet. Statt Plastiktüten werden Stofftaschen zum Einkaufen angeboten. Zahlreiche Sportmöglichkeiten, Kinderspielplatz, Internet Point.

Capoliveri, Via del Mare 91, Loc. Lacona • www.vsmaria.it • Betrieb Ostern– 31. Okt. • 13 Apartments ab 80 € proTag

 

EINKAUFEN

Alchemilla
Nicoletta Affini, die Chefin dieses im wahrsten Sinne des Wortes "duftigen" Ladens, hat sich auf Heil- und Gewürzkräuter aus aller Welt spezialisiert. Auch Kochkurse mit Schwerpunkt Kräuter und Gewürze werden veranstaltet.

Marina di Campo, Via Puccini 37 • Tel. 0565977787

L’AngolodeiSensi
Die gelernte Apothekerin Dina Shojaei Baghini, eine Iranerin, verkauft homöopathische Mittel und andere Produkte der Alternativmedizin sowie haltbare Naturkost und biologische Kosmetika.

Marciana Marina, Via Cotone 2 • Tel. 0565904267

Il Corbezzolo
Dieser Bio-Laden unweit des Hafens von Portoferraio bietet nicht nur eine große Auswahl an Lebensmitteln und Kosmetika aller Art, sondern auch professionelle Beratung bei Hautproblemen und Allergien an. In der Lebensmittelabteilung findet man von frischem Obst und Gemüse über Backwaren, Pasta und Käse bis hin zu Marmelade, Honig, Joghurt und zuckerfreier Eiscreme sowie Baby- und Kindernahrung alles, was das grüne Herz begehrt oder was Allergiker benötigen. Dass auch die hier erhältlichen Wasch- und Putzmittel umweltschonend und hautverträglich sind, versteht sich von selbst. Bachblüten-Kuren gibt es ebenso wie die hauseigene Kosmetiklinie "Il Corbezzolo" mit Pflegemitteln für alle Hauttypen und Hautprobleme.

Portoferraio, Via Carducci 148 • Tel. 0565919237

 

AKTIVITÄTEN

Nationalpark des Toskanischen Archipels
Der Nationalpark umfasst die sieben wichtigsten Inseln Elba, Giglio, Capraia, Montecristo, Pianosa, Giannutri und Gorgona sowie andere kleine Eilande und Klippen mit insgesamt rund 17.694 ha Land und dem mit 61.474 ha Wasserfläche größten Meerespark Europas. Um das Hauptziel, nämlich die Bewahrung des empfindlichen Gleichgewichts von Natur, Kultur und Tourismus, zu erreichen, waren drastische Vorschriften und Einschränkungen in den Bereichen Naturschutz, Jagd, Fischerei, Land- und Forstwirtschaft sowie Tourismus, Verkehr und Bauwesen erforderlich. Dies hatte anfänglich zu erbittertem Widerstand eines Teils der Bevölkerung gegen das Projekt geführt, das jedoch inzwischen nicht mehr in Frage gestellt wird. Man kann auf den Wanderwegen und Mountainbike-Routen außerhalb der strengen Schutzzonen ohne geführte Begleitung unterwegs sein, doch wissen die mehr als 40 - auch deutschsprachigen - Park-Guides viel Interessantes über Fauna und Flora zu berichten. Sie führen die Besucher zu Punkten, von denen aus man Tiere zu Lande und zu Wasser in aller Ruhe und hautnah beobachten kann. Auch Kanu- und Kajakfahrten sowie Tauchgänge stehen auf dem Programm. Besucherzentren mit umfangreichen Darstellungen und Erklärungen gibt es in Marciana (»Casa del Parco«, Fortezza Pisana) und Rio nell’Elba (I Lavatoi) 

Ente Parco Nazionale dell’ Arcipelago Toscano • Infozentrum: Portoferraio, Via Guerrazzi 1 •  www.islepark.it

Palmengarten von Ottone
Die prachtvolle Anlage, eine der artenreichsten ihrer Art in der Toskana, entstand 1910 als sogenannter Akklimatisationsgarten, der nicht nur ornamentalen Zwecken, sondern im Sinne des Umweltschutzes vor allem der Arterhaltung dienen sollte. Hier konnten sich Palmen und andere Pflanzen aus verschiedenen Gegenden der Welt an das Mittelmeerklima anpassen. In wenigen Jahren gelang es, im Giardino dell’Ottone 29 Palmenarten aus ganz Italien das Überleben auf Elba zu sichern und weitere 16 aus aller Herren Länder neu einzuführen und anzupflanzen. In den späten 1980er-Jahren renoviert, präsentiert sich der Orto Botanico nach wie vor in seiner originalen Einteilung; auf Tafeln werden alle Pflanzen im Detail erklärt. Die auf dem 2 ha großen Areal kultivierte Vegetation stammt aus Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Mexiko, Peru und Uru- guay, aus Afghanistan, Pakistan und Persien sowie aus Australien, Kalifornien und Südafrika. Prunkstücke sind eine äußerst rare Blaue Palme (Encephalartos lehmanni), ein zwei Meter hoher Feigenkaktus (Opuntia elata) und der für seinen intensiven Duft berühmte Kalifornische Berglorbeer (Umbellularia californica). Der auch deutschsprachige Katalog (erhältlich an der Rezeption des angeschlossenen Campingplatzes "Rosselba Le Palme") verrät, welche Pflanzen Heilzwecken dienen und welche Palmfrüchte essbar sind.

Portoferraio, Loc. Ottone 3 • Tel. 05 65 93 31 01 • April–Sept. tgl. 10–13 und 15–19 Uhr • Eintritt 1,50 €, Kinder frei

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Dieser Text von Heinz Tomek ist ein Auszug aus dem MERIANlive-Reiseführer "Elba".