Südafrika Grootbos-Lodge

Alle haben sie ihn ausgelacht, wirklich alle. Eine Safari-Lodge ohne Tiere? Guter Witz. Längst sind die Spötter verstummt, und die Gäste, die zum ersten Mal nach Grootbos kommen, verstummen ihrerseits staunend – verzaubert vom Anblick der knorrigen, moosbehangenen Zweige der Milkwoodbäume, von der Farbenpracht der Blüten, von dieser grünen Weite, die Botaniker, aus der ganzen Welt anzieht. Südafrikas Kapregion gilt als eines der sechs kontinenalen Florenreiche. Zwei Drittel aller Pflanzen, die hier zu finden sind, wachsen nur in genau diesem vergleichsweise winzigen Teil der Erde. 

Die Legende dazu: Als der Herr am dritten Tag die Pflanzen über die Erde verteilte, lag frühabends noch ein winziges Stückchen brach. Das aber beschenkte er mit all den schönen Gewächsen, die er dem Rest der Welt vorenthalten hatte. Der Mann, der diesen Paradiesgarten zum Reiseziel gemacht hat, heißt Michael Lutzeyer. Ihm gehört das private Naturreservat Grootbos, der "Große Wald", mit 2500 Hektar Fläche so groß, dass sich die Insel Amrum darauf ausbreiten könnte. Angefangen hat alles ganz klein. 1995 eröffnete Lutzeyer eine Bed-and-Breakfast-Pension auf dem Farmland, das sein Vater Heiner an der Walker Bay oberhalb der Stadt Stanford erworben hatte. Zug um Zug kaufte die Familie Land hinzu und ließ den vom Farmbetrieb ausgelaugten Boden Zeit, sich zu erholen. Mit seiner Frau Dorothee, Bruder Tertius und Schwägerin Gabi entwickelte Lutzeyer währenddessen die Pension zu einem Fünf-Sterne-Resort weiter.

Die "Big Five" der Meere

Spitzenköche zaubern auf "Grootbos" heute Menüs, für die man in Kapstadt langfristige Tischreservierungen in Kauf nehmen würde. Im Weinkeller lagern 6000 Flaschen, darunter die feinsten Sauvignons und Pinot Blancs vom Anbaugebiet Overberg. Damit könnte man doch ein kulinarischer Anlaufpunkt in der Gegend werden? "Nein," sagt Lutzeyer. "Küche und Keller sind nur für unsere Hausgäste." Als Gast des Hauses fährt man mit ihm in die Botanik und lässt sich die Wunder der Pflanzenwelt erklären. Durch Wüsten und Halbwüsten vom Rest Afrikas getrennt, ist ein einzigartiges Gebiet entstanden. Allein von der Protea, Südafrikas Wappenblume, wachsen auf Grootbos 15 verschiedene Arten. Das gelb-orange-rote Leuchten dieser Blüten, dazu das ferne Rauschen der Brandung und der Blick in die Weite über die Milkwoodbäume hinaus auf die Walker Bay – all das sind Eindrücke, die sich dort festsetzen, wo das Gedächtnis Glücksmomente aufbewahrt.

Die Pflanzen sind hier aber nicht das einzige Naturwunder. Wer zum Küstenort Gansbaai fährt, kann von dort aus Wale, Haie, Delfine, Robben und Pinguine erleben: die "Big Five" der Meere. So nah wie in der Walker Bay kommt man diesen Tieren nirgends sonst in Südafrika. Wilfred Chivell betreibt das Unternehmen Dyer Island Cruises. Seine Boote bringen Touristen hinaus aufs offene Meer, in dem sich von Juni bis Ende November bis zu 18 Meter lange Glattwale tummeln, und nehmen Kurs auf Dyer Island, bekannt für seine 50000 Tiere zählende Robbenkolonie und etliche Brillenpinguine.

Der botanische Reichtum von Grootbos

Selbst dem Weißen Hai kann man hier zum Greifen nahekommen: Wagemutige lassen sich bei Chivells Firma Marine Dynamics in einem Käfig an der Bordwand zum Shark-Diving ins Wasser hinab. Das Geschäft mit dem Nervenkitzel finanziert eine gute Sache mit: Ein Teil der Einnahmen fließt in die Forschung von Meeresbiologen, die Pläne für die Erhaltung der global gefährdeten Räuber erarbeiten. Nachhaltigkeit hat sich auch Michael Lutzeyer auf die Fahnen geschrieben.

 

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2004 entstand die Grootbos Foundation. Eines ihrer Schlüsselprojekte heißt Green Futures und soll Jugendliche aus der Perspektivlosigkeit und Armut lotsen soll, indem sie zu Gärtnern ausgebildet werden. Die Leidenschaft für Pflanzen hat Lutzeyer übrigens von seinem Vater geerbt, der bis ins hohe Alter die Flora der Kapregion erforschte. Gemeinsam mit dem Botaniker Sean Privett gab er 2010 ein Buch heraus, Thema: der botanische Reichtum von Grootbos. 765 Arten machten die beiden darin aus, davon sechs, die zuvor unbekannt gewesen waren. Zwei tragen den Zusatz  lutzeyeri in ihrem lateinischen Namen. 

 

REISEGEBIET Grootbos in Südafrika

Das private Naturreservat Grootbos liegt zwei Stunden von Kapstadt entfernt an der Walker Bay: www.grootbos.com 

ANREISE: Nach Kapstadt fliegt außer South African Airways auch Lufthansa direkt. Zur Lodge fahren Sie entlang der Garden Route auf der Nationalstraße N2. 

LODGE: Unterhalb der reetgedeckten Garden Lodge verteilen sich elf Suiten auf Einzelhäuser, weitere zehn gibt es bei der 2004 gebauten Forest Lodge. Dazu kommt die luxuriöse Villa, in der bis zu zwölf Personen leben können. www.grootbos.com/de

KOSTEN: Pro Nacht im DZ ab 160 Euro, Mahlzeiten und viele Aktivitäten inbegriffen. Die Villa kostet ab 3000 Euro pro Nacht. 

MARINE FIVE: Shark-Diving ab 100 Euro, Fahrten zu den "Marine Big Five" ab 60 Euro pro Person.
www.whalewatchsa.com 
www.sharkwatchsa.com

Weitere Informationen und Buchung über www.abendsonneafrika.de

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Autor:
Peter Münch