Düsseldorf Urbanes Rheinufer

Düsseldorf hat das Herz noch immer auf dem rechten Fleck, und das ist das Rheinufer am Schlossplatz. Durch alle Jahrhunderte war dies der Ort, an dem die Stadt wirtschaftete, lebte und Besucher empfing.

Der Turm der Lambertuskirche und der Schlossturm sind die Orientierungspunkte, die das Stadtbild bestimmen und die Einordnung alter Ansichten erleichtern. Denn die Rheinfront hat sich im Lauf der Zeit immer wieder verändert. Die Häuser der Altstadt standen um 1880 in Höhe der Lambertuskirche bis dicht ans Wasser. Erst 1902 wurden die ersten Hochwasserbefestigungen samt Rheinpromenade zum Flanieren gebaut. Der Schlossturm war zwischen den wuchtigen Flügeln des Schlosses kaum zu sehen. Selbst die Ruinen nach dem Schlossbrand 1872, erst 1893 vollständig abgetragen, verdeckten ihn.

Der Warenverkehr per Schiff spielte für die Stadt am Strom eine wichtige Rolle. Deshalb wurde schon früh ein Hafenkran an der Uferbefestigung gebaut. Auch die Verbindung zum westlichen Rheinufer war von großer Bedeutung. Die technischen Möglichkeiten erlaubten anfangs jedoch nur eine von Schiffspontons getragene Brücke, die 1839 installiert wurde. 1898 wurde sie durch die Oberkasseler Brücke, eine Eisenkonstruktion aus zwei tragenden Bögen, ersetzt.

Düsseldorf wuchs ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts enorm, wurde Industriestadt und übersprang 1882 die 100.000-Einwohner-Grenze, 1909 und 1929 wurden viele umliegende Orte eingemeindet. Die Stadt war Wirtschafts- und Verwaltungszentrale und Sitz des Provinziallandtags.

Einschneidende Veränderungen brachte der Zweite Weltkrieg. Bei mehreren großen Luftangriffen wurde die Stadt in weiten Teilen zerstört. Stadtplaner sahen den nötigen Wiederaufbau aber auch als Chance für eine neue, offene Stadtstruktur. Sie wollten die autogerechte Stadt.

Es ist heute kaum noch vorstellbar, aber bis in die fünfziger Jahre spielte der Autoverkehr für die Gestaltung der Stadt praktisch keine Rolle. Erst mit dem beginnenden Wirtschaftswunder wurde das Auto zum Lieblingskind, dem sich alles unterordnete. Da war es ganz selbstverständlich und sogar ein Beweis von Fortschrittlichkeit, dass breite Verkehrsachsen die Städte durchschnitten.

Auch das Rheinufer wurde verkehrsgerecht gestaltet, zum Glück nicht als mehrspurige Durchgangsstraße wie etwa die nicht rückbaubare Berliner Allee. Die Verkehr auf der Uferstraße nahm dennoch von Jahr zu Jahr zu, und wo einst Kähne entluden wurden, waren nun Lkw und Anhänger abgestellt, ein asphaltiertes Gelände, von dem heute weniger Aufnahmen existieren als aus der Zeit zuvor: Wer hier fotografierte, mied den hässlichen Anblick.

Ein Umdenken setzte erst in den achtziger Jahren ein, allerdings mit spektakulärem Ausgang: die Verlegung des Autoverkehrs in den Rheinufertunnel 1993. 550.000 Autos rauschen hier täglich unsichtbar hindurch, darüber jedoch entstand eine Promenade mit Liegewiese, die entlang des Rheins ihresgleichen sucht.