Dubai Shopping in den Emiraten

Ich umkreise den Stand im Shopping-Center Wafi City. "Crème de la Mer", die teuerste Gesichtscreme der Welt. Auf der Basis von Seetang hergestellt und von Blauwalgesängen beschallt. Eine Wundercreme für die weibliche Haut soll sie sein und sie ist mein Wunschobjekt seit vielen Jahren. Der große Porzellantiegel kostet fast 1500 Euro, für mich täte es auch ein kleiner, der in Deutschland aber mit 215 Euro auch nicht gerade billig ist. Pröbchen werden so gut wie nie rausgerückt, ein Tiegelchen mit dem Volumen einer Erbse wird bei Ebay für 30 Euro vertickt.

Wie hypnotisiert starre ich den Stand an, dann kommt Kathy, die Verkäuferin, und fragt:"Would you like a sample?" Und schon überschüttet sie mir die offenen Hände mit Minidöschen, dass sie fast zu Boden kullern. Ich wanke nach draußen, doch in mein Gehirn hat sich der Gedanke an die Crème de la Mer wie ein Enterhaken gebohrt. Soll ich? Oder soll ich nicht?

Eigentlich verbietet sich die Frage. Shoppen ist ein Muss in Dubai, schon der Name des Emirats verkündet den Imperativ: "Do buy!" schnurrt er, "Do buy, du wärst dumm würdest du es lassen! So exquisit - und so steuerfrei!" Und weil der Dirham an den US-Dollar gebunden ist, liegt der Euro ganz schwer und selbstbewusst im Portemonnaie.

Außerdem lockt Dubai mit besonderen Angeboten. Einen Höhepunkt markiert das jährliche Shopping Festival im Winter (www.mydsf.com). Vier Wochen lang laufen dann die Kreditkarten heiß, bei einem Einkaufsmarathon, der zum Gesellschaftsereignis wird: Allererste Ware wird um bis zu 70 Prozent günstiger verkauft, für jeden Einkauf erhält man ein Los, mit dem man am Abend an einer Lotterie teilnehmen kann - Luxusautos gibt es zu gewinnen oder kiloschwere Goldbarren, und das jeden Tag aufs Neue. Nachts illuminieren Feuerwerke die Kunst des Konsums, internationale Stars geben Konzerte.

Die Hotellerie beteiligt sich am Shopping Festival mit günstigen Angeboten, die Fluglinien gewähren wegen voller Taschen zusätzliches Freigepäck. Allzu viel Skeptik und Gedankenschwere darf man hier nicht mitbringen. Aber wer sich auf das Einkaufserlebnis einlässt, erlebt einen wunderbaren Rausch, der einen beim Betreten jeder weiteren Mall aufs Neue befällt. Die drei Dutzend Shoppingmalls - 20 weitere befinden sich im Bau - sind keine simplen Ladenzeilen, sondern Themenparks, surreale Wunderwelten, futuristische Rummelplätze.

Die "Wafi City Mall" bietet zwischen steinernen Sphingen und unter Glaspyramiden exklusivste Designermode, die "Mercato Shopping Mall" gibt sich als pastellbuntes Italien mit Säulenversatzstücken und arkadischer Wandmalerei. Mittelpunkt ist die Piazza del Popolo. Dort trinken Männer in schneeweißen Dischdaschas Tee, sitzen ganze Familien vor dem Kinobesuch bei McDonald's, stecken junge Mädchen in schwarzen Abayas kichernd ihre Köpfe zusammen.

In den vollklimatisierten Malls gehen Familien spazieren (draußen wäre es zu heiß),Teenager- Cliquen bereiten sich auf die saturday night vor, europäische Gastarbeiter treffen sich auf einen Cappuccino in einem der zahlreichen Starbuck- Cafés.Die Malls sind wohltemperierte Raumkapseln, in denen das soziale Leben der modernen Araber stattfindet, Begegnungsstätten, funkelnd vor Luxus und Sauberkeit. Nach dem Besuch bei Strenesse geht es ins Spa zur Hot Stone Massage, dann zum Lunch - japanisch, französisch, Cross-over-Cuisine oder panasiatisch. Danach vielleicht Skifahren.

Das kann man in der monströsen "Mall of the Emirates": Ihre Hauptattraktion, die größte Indoor-Skihalle der Welt, hat eine 25 Stockwerke hohe Betonpiste, auf der 6000 Tonnen Schnee liegen. Mehrmals täglich rieseln die Flocken, und bei draußen 45 Grad Hitze herrscht drinnen konstant frostig ein Grad unter Null. Für die tausend Wintersportler, die gleichzeitig die Piste hinunterwedeln können, gibt es Lifte und Skiverleihstationen. Auch Anorak und Pudelmütze kann der Pistenfex dort mieten, damit er sich keinen Schnupfen holt. Und im St. Moritz Café leiten die Skihasen das Après ein. Christa Kinshofer ist Präsidentin des Dubai Ski Clubs, Franz Beckenbauer ist seit kurzem Mitglied.

Die Malls sind ein großer Spaß, der nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat. Und der gerade deswegen so rasant und konzentriert genossen werden muss wie ein Rausch. "City of Gold" steht da, wo sich Sesam öffnet: am Eingang des Gold Souks. Klimatisiert, eng und hell erleuchtet reiht sich ein Juweliergeschäft ans andere.Wie Kesselfleisch wird dort Schmuck pfundweise verkauft, wie Würste hängen schwere Ketten von den Decken, Armreife reihen sich dicht an dicht wie Brezeln auf der Stange.

Ein Ring, ein Collier, ein Herz aus Gold - auf die Waagschale damit und gewogen! Und noch einen drauf! Der Tagespreis für die Feinunze Gold bestimmt den Handel. Dubai ist einer der größten Edelmetall-Handelsplätze der Welt, und Gold ist hier deutlich günstiger als anderswo. Im Gewürz Souk, einem kleinen Straßenzug mit winzigen Lädchen, findet der Hobbykoch seine Mitbringsel: Es riecht nach Zimt, Gelbwurz und Kardamon.Vanilleschoten gibt es und getrocknete Zitronen, die Reisgerichten ein unvergleichliches Aroma verleihen. Currys kiloweise und Sternanis für Centbeträge. Safran kann man mit vollen Händen aus Säcken greifen und seine filigranen Fäden durch die Finger rieseln lassen.

Das kostbare Gewürz wird aus Krokusblüten gewonnen. Nur drei sattrote Fäden enthält eine Blüte, für ein Kilo Safran müssen mindestens hunderttausend dunkelviolette Krokusse gerupft werden. Deswegen ist das Gewürz teuer - und wird gern gefälscht. Um zu testen, ob die Blütennarben echt sind und nicht etwa von der Ringelblume stammen, muss man ein paar Fäden in Wasser geben. Echter Safran färbt es augenblicklich tief karmesin.Wer sicher gehen will, kauft den Safran im eingeschweißten Döschen im Supermarkt. Er ist garantiert rein - und sehr viel günstiger als daheim.

Ich stehe im Flughafen, bin wieder geblendet: Der größte und schönste Duty-free-Shop der Welt. Sein Mittelpunkt, wie ein Altar: Der Stand von "Crème de la Mer". Und da kommt sie, die Weisung von oben, das Täfelchen rechts verspricht: "20% off". Mein Geld rumort in der Tasche, es möchte raus und ich gebe nach. Beim Bezahlen fühle ich mich feierlich, wie beim Eintritt in einen Geheimorden. Ich nehme das Päckchen entgegen und ahne Vibrationen vom Blauwalgesang. "Fly, buy, Dubai", steht auf dem Kassenbon. Und genau so macht man es hier.

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Verena Lugert