Berlin Beste Baumkuchen-Bäckerei der Stadt

Am Anfang war Onkel Gustav der Erste, Konditormeister und Unternehmer in Cottbus. Er gründete im Jahre 1852 dort die Baumkuchenbäckerei Buchwald. Damit wurde er wohlhabend und weit über die Grenzen der Stadt bekannt. Sein ältester Sohn, Gustav der Zweite, übernahm das Geschäft und eröffnete im Jahre 1900 eine Filiale in Berlin, an der Brückenallee in Moabit, die heute Bartningallee heißt.

Dort, wo die Bärenbrücke über die Spree führt, mietete er ein Ladenlokal mit zwei Räumen, hinten wurde gebacken, vorn serviert und verkauft. Bald wussten auch die Berliner: Den besten Baumkuchen der Stadt gibt es bei Buchwald, dem Hoflieferanten der Hohenzollern. Onkel Gustav der Zweite war noch fleißiger als sein Vater, er arbeitete Tag und Nacht und vergaß darüber, eine Familie zu gründen. Ohne Frau und Nachkommen übergab er die Bäckerei Ende der zwanziger Jahre an seine Nichte Käthe, eine gelernte Kauffrau. Die führte das Geschäft gute 65 Jahre, bis sie 1993 starb.

Nur während des Krieges musste sie eine Weile aussetzen, denn "Baumkuchen war nicht kriegswichtig, und Mama musste in einer Brotfabrik am Alex Brot backen", sagt ihre Tochter Ursula Kantelberg, die 1941 geboren wurde und mit 22 ihren Meisterbrief bekam. "Ich war die jüngste Konditormeisterin, die Berlin je hatte." Seit Mutter Käthes Tod ist sie die Chefin im Buchwald, ihre Tochter Martina, 1960 geboren, hat ebenfalls Konditorin gelernt und wird das Geschäft eines Tages übernehmen. "Die Konditorei ist unser Leben, darum dreht sich alles."

Und so ist das Buchwald nicht nur eine Berliner Institution, die man in keinem Reiseführer findet, sondern auch noch eine Insel des Matriarchats. Und eine historische Rarität, die man unter Denkmalschutz stellen müsste, damit nachkommende Generationen erfahren, was es alles gegeben hat, bevor das Bistro und der Imbiss erfunden wurden. Es hat sieben Tage in der Woche und 364 Tage im Jahr geöffnet, nur am 1. Januar wird nicht serviert. Der Besucher betritt ein Reservat, das so eingerichtet ist wie eine Berliner gute Stube zur Zeit von Heinrich Zille.

An den Wänden kleben Strukturtapeten, von der Decke hängen handgeschnitzte Holzkandelaber, die hohen Fenster werden von weißen Raff-Stores verdeckt. Das Parkett wurde seit Kriegsende, als eine alliierte Bombe ins Haus stürzte, nicht erneuert. Während das Möhring und das Kranzler am Kurfürstendamm ständig modernisiert wurden, hat man hier alles so gelassen, wie es war. "Die Leute mögen so was Altmodisches", sagt Ursula, "wir sind etwas Besonderes, darauf legen wir Wert".

Im Buchwald gibt es selbstgemachte Kuchen und Torten, wer ein belegtes Brötchen zum Frühstück oder eine Mini-Pizza zu Mittag haben möchte, hat sich in der Tür vertan. "Wenn man reinkommt, soll es nach Kaffee riechen", erklärt Ursula, "nicht nach Teig aus der Mikrowelle." Ein Sofa und 16 Tische bieten Platz für 60 Besucher. Im Sommer kommen noch vier Tische im Vorgarten dazu. Drei Viertel der Gäste sind Stammkunden, der Rechtsanwalt und grüne Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele, der seine Kanzlei gleich um die Ecke hat, "kommt öfter rüber" und bestellt eine Marzipantorte. Seit dem Regierungsumzug erscheinen auch die Leute vom Innenministerium auf der anderen Seite der Spree. "Die kennen wir aber nicht persönlich, und es hat sich auch noch keiner vorgestellt."

Einst war das Buchwald Hoflieferant des Kaiserhauses. "Onkel Pauli" konnte sich noch daran erinnern, wie alle paar Tage eine Kutsche mit dem Wappen Seiner Majestät zum Einkaufen vorfuhr. Pauli war kein richtiger Onkel, "aber er gehörte zur Familie", sagt Frau Kantelberg, weil er mehr als 60 Jahre in dem Betrieb gearbeitet hatte. "Er war nie krank, nur zweimal im Krieg." Heute liefert Buchwald in alle Welt. Der Baumkuchen wird das ganze Jahr über hergestellt und verkauft, ab Oktober läuft die Produktion auf Hochtouren. Dann gehen Hunderte von Paketen auf die Reise, vor allem in die USA, wo die Spezialität aus Berlin vielen das Weihnachtsfest versüßt.

"Wir machen keine Reklame, nicht einmal in Berlin, unsere Qualität ist die beste Werbung." Einmal im Jahr macht sich Ursula Kantelberg selbst auf den Weg, ein Stück Baumkuchen im Gepäck. Sie reist zum Urlaub in die Wüste, am liebsten nach Namibia. Afrika ist ihre zweite große Liebe. Gleich nach dem Café Buchwald an der Bärenbrücke in Berlin-Moabit.

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