Lexikon Arktis

Natur:

Die arktischen Hochländer überschreiten nur selten die 2000-Meter-Grenze. Dennoch haben Frostverwitterung und Gletscher steile Formen geschaffen - mit zerklüfteten Felsküsten und weit einschneidenden Fjorden. Von einigen Gebirgszügen fließen Gletscher direkt in das Meer und bilden gewaltige Eisberge, die weit nach Süden in die atlantischen Schiffsrouten eindringen können.

Die arktischen Meere sind mit Packeis jahreszeitlich schwankender Ausdehnung bedeckt. Wind und Meeresströmungen lassen einzelne Eisschollen in verschiedenen Zirkulationssystemen driften. Dabei können Eisplatten bis zu 30 Meter hohen Pressrücken aufgetürmt werden.

Klima:

Durch den Einfluss des Nordpolarmeers ist das Klima gemäßigter als in der Antarktis. Nur 100 bis 250 mm Niederschlag jährlich fallen überwiegend als Schnee. Die Sommertemperaturen über dem Packeis liegen fast konstant bei circa 0 Grad. Typisch sind eine tief hängende Wolkendecke und besonders in Küstennähe häufiger Nebel.

Pflanzen- und Tierwelt:

Meist ausdauernde, aber kleine Pflanzen bilden die artenarme, spärliche Vegetation der eisfreien Gebiete (Polarweide, Zwergbirke, Flechten und Moose). Auf ihrer Grundlage leben unter anderem Moschusochse, Ren (Hauptnutztier), Eisfuchs, Wolf, Polarhase, Hermelin, Eisbär und zahlreiche Vogelarten, im Meer Wale, Robben, Seehunde und Dorsche.

Bevölkerung:

Im Gegensatz zum Südpolargebiet ist die Arktis bewohnt. Außer einigen 10.000 Angehörigen der Polarvölker, der Samen (Lappen), Inuit (Eskimo) und der nordasiatischen Völker (Nenzen, Jakuten, Tschuktschen) wohnen hier seit einigen Jahrzehnten auch einige 100.000 Menschen aus gemäßigten Breiten, die besonders vom Bergbau, vom Fischfang und von der Jagd leben.

Wirtschaft:

Die wichtigsten Bodenschätze sind unter anderem Kohle auf Svalbard (Spitzbergen), Kryolith und Graphit auf Grönland, Uran, Gold, Erdöl in der amerikanischen Arktis sowie Kohle, Erdöl, Nickel und Apatit in Nordasien. Außer den Bergbausiedlungen entstanden zahlreiche Eis-, Wetterbeobachtungs- und Radarstationen, Flugstützpunkte und Häfen, letztere vor allem entlang des nördlichen Seewegs an der Küste Nordasiens, in jüngster Zeit auch entlang der Nordwestpassage. Aufgrund des Klimawandels ist die wirtschaftliche Inwertsetzung des Polargebiets zunehmend rentabel geworden. Dies führt zu Interessenkonflikten der Anrainerstaaten.

Entdeckungsgeschichte:

Die erste Erkundung der Arktis wurde von normannischen Seefahreren getragen (ab 982 Grönland, ab 1194 Spitzbergen). Im Zeitalter der großen Entdeckungsreisen (15./16. Jahrhundert) führte die Suche nach dem günstigsten Seeweg nach Indien und Ostasien in die Gewässer des Nordens. Die Nordwestpassage durch die Inselwelt des Kanadischen Archipels wurde aber erst von 1903 bis 1906 von dem Norweger Roald Amundsen bezwungen. Die Nordostpassage hatte bereits 1878/79 der Schwede Adolf Erik Nordenskiöld durchfahren. Das US-amerikanische Atom-U-Boot "Nautilus" unterquerte 1958 den Nordpol; der sowjetische Eisbrecher "Arktika" erreichte ihn 1977 auf dem Wasserweg.