Fast Lane Her mit der Railforce One!

Nach zwei Wochen persönlicher Vervollkommnung, heimischer Küche, spontanen Umtrunken in der Kneipe neben unserem Büro und dem Ärger, der automatisch entsteht, wenn man mit britischen Bauarbeitern zu tun hat, markierte der Montag den Beginn von Muttis Geburtstagswoche. Mats blieb zu Hause, um an der Eröffnung seines neuen Men's Store zu arbeiten (und auf die Bauarbeiter aufzupassen), Mama und ich bestiegen am Vormittag den Zug nach Paris.

Während wir uns mit unseren Zeitungen, Magazinen und Kaffees gemütlich einrichteten, beobachtete ich unsere den Bahnsteig entlanggehenden Mitreisenden und fragte mich, warum die Leute ihre aufblasbaren Nackenkissen unbedingt bereits aufgepustet mit sich herumtragen müssen? Besteht der Witz des Ganzen nicht gerade darin, dass man sie in die Tasche packt und dann später aufbläst, statt sie am rollenden Rucksack zu befestigen? Mutter zeigte sich durch die sich durch den Waggon schiebenden Menschen mit ihren weit über das Gepäck hinausragenden Kopfpolstern sogar noch verwunderter. "Warum muss man mit einem riesigen Kissen verreisen?", fragte sie. Machen die Leute das, weil sie Allergien oder Schlafprobleme haben? Wie viele Kissenbezüge besitzen sie? Und gibt es eine besondere Verbundenheit zwischen Kopfkissen-Reisenden?

Als der Zug St. Pancras verließ, vertiefte ich mich in einen Artikel über Nordkoreas "Geliebten Führer". Während wir durch die Vororte Londons brausten, dachte ich über Kim Jong-ils charmante und völlig vernünftige Gewohnheit nach, immer mit dem Zug zu verreisen, sowie die Tatsache, dass er dafür so wenig Anerkennung erntet. Angesichts seiner abscheulichen Bilanz (eine hungernde Bevölkerung, eine katastrophale Menschenrechtslage, nukleare Ungezogenheiten und fehlender Respekt für bestehende Grenzen) ist es verständlich, dass seine umweltfreundliche Vorliebe für Langstreckenfahrten nicht gewürdigt wird. Aber Big Kim scheint mit seinen privaten Waggons und der entspannten Herangehensweise, große Distanzen zu überwinden, eine Entwicklung anzustoßen. Er könnte sogar als gutes Beispiel für alle Präsidenten dienen, ein bisschen mehr Zeit auf dem Boden zu verbringen und einen Zug in Betracht zu ziehen, statt von A nach B zu rasen, ohne die Aussicht zu genießen (und zu analysieren).

Klar, für die USA wäre eine "Railforce One" ein Sicherheitsrisiko, aber das Besteigen eines Zuges würde auf der anderen Seite auch eine Menge Vorteile bringen: Zum Beispiel jede Menge Möglichkeiten einfach anzuhalten, um Babys zu küssen und Bauern abzuklatschen, mehr Platz für weitere Mitarbeiter und ein größeres Presse-Korps sowie einen "grünen" Heiligenschein.

Der Zug meiner Träume

In Großbritannien, wo nicht länger über eine "Blairforce One" geschweige denn einen winzigen Koalitionsjet diskutiert wird - der Prime Minister wird für die meisten Fernreisen weiterhin ein kommerzielles Flugzeug chartern -, dürfte der Zug ebenfalls die bessere Wahl sein, um im Land herumzukommen und die Beziehungen zum Kontinent zu stärken. Er könnte die dringend notwendige Revolution der Infrastruktur ankurbeln und die neue Führungsriege des Vereinigten Königreiches (beziehungsweise alle Politikern) täglich daran erinnern, wie das Leben auf Straßenhöhe und draußen auf dem Land aussieht. Regelmäßige Fahrten durch giftige Teile New Jerseys, Stadtviertel in Manchester und vergessenen Gegenden in Frankreich sollten wichtige soziale Programme und Verbesserungen für die Umwelt beschleunigen.

In Anbetracht des zerschlissenen, voll gestopften Eurostar-Waggons fing ich an, mir vorzustellen, wie ein maßgeschneiderter Wagen aussehen könnte und wie anders sich Mutters Geburtstagstour gestalten würde. Die Route London-Paris-Helsinki-London-Beirut wäre dann eine exklusive Variante einer Reise im Orient-Express. Ich würde dafür votieren, die festen Einrichtungsgegenstände im Inneren des Wagens von dem in Stockholm ansässigen Architekten Andreas Martin-Löf gestalten zu lassen, dazu Teppiche der schwedischen Firma Kasthall, Paneele aus Teak-Holz und Aluminiumleisten in Mattgold. Mit ein bisschen guter Planung würde man wohl auch Platz für etwa vier private Liegesitze, eine Bordküche, zwei Vollbäder sowie einen großzügigen Salon mit Sofas, Tischen und Sitzmöbeln von Carl Malmsten und Artek sowie Stoffe von Johanna Gullichsen schaffen.

Statt in ein Hotel in Paris einzuchecken, würden wir in unserem Waggon schlafen und dann am nächsten Tag über Nacht nach Finnland reisen.

Im europäischen Eisenbahnnetz meiner Träume gäbe es besondere Auffahrrampen an den Fähren, um den Zügen an allen wichtigen Meerespassagen entgegenzukommen, und die Vernetzung der Infrastruktur wäre darauf ausgerichtet, Nachtfahrten zu maximieren. Je mehr ich über dieses neue Leben auf den "fast tracks" nachdachte, desto mehr fragte ich mich, wie viel eine Waggon-Überarbeitung tatsächlich kosten würde und wie kompliziert es wäre, in Europa angekoppelt an das Ende eines regulären Personenzuges herumzureisen. Ich glaube, ich bin ein wenig eingenickt, als ich die schiere Komplexität der ganzen Gedankenübung abwog.

Als wir in den Gare du Nord einfuhren, wurde mein Optimismus wiederhergestellt, da ich einige wunderschöne alte SNCF-Waggons im Bahnhof sah und dachte, wie leicht es dort sein würde, Geschäfte abzuwickeln, Ferien zu machen und mit einem ganz anderen Tempo quer durch Europa zu reisen - ohne das Theater der Luftverkehrskontrollen und wetterbedingten Verspätungen sowie der Widersprüche, die mit Hotelaufenthalten verbunden sind. Ich könnte Andreas einfach dazu überreden, seinen Bleistift zu spitzen und ich werden Sie wissen lassen, wenn alles "an Bord" ist.

Autor:
Tyler Brûlé