Fast Lane Fröhliche Sparnacht!

In dieser Woche wurde in meiner High Street ganz offiziell die Weihnachtszeit eingeläutet: Geschäftsleute und Hausbesitzer hatten sich zusammengetan, um die entlang der Haupteinkaufsstraße angebrachten Lichterketten einzuschalten und damit die alljährliche Jagd auf Geschenke zu eröffnen. Auch wenn ich es nicht zum eigentlichen Event schaffte (in den vergangenen Jahren hampelte da auch immer "Carry on"-Star Barbara Windsor herum, die dann den Schalter umlegte), konnte ich zumindest an einem stürmischen und feuchtkalten Mittwochnachmittag die Vorbereitungen mitverfolgen.

Eine Handvoll Zelte war errichtet worden, die Straße wurde mit Schildern und orangefarbenen Verkehrshütchen abgesperrt, Polizisten liefen herum und nuschelten in ihre Walkie-Talkies hinein und dann gab es noch viele Menschen in diesen leuchtend gelben Sicherheitswesten, die offenbar inzwischen Standard sind, wenn es darum geht, Menschenmassen zu beaufsichtigen, Tee zuzubereiten oder eine Straße zu überqueren. Was eigentlich als Generalprobe für eine festliche Zeremonie dienen sollte, hatte allerdings den Charme einer Katastrophenschutzübung. Die Zutaten des Ganzen wirkten eher, als seien sie für die rasche Entsendung in ein Notstandsgebiet vorgesehen als für einen stimmungsvollen vorweihnachtlichen Abend.

Hätte es der Atmosphäre geholfen, wenn der Himmel sternenklar gewesen wäre? War das Budget drastisch gekürzt worden und all die gemütlichen Holzhütten, Elfen, Rentiere und Schneemaschinen zu Gunsten einfacherer Lösungen von der Stange verworfen worden? Hatte der Praktikant, an den die Organisation offenbar letzten Freitag delegiert worden war, aus purer Bosheit Sicherheitswesten statt der hübsch verzierten Weihnachtsmannschürzen bestellt?

Der Mangel an Angeboten ist geradezu alarmierend!

Die Antwort ist leider weniger fantasievoll. Seitdem die neue Regierung an der Macht ist, werden die Schlagzeilen von Diskussionen über Sparmaßnahmen und umfangreiche Einschnitte beherrscht. Deswegen wird nun alles durch die Sparbrille betrachtet: Lasst uns Flugzeugträger bauen, aber nicht die dazu gehörende Flotte an Flugzeugzeugen. Lasst uns das Schienennetz verbessern, aber nicht auch noch in Waggons aus dem 21. Jahrhundert investieren. Lasst uns eine königliche Hochzeit ausrichten, sie sollte aber bitte nicht zu verschwenderisch rüberkommen.

Eigentlich ist es jedoch nicht verwunderlich, wie schnell das ganze Land sich dem Spar-Credo angeschlossen und es zu seinem neuen Mantra erklärt hat. Der britische Konsument ist schließlich schon seit Längerem an "Weniger" gewöhnt und der Trend zur begrenzten Auswahl und Effizienz scheint statt von oben nach unten durchzusickern eher den umgekehrten Weg zu nehmen. Die armen Schweine, die die örtliche Weihnachtsfeier auf die Beine stellen mussten, haben in dieser Hinsicht also ihr Bestes gegeben, denn die Regale der für die Festtagsstimmung Verantwortlichen waren aufgrund der neuen Effizienz-Offensive - die Weihnachten offensichtlich zu einem Fest deklariert hat, das man am besten ignoriert - völlig schmucklos: kein Lametta, keine Berghütten aus Holz, keine niedlichen Weihnachtsmannschürzen.

Schauen Sie sich Kataloge, Webseiten und Einkaufsregale in ganz Großbritannien an und Sie werden bemerken, dass die mangelhafte Auswahl geradezu alarmierend ist. Besuchen Sie eine der wenigen noch übrig gebliebenen Buchläden und jeder wird es Ihnen nachsehen, dass Sie einen Moment lang dachten, entweder seien alle Bücher schon digitalisiert worden oder die lieben Finnen hätten aufgehört, das Papier zu produzieren, auf dem sie gedruckt werden. Geschäftsleute sind so auf die neue Effizienz geeicht, dass es ihnen gelungen ist, dem Kunden jede Hoffnung auf glückliche Zufallsfunde und ungeplante Entdeckungen in ihren Läden zu nehmen: Sie machen sich so höchst erfolgreich selbst überflüssig.

Minderwertige, hässliche und armselig wirkende Koffer

Viel Glück auch bei der Suche nach irgendetwas Überraschendem in den Zeitschriftenregalen eines Flughafens im Vereinigten Königreichs. Oder besuchen Sie Kaufhäuser, die immer als Garanten einer vielfältigen Auswahl und Fundgrube an Neuentdeckungen geschätzt wurden: Die Situation ist die gleiche. Nicht nur, dass der Verbraucher mit einem Haufen vorhersehbarer Marken konfrontiert wird, er wird auch noch bemerken, dass nichts mehr im Lager vorrätig ist. Und Gott bewahre, wenn Sie den Wunsch äußern, etwas in einer anderen Farbe als Schwarz oder Weiß erwerben zu wollen - die Lieferzeit wird etwa sechs Monate betragen. Das wäre sogar noch verzeihlich, wenn wenigstens Qualität und innovative Waren angeboten würden, aber häufig ist nur der auf den kleinsten gemeinsamen Nenner gebrachte Quatsch ausgestellt.

Am vergangenen Wochenende begab ich mich in eines der beliebtesten Kaufhäuser dieses Landes, um mir ein Wi-Fi Radio zu holen (eine gute Anschaffung, wenn ich das hinzufügen darf!) und war schockiert von den zahlreichen minderwertigen, hässlichen und armselig wirkenden Koffern, die zum Verkauf standen. Man konnte förmlich zusehen, wie die Kunden mit sich kämpften - nicht weil sie ob des berauschenden Angebots unentschieden waren, sondern weil sie überlegten, welches Gepäckstück auf einem Laufband am Flughafen gerade noch erträglich aussehen würde. Auf meinem Weg nach draußen sah ich, dass sich ähnliche Szenen, in denen Kunden mit der kleinen Auswahl haderten, auch in anderen Abteilungen abspielten.

Haben die Großeinkäufer solcher Läden damit nun im Interesse der Kunden gehandelt? Hätten sie sich nicht für höhere Budgets einsetzen können mit dem Argument, dass auch der Umsatz steigt, wenn ein Geschäft vertrauenswürdig und gut bestückt wirkt? Gehört es nicht zum Einmaleins des Einzelhandels, dass ein Laden in jedem Fall die Illusion von Überfluss vermitteln sollte? Man kann darüber diskutieren, dass eine geringere Auswahl zu größerem Luxus führt, da so mehr Zeit für andere Tätigkeiten bleibt, das Leben effizienter gestaltet wird und man sogar mehr Geld übrig behält. Als ein Konsument ziehe ich es jedoch vor, selbst zu entscheiden, wie effizient ich sein möchte oder wo ich meine Mittel ausgebe. Weihnachten sollte eine Zeit des Vergnügens sein - für Verkäufer wie Käufer -, aber davon ist man in Großbritannien wirklich sehr weit entfernt.

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Autor:
Tyler Brûlé