London Das Leben von Queen Elizabeth II.

Ein imposanter Augenblick! Königin Elizabeth II, vom Buckingham Palace 7 in London kommend, fährt in ihrer Kutsche die breite Mall entlang, begleitet von den farbenfrohen Regimentern der Kavallerie. Menschenmassen jubeln ihr zu, wedeln mit Taschentüchern und Union Jacks. Punkt elf Uhr hält der Zweispänner auf dem großen Platz vor dem Horse Guards Building in Whitehall. Hunderte Soldaten haben ihre prächtig aufgeputzten Pferde gezügelt, die Garden präsentieren salutierend ihre Fahnen, Musikkapellen spielen Märsche aus aller Welt. "Trooping the Colour" heißt die Militärparade zu Ehren des Geburtstags der Queen, der alljährlich am zweiten Samstag im Juni gefeiert wird und mit einem royalen Winken vom Balkon des Buckingham Palace herab endet.

Ein Gitterwerk trennt den Palastvorhof von der Außenwelt. Täglich stehen hier Schaulustige und verdichten sich zu einer verzückten Menge, sobald die Wachposten in ihren roten Uniformen und den schwarzen Bärenfellmützen ihren Schichtwechsel vollziehen, das viel fotografierte Spektakel "Changing of the Guards". Buckingham Palace im Bezirk City of Westminster ist noch gar nicht so lange die offizielle Residenz der britischen Monarchen. Erst Königin Victoria erklärte das ehemalige Stadtpalais des Herzogs von Buckingham 1837 dazu. Unvorstellbar, was sich innerhalb der königlichen "Stadtwohnung mit Büro", die 77.000 Quadratmeter umfasst, verteilt: Unter den 775 Räumen allein 188 Schlafzimmer und 92 Büros für über 800 Menschen, die hier ihren Arbeitsplatz haben. Prachtvoll der Ballsaal. Hier empfängt Königin Elizabeth II ihre Staatsgäste, in diesem ehrwürdigen Rahmen werden jene Bürger in den nicht erblichen Ritterstand erhoben, die sich um das Inselreich verdient gemacht haben. Das Präfix "Sir" oder "Dame" vor dem Namen ist für viele Briten das erstrebenswerte Lebensziel schlechthin. 

Der Garten hinter dem Buckingham Palace ist Schauplatz der Garden Party 

Die eigentliche Front des Buckingham Palace 7 ist die rückwärtige Fassade. Sie geht zum größten privaten Garten der City hinaus, mit makellosem Rasen, Staudenrabatten, Rosen, Platanen, Kanadischem Ahorn und einem glitzernden See. Kaum ist der königliche Geburtstag gebührend gefeiert, steht das nächste Fest an. An drei Nachmittagen im Sommer lädt die Queen zu ihrer berühmten Gartengesellschaft. Tausende verteilen sich auf dem weiten Grün. Die Gäste dieser jährlichen "Garden Party" fühlen sich privilegiert. Die Auswahl erfolgt nach strengen Kriterien, und man muss schon etwas in Politik, Wirtschaft oder Sozialwesen, in der Kultur oder Armee für sein Land getan haben, will man zu denen gehören, die von Ihrer Majestät in den Garten gebeten werden.

Tees mit Törtchen und Kresse-Kanapees werden serviert, unter weißen Zeltdächern gibt es Erdbeeren mit Sahne, man vergnügt sich beim Small Talk. Natürlich tragen die Damen Hüte oder sie haben ihre Köpfe mit federleichten "Fascinators" dekoriert. Punkt 16 Uhr dann ein Trommelwirbel. Die königliche Familie tritt auf die Schlossterrasse. Elizabeth II in knalligem Pink, Prinz Philip im Stresemann und grauem Zylinder. Allgemeine Stille. Das Militärorchester spielt die Nationalhymne.

Zu Gast bei der Queen - die höchste Ehre Dann geht die Königin mit einem feinen Lächeln auf die Menschen zu, Prinz Philip stets einen Schritt hinter ihr, gewissenhaft und dabei souverän. Hin und wieder wird er als realitätsferner Snob und wegen seiner taktlosen Frotzeleien milde gerügt, aber man mag ihn. Wie klein sie doch neben dem hochgewachsenen Mann wirkt! Zwei Menschen, die das Prinzip der Pflichterfüllung ins Zentrum ihrer Philosophie gestellt haben und in Würde altern.

Jede Menge Bürostunden und Termine stehen täglich an

Sie Jahrgang 1926, er 1921. Noch sechs Stunden täglich sitzt die alte Dame und Chefin von 16 Ländern in ihrem Büro, studiert Regierungsdokumente und unterschreibt sie. Einmal wöchentlich ist Termin mit dem Premierminister. Ihre Rolle: "Als repräsentatives Staatsoberhaupt soll sie beraten, ermutigen und warnen."

Ein Zeremoniell die Parlamentseröffnung: Die Queen betritt den Palace of Westminster 29 durch den Victoria Tower. Die Treppe hinauf in den "Robing Room", ein riesiges Staatsgemach mit Mosaiken, vergoldeten Statuetten, Gemälden und Fresken. Der n.chste Raum ist ein Kunstgenuss: Queen’s Gallery. K.nigsportr.ts und Monarchenstatuen in strahlendem Gold. Schließlich der üppig ausgestattete Ratssaal des House of Lords 29. Sitzbänke in Rot und Buntglasfenster. Am Südende steht der geschnitzte und vergoldete Baldachin über dem Thronsessel der K.nigin, daneben, etwas niedriger, ein zweiter Thronsessel für ihren Gemahl. Sie hatte sich schon als 13-Jährige in ihn verliebt, in Philip Mountbatten, Prinz von Griechenland und Dänemark. Zu diesem Zeitpunkt wusste Prinzessin Elizabeth of York, geboren am 21. April 1926, dass sie voraussichtlich ihrem Vater George VI auf den Thron folgen würde. Ihr Onkel, König Edward VIII, hatte aus Liebe zu der geschiedenen Amerikanerin Wally Simpson 1936 abgedankt.

Als erstes weibliches Mitglied der Königsfamilie Militärdienst leisten

Als sie am 20. November 1947 Prinz Philip heiratet, ab jetzt der Duke of Edinburgh, ist die 22-jährige Prinzessin schon weit gereist, hat ihren Führerschein gemacht und sich zur Automechanikerin und Kraftfahrerin ausbilden lassen. Ein bemerkenswerter Schritt. Als erstes weibliches Mitglied der königlichen Familie wird sie ihren Militärdienst leisten. 1948 kommt ihr erstes Kind Thronfolger Charles zur Welt. 1950 wird die Tochter Anne geboren, später folgen die Söhne Andrew (1960) und Edward (1964). Nach dem Tod ihres Vaters wird sie am 6. Februar 1952 als Königin proklamiert, das Krönungszeremoniell am 2. Juni 1953 in Westminster Abbey 45 wird im Fernsehen live übertragen – so hat es die Monarchin angeordnet. Englands erstes großes TV-Ereignis versetzt die gesamte Nation in einen Freudentaumel.

Fortan zeigt die Königin häufig Medienpräsenz, die breite Masse ist begeistert, wenn sie sehen kann, wie "schlicht" ihre pflichtbewusste Monarchin lebt, die mit ihrer Familie am liebsten durch die Wälder von Windsor Castle reitet und ihre Corgie-Hunde liebt. Im Palast stets mit von der Partie: Elizabeth Bowes-Lyon, der Nation als Queen Mum ans Herz gewachsen und die Verkörperung aller englischen Tugenden. Kein Mitglied des Königshauses wurde so verehrt wie die Königinmutter, die vorwiegend Kanarienvogelgelb oder Himmelblau trug und den Tag stets mit einem Schluck schottischem Whisky beschloss. Die alte Dame wurde 101 und starb ausgerechnet in jenem Jahr 2002, als die eine ihrer beiden Töchter ihr goldenes Thronjubiläum feierte und die zweite, Margaret (1930-2002), nach schwerer Krankheit ebenfalls starb. 

Queen bei ihrem Thronjubiläum
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Die Queen bei ihrem Thronjubiläum
Princess Margaret. Lange galt die jüngere Schwester der Königin als heimlicher Star des britischen Königshauses. Als ihre Romanze mit dem Fliegeroffizier und geschiedenen Familienvater Peter Townsend, den sie heiraten möchte, publik wird, schlägt diese Nachricht hohe Wellen. Die Ehe einer Prinzessin mit einem geschiedenen Bürgerlichen: undenkbar! Millionen leiden mit Margaret, als sie dem Drängen des Hofes nachgibt und auf eine Ehe verzichtet.

Es sind die 50er-, 60er-Jahre. Die Gesellschaft beginnt, sich zu öffnen, die Grenzen von "upper class" und "lower class". verwischen, London, "the coolest city on earth", is swinging. Princess Margaret liebt die Künste, den Wein, die Musik und das Showbusiness. Dieses Mal ist es ein Fotograf, Anthony Amstrong-Jones, mit dem sich die 30-Jährige ablichten lässt. Spektakuläres Beispiel für die neue offenere Gesellschaft ist ihre Hochzeit 1960. Aus Amstrong-Jones wird der Earl of Snowdon, die Prinzessin bekommt zwei Kinder. Scheidung 1978.

Diana - die Königin der Herzen

Inzwischen ist Elizabeths ältester, Prinz Charles, so weit, dass die Nation auf seine Hochzeit wartet, und im Juli 1981 verfolgt ein Millionenpublikum am Bildschirm, wie Prinz Charles Lady Diana Spencer in St Paul’s Cathedral 40 zum Traualtar führt. Zwei Söhne gehen aus dieser Ehe hervor, William (1982) und Henry (1984). Es wird eine turbulente Ehe, ein gefundenes Fressen für die Blätter aus der Fleet Street. Die Schlagzeilen wiederholen sich: Charles geht fremd, Diana geht fremd, Diana wird magersüchtig, Charles bleibt kalt, und so weiter und so fort. Das Ehe(un)glück währt nicht lange, Charles lässt sich 1996 scheiden und heiratet im April 2004 Camilla Parker-Bowles. Und Diana wird auf tragische Weise die "Königin der Herzen".

6. September 1997. In Londons Straßen herrscht Stille, alle Geschäfte sind geschlossen. Wenige Minuten nach zehn schlägt die Totenglocke vom Turm der Westminster-Abtei 45 zum ersten Mal. Am Kensington Palace 18 setzt sich der Trauerzug mit der verstorbenen Prinzessin Diana, die am 31. A ugust 1997 mit ihrem neuen Freund Dodi Al-Fayed in Paris t.dlich verunglückt ist, in Bewegung. Zwölf Soldaten ihres Leibregiments in roten Röcken und schwarzen Bärenfellmützen flankieren den Sarg, den die blaurot-goldene Königsstandarte umhüllt und weiße Lilien, Rosen und Tulpen schmücken. Menschen weinen und rufen tränenerstickt "Diana, we love you!" Viele Millionen trauern in aller Welt - und bescheren den Medien einen Jahrhundert-Hype. Diana wird zur Ikone – und zum Opfer der Windsors, vor allem der Queen, stilisiert. Bis zu diesem Tag hat sich Königin Elizabeth der trauernden Öffentlichkeit nicht gezeigt, das empört die Briten. "Sie ist eben doch eine kalte und herzlose Frau", heißt es nicht nur in den Boulevardblättern. Die Monarchie erlebt ihre größte Krise seit Langem.

Catherine, Herzogin von Cambridge, Queen Elizabeth und Prinz William
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Catherine, Herzogin von Cambridge, Queen Elizabeth und Prinz William
Als Dianas Sarg den königlichen Palast passiert, verneigt sich die Königin. Dann verlässt sie ihre Residenz im schwarzen Rolls Royce, um in die Abtei zu fahren, und als in diesem Augenblick der Union Jack, die Flagge des Vereinten K.nigreichs, auf dem Buckingham Palace 7 auf Halbmast gezogen wird, brandet im Hyde Park, wo Hunderttausende die Trauerfeier über riesige Bildschirme verfolgen, und in Londons Straßen Beifall auf. Erleichterung unter den Menschen, die ihren Tränen nun freien Lauf lassen, als Dianas persönlicher Freund Elton John sich in Westminster Abbey an das Klavier begibt und '"Goodbye England’s Rose" anstimmt, nach der Melodie seines Songs "Candle in the Wind".

Dort, wo Diana zuletzt wohnte, im Kensington Palace, haben sich ihr Sohn William und seine reizende Frau Catherine eine Wohnung eingerichtet. Ein neues Kapitel in der Chronik der Windsors.

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Die Geschichte ist ein Auszug aus dem Buch "London - Eine Stadt in Biographien", erschienen in der neuen Reihe MERIANporträts. 20 ausgewählte Biographien geben einen facettenreichen Einblick in Vergangenheit und Gegenwart, Kultur und Lebensgefühl von Barcelona.

MERIANporträts stellen berühmte Bewohner der schönsten Metropolen vor. Charles Dickens etwa führt durch das viktorianische London und Peggy Guggenheim wandelt auf ihrer venezianischen Dachterrasse. In jedem Städteband werden 20 faszinierende Personen vorgestellt. Dazu gibt es konkrete Adressen, wie man auf deren Spuren wandeln kann und eine Karte zur Orientierung. 
 
Weitere MERIANporträts gibt es für Barcelona, Berlin, Dublin, Hamburg, St. Petersburg, Stockholm, New York, München, Paris, Prag, Rom, San Francisco, Venedig, Zürich und Wien.
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