Italien

Unterwegs in der Emilia-Romagna

Geschrieben am Montag, Juli 27, 2015 - 09:00

Emilia Romagna im Norden von Italien - dieses Ziel stand schon lange auf meiner Urlaubswunschliste. Allerdings wollte ich nicht etwa nach Parma, Modena oder Ferrara, sondern in die Küstenstadt Riccione.

Fußgängerzone in Riccione
Bettina Müller
Fußgängerzone in Riccione - ausgelegt mit grünem Rasen
Charme hat Riccione jede Menge. Auch wenn dieser für uns etwas untypisch sein mag. Oder haben Sie schon mal von einer Stadt gehört, die in der Fußgängerzone und auf allen Fußwegen Kunstrasen auslegt? Auch für Riccione war das dieses Jahr eine Premiere, die Einwohner und Touristen sind begeistert. Ich übrigens auch. Verrückt, diese Italiener. Und überhaupt: Das kleine Städtchen direkt neben Rimini lebt vom Tourismus. Wer jetzt aber denkt, dass sich dort Deutsche die Klinke in die Hand geben, nachdem sie morgens pünktlich den Liegestuhl mit ihrem Handtuch reserviert haben, liegt vollkommen falsch: Die meisten Touristen Ricciones kommen tatsächlich aus Italien. Wer also immer schon mal Urlaub wie die Italiener machen wollte, ist hier genau richtig. Italienische Lebensfreude und Gastfreundschaft inklusive!

Strandliegen am Strand von Riccione
Bettina Müller
Strandliegen am Strand von Riccione
Was ich in Riccione am besten fand? Neben dem guten Essen auf jeden Fall die Strandbäder, die Bagni di Riccone. Der sechs Kilometer lange Strand ist in 136 dieser Badeanstalten unterteilt. Ich habe noch nie einen Strand gesehen, der so durchorganisiert ist. Nachdem man solch ein Bagni betreten hat, steht man meist direkt im Bereich der kleinen Badehäuschen, in denen man sich umziehen kann. Wer möchte, kann sich eines dieser Mini-Häuschen sogar für einen längeren Zeitraum mieten und dort dauerhaft Strandspielzeug & Co. unterbringen. Je nach Badeanstalt gibt es dann neben den Toiletten und Duschen noch einen Spielplatz, eine Terrasse mit Fernseher, eine Mini-Bibliothek oder sogar einen Pool, bevor einen der Weg weiter in Richtung Strand und damit direkt zur großen Liegestuhllandschaft führt. Hätte mir vor meiner Reise jemand von diesem System der Badeanstalten erzählt, hätte ich es vermutlich nicht geglaubt. Eine ganz eigene Welt, mit einem ganz eigenen Charakter, die man einfach mal gesehen haben muss. Mein absoluter Favorit: das "Spaggia 60 Riccione"  - hier fühlt man sich direkt wie in einer Raffaelo-Werbung.

Fußweg in San Giovanni
Bettina Müller
Mit grünem Rand: Fußweg in San Giovanni
Nachdem ich mich am Meer genügend entspannt und auch sportlich ausgepowert hatte (ich kann Nordic Walking am Strand wärmstens empfehlen), führte mich ein Ausflug ins Hinterland Ricciones. Mein Highlight der Tour: San Giovanni in Marignano.

Der Besuch des Städtchens war einer von mehreren Programmpunkten an meinem Tag im Hinterland. Ohne große Erwartungen an das, was da kommen mag, zu haben, stieg ich gemeinsam mit meiner kleinen Reisegruppe aus dem Bus und ließ meine Blicke über die leere Piazza Silvagni schweifen. Es war mittags, die kleine Stadt wirkte wie ausgestorben, was ihr auf den ersten Blick einen verwunschenen Charakter verlieh. Ein Eindruck, der sich noch verstärken sollte, als wir durch das alte Stadttor "Torre civica" gingen, das uns direkt in die Via XX Settembre und ihre vielen Seitengassen führte.

Seitengasse in San Giovanni
Bettina Müller
Seitengasse in San Giovanni
Auch hier liefen uns nur ganz vereinzelt Einwohner über den Weg. Stets nett grüßend. Von Touristen weit und breit keine Spur. San Giovanni in Marignano probiert gerade erst – ganz im Gegensatz zu Riccione, Touristen zu sich zu locken. Als Besucher hat man deshalb die Chance, ein recht unberührtes Städtchen zu entdecken. Auch die Internetseite der Stadt bietet bisher keine Möglichkeit der Übersetzung ins Deutsche oder Englische – hier ist Italien wirklich italienisch. Und es gibt jede Menge zu bestaunen: In der historischen Innenstadt mit all ihren kleinen Gassen lassen sich auch heute noch die Spuren der Adelsfamilie der Malatesta von Rimini entdecken, die hier regierte. Teile des alten Burggrabens sind immer noch erhalten und die ehemaligen Kornkammern – die „Fosse“ – zeichnen heute wieder das Straßenbild: Ihre Positionen sind seit Sanierungsarbeiten mit großen runden Steinplatten auf den Gehwegen markiert. In diesen unterirdischen Kammern hat man früher Weizen vor den Feinden gelagert. Ein ausgeklügeltes System, das man heute teilweise besichtigen kann.

San Giovanni
Bettina Müller
Touristenmassen sind Fehlanzeige in San Giovanni
Das kleine verschlafene San Giovanni in Marignano könnte sich kaum mehr von Riccione unterscheiden. Beide Städte haben ihren ganz besonderen Reiz und man sollte sie bei einem Besuch der Küste der Emilia Romagna auf keinen Fall auslassen. Andiamo, auf nach Italien!

Unsere Kollegin von den Küchengöttern hat in der Emilia-Romagna nicht nur am Strand gelegen, sondern gelernt, wie man Tagliatelle selbst macht: www.kuechengoetter.de
Autor:
Bettina Müller