Guatemala

Erst krähen die Hähne, dann explodiert der Vulkan

Geschrieben am Donnerstag, März 6, 2014 - 10:00

Sonnenaufgänge gibt es so viele auf der Welt - vom riesigen Feuerball über der Serengeti bis zur fahlen Scheibe am Polarkreis. Aber nur die wenigsten kommen mit einer eigenen Vulkanexplosion.

Lagerfeuer auf der Spitze der
Anna Albrecht
Die Dunkelheit bringt klirrende Kälte mit sich. Zumindest am Lagerfeuer können wir uns wärmen.
Als der Guide uns um 3:45 Uhr im Hostel abholt, wollen wir uns eigentlich noch einmal auf die andere Bettseite drehen. Es ist kalt, wir sind müde, wir wollen nicht. Aber da ist eben auch diese Vorfreude, die uns dann doch aus den Betten zwingt. Mit einem "Chicken Bus", einem der berühmten bunt angemalten Busse, fahren wir vom Hostel rauf zur "Indian Nose", einem 2863 Meter hohem Berg am Lago de Atitlán. Ganz auf die Spitze schafft es das Ungetüm nicht und so wagen wir die letzten Meter des Aufstiegs in vollkommener Finsternis. Unser Guide ist wesentlich schneller als wir unterwegs, ist ja klar, schließlich macht er die Tour auch jede Woche. Mit der einzigen Taschenlampe eilt er voraus und wir stolpern im Dunkeln hinterher, versuchen seine schemenhafte Gestalt zu erkennen und zu erahnen, wo er seine Schritte hingesetzt hat. Jetzt bloß nicht fallen! Nach dem halben Weg sind wir schon aus der Puste, doch unser Guide macht uns Beine, wir müssten uns beeilen. In der Dunkelheit erreichen wie den Gipfel und schöpfen Atem. Der Guide macht ein Feuer und setzt einen starken Kaffee auf, der ein wenig die Kälte aus den Knochen vertreibt. Müde sind wir schon lange nicht mehr.

Lago Atitlán
Anna Albrecht
Der Lago Atitlán glitzert im ersten Sonnenlicht.
Dann wacht unter uns Guatemala auf. Erst krähen die Hähne, dann folgen das Bellen der Hunde und das Hupen der Busse. Ganz, ganz langsam beginnt es zu dämmern. Schwarz wird blau, dann orange, dazwischen ein Hauch von Purpur. Was für Farben! Der Ausbruch des nahegelegenen "Vulcano Fuego" markiert den Höhepunkt des Schauspiels. Wir lassen uns von der Sonne wärmen und machen uns auf den Abstieg. Der Guide ist nach wenigen Minuten schon wieder verschwunden, aber wen stört es, wir laufen ja jetzt im Tageslicht und an kniffligen Abzweigungen wartet er immer auf uns. Durch Maisfelder und vorbei an Kaffeebüschen und Avocadobäumen spazieren wir zwei Stunden hinunter nach San Pedro la Laguna – und sind pünktlich zum Frühstück zurück.

 

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