Segelreise

Das Tor zur Nordsee

Geschrieben am Dienstag, Juni 19, 2012 - 09:42

300 Seemeilen sind es von hier bis zur Westküste Dänemarks. Das entspricht rund 555 Kilometern - der direkte Weg, den ein Segelboot allerdings nie segelt. Zu rechnen ist mit rund 600 Kilometern. Bei einer Geschwindigkeit von 6 Knoten sind in 24 Stunden - Segler sprechen von einem Etmal, eine von mittags zu mittags zurückgelegte Wegstrecke - 144 Seemeilen zu schaffen. Es wird also zwei bis drei Tage dauern, um rüberzumachen.

Marc Marin
Im Westen Jütlands wartet der Fischereihafen Thyborøn, Planziel A, eine schmale Einfahrt, die nur bei bestimmten Winden anzulaufen ist. Es gibt wenige Ausweichhäfen an der dänischen Westküste, die obendrein nur im Notfall anzusteuern und normalerweise für Yachten ungeeignet sind. Alternativen bei Wind- und Wetterwechsel: Deutsche Bucht und Elbe liegen 600 Seemeilen entfernt. Südnorwegen weitere 120 von Thyborøn aus. Das Skagerrak zu passieren und die Spitze Skagens zu runden ins halbwegs sichere Kattegat würde weitere 120 nautische Meilen bedeuten. Das Wetterfenster muss demnach recht gut stimmen, sonst taumelt und torkelt man haltlos auf der Nordsee durch die Gegend. Hind und her, rauf und runter. Ein schönes Spiel. Ein bisschen wie Schach, die ganze Sache.

Die Spielregeln allerdings zusammengebraut aus Wetter, Wind und Strömungen an der dänischen Westküste. Hinzu kommt ein Zickzack durch dichte Felder aus Bohrinseln auf der Nordsee. Immer wieder der Blick auf die große Seekarte, auf die Handbücher, die Tidentabellen, das Notieren der Wetterberichte von BBC 4, den dänischen Vorhersagen und jenen des Deutschen Wetterdienstes. Krächzend und rauschend kommen sie über Langwelle rein. Eine eigenartige Form des Reisens. Vorn im Cockpit sitz kein Pilot, kein Zugführer. Oben im Himmel hocken die Wind- und Wolkengötter. Man sollte ihnen gut zuhören.

Autor:
Marc Marin