Segelreise

Geld für Gold

Geschrieben am Donnerstag, Mai 3, 2012 - 10:06

Solche Besorgungen sind gut. Man ist kein Tourist. Man ist mittendrin im Land, im Alltag. Bei den Fahrten durch die Orte merkt man, dass die Krise auch an Schottland nicht ohne Folgen vorbeigegangen ist. Überall Cheque Bureaus, kleine windige Kreditagenturen und vor allem – Pawn Shops an jeder Ecke. Pawn Shops sind Pfandleihen. Bei uns eher selten, sind sie hier Gang und Gebe. "Cash for Gold",  "We buy Gold, Silver and Mobile Phones, Best prices paid" – das ist überall zu lesen. Die Menschen tragen ihr letztes Hab und Gut in diese Läden, um einen Notgroschen zu bekommen, wenn der letzte Notgroschen schon längst ausgegeben ist. Schottland strotzt bis jetzt nicht gerade vor Reichtum.

Marc Marin
Viele Häuser sind zerfallen, sogar der düsteren St. Patricks Church in Dumbarton fehlt offenbar das Geld, um das Schild zu reparieren. Halb abgeblättert hängt es an der steinernen Front des alten Gotteshauses. Auch den Menschen sieht man die Misere an. Graue Gesichter, zerknautscht, müde. Und nicht wenige Männer sind dekoriert mit den Spuren der letzten Schlägerei. Gestern begegnete mir ein alter Mann in einem alten Mantel, er hatte eine frisch genähte Wunde über dem linken Auge. Er hinkte.

Marc Marin
Auffallend sind auch die Klamottenläden. So billig wie hier kann man selten einkaufen. Die meisten Schuhe zum Beispiel, die in dieser kleinen Arbeiterstadt verkauft werden, kosten zwischen sieben und 12 Euro. Nicht immer ist eben alles so bunt und glatt wie in den bunten und glatten Prospekten. Es wird Zeit, dass es es raus geht – aufs Wasser!
Autor:
Marc Marin