Segelreise

Haddock und die Riesenfritten

Geschrieben am Donnerstag, April 26, 2012 - 13:50

Es soll mit der See, mit den Fischen und mit den Menschen zu tun haben. Was ich als allererstes in diesem Vereinigten Königreich benötige, ist sozusagen Ehrensache, Klassiker und Nationalgericht in einem Guss. Ich will: Fish & Chips!

Erste Station: Dumbarton in Schottland. Ziel: Fish & Chips.
Eric Gaba
Erste Station: Dumbarton in Schottland. Die gestrichelte Linie zeigt die geplante Route.
Die bunten Buden blinken zum Glück überall, wo ich entlang fahre: in Glasgow, Bulloch, Greenock. In Glasgow ist gerade Mittagspause. Der erste Laden, den ich ansteuere und über dem das verheißungsvolle Fisch-und-Fritten-Logo prangt, ist rammelvoll. Geschäftsmänner in ausgeleierten schwarzen Anzügen stehen Schlange, mir weht eine Wolke aus Bratfett und Ketuchupdunst in die Nase. Wartezeit: mindestens zehn Minuten. Ich bin ein ungeduldiger Menschen. Ich habe Hunger. Ich muss weiter.

Marc Marin
Immer mehr Buden säumen die Straßen. Und überall gibt es das berühmte frittierte britsche Seafood mit den Monsterpommes. Es springt einen regelrecht an. An der Central Station entdecke ich sogar einen Laden unter einer verrosteten Brücke, mitten im stinkenden Chaos von Menschen, Bussen und Taxis. Ausgerechnet hier: Eine Fish-und Chips-Bude namens "Blue Lagoon"!

Marc Marin
Ich halte in Dumbarton, einem zerschlissenen Arbeiterkaff an einem öligen Meeresarm. Möwen fliegen, Schiffe dümpeln, vor den Pfandleihen stehen Menschen wie Vogelscheuchen. Dann die Rettung: ein ferrarirot lackierter Laden namens "Andy’s Golden Fry", samt Home Delivery, Sit-in und knallroten Plastiksitzen. Ich setze mich. Bestelle. Keine vier Minuten später landet eine kapitale Portion Fisch und Fritten vor mir auf dem Tisch (und das ist noch die "small order"). Knusprig frittierter "Haddock", wie mir die Kellnerin (in ferrarirot-weiß-kariertem Kittel mit ketchup-rotem Häubchen) verrät: Haddock wie der Käptn in '"Tim und Struppi". So heißt hier die Kabeljau-Art, die zum Fisch der Massen wird. Dazu gibt es die Pommes: Sie sind dicker als mein Mittelfinger, sehen aus Balken und sind am Ende lappiger als ein Schluck Wasser in der Kurve. 

Marc Marin

Aber doch. Es schmeckt. Es schmeckt nach Großbritannien. Die Portion kostet 4,25 Britische Pfund Sterling. Das sind um die fünf Euro. Das ist in Ordnung. Allein der verdrückte Pommesberg wird für nächsten 12 Stunden reichen. Die ersten Fish & Chips tun gut. Ich bin angekommen.  

 

Autor:
Marc Marin