Litauen

Kunst in Vilnius

Geschrieben am Montag, Mai 20, 2013 - 10:00

Der Baum vor der St. Anne's Kirche in der historischen Altstadt von Vilnius leuchtet in der Sonne - in Rot, Blau und Grün, denn fleißige Stricker haben ihm zur Verschönerung ein "maßgeschneidertes Wollkleid" verpasst. Ein paar Schritte weiter fällt der Blick auf die Frontseite eines Gebäudes. Sie ist grau, eigentlich nichts außergewöhnliches, in die Hauswand wurden aber bunt verzierte Teekannen eingemauert. Kunst der etwas anderen Art - in der litauischen Hauptstadt findet man sie an vielen Ecken. Graffitis in Hinterhöfen, Holzvögel zwischen Blättern, ein gelber Alien im Geäst - oder vielleicht ein überdimensionales Hühnchen? Egal, die Werke sind auf jeden Fall schön anzuschauen, doch lassen sie einen mit Fragen zurück. Alien oder Hühnchen? Und warum hängt es überhaupt in einem Baum? Gerne würde man mehr erfahren.

Susanna Bloß
Glück auf einen Gedankenaustausch mit einem Kunstschaffenden hat man vielleicht am Rande der Altstadt im Stadtteil Užupis. Hier entwickelte sich eine Künstlerkolonie in den 1990er Jahren. Jedes Jahr am 1. April feiern die Bewohner ihre Unabhängigkeit. Vor einigen Jahren riefen sie im Rahmen einer Kunstaktion die unabhängige Republik Užupis aus - die sogar über eine Verfassung verfügt. Neben dem "Parlamentsgebäude", dem Café Užupio Kavine, ist diese auf einer Bronzetafel zu lesen, auf der sich Richtlinien wie "Jeder Mensch hat das Recht zu faulenzen oder nichts zu tun", "Jeder Mensch hat das Recht zu weinen" oder "Jeder Mensch hat das Recht zu sterben, ist hierzu jedoch nicht verpflichtet" wiederfinden. In Galerien und regelmäßigen Workshops zeigen die Künstler ihre Werke. Wer die Augen offen hält, findet einige Arbeiten auch unter freiem Himmel - in Seitengassen, Hinterhöfen oder in Bäumen.
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