Varanasi

Am Ufer des Ganges

Geschrieben am Mittwoch, Mai 30, 2012 - 10:01

Ich sitze am Ufer des Ganges und blicke aufs Wasser. Auf der Promenade herrscht geschäftiges Treiben: Kinder spielen, Frauen in bunten Saris stehen in kleine Gruppen zusammen und Sadhus mit ihren langen Haaren ziehen gemächlich vorbei. Viele Hindus beten und waschen sich im Heiligen FlussDas Bad im Ganges soll sie von ihren Sünden reinigen. Die Gläubigen wollen nach Möglichkeit auch eines Tages hier sterben - hier in Varanasi, eine der ältesten Städte Indiens und die heiligste Stätte im Hinduismus. Ihre Asche soll dann im Ganges verstreut werden, denn wer hier stirbt, so heißt es, entkommt dem Kreislauf der Wiedergeburt und ist erlöst. Und so wird nur wenige Meter von mir entfernt gerade ein Toter verbrannt.

Während ich gebannt das Treiben verfolge, springt plötzlich ein Affe vor mir auf die Mauer. Ich erschrecke mich, merke aber schnell, dass er sich überhaupt nicht für mich interessiert. Nur seine Banane ist ihm wichtig. Ich genieße weiter die Aussicht auf die Stadt und den Fluss - dort, wo Leben und Tod seit einer Ewigkeit nebeneinander existieren.

Autor:
Paola Poggiali